„Tor zur Stadt“: Eisenachs Großbaustelle beschäftigt Politik

Eisenach.  Eisenachs interessanteste Großbaustelle ist das „Tor zur Stadt“. Was hier geschieht und wie gebaut wird, beschäftigt die Stadtpolitik unverändert.

Entlang der Bahnhofstraße ist der Klinker der Fassade – ein sehr heller, gelblicher Farbton – im Erdgeschoss bereits erkennbar. Anderswo werden an Autoparkdecks, abweichend von ursprünglichen Vorgaben, Betonsteine verwandt. Das stößt auf Kritik.

Entlang der Bahnhofstraße ist der Klinker der Fassade – ein sehr heller, gelblicher Farbton – im Erdgeschoss bereits erkennbar. Anderswo werden an Autoparkdecks, abweichend von ursprünglichen Vorgaben, Betonsteine verwandt. Das stößt auf Kritik.

Foto: Peter Rossbach

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die ersten Bereiche der hellen Klinker-Fassade im Erdgeschoss des künftigen Fachmarktzentrums an der Bahnhofstraße sind zu sehen. Sie lassen erahnen, wie das Gebäude aussehen soll. Auch dies war ein Thema der Sondersitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Umwelt, Klima und Sport, der sich mit dem Bebauungsplan 6 und da insbesondere mit dem gerade entstehenden Komplex entlang der Bahnhofstraße befasste.

Zweieinhalb Stunden ging es ausgesprochen sachlich um den Bebauungsplan, dessen Entwurf erneut öffentlich ausgelegt und dann beschlossen werden soll. Der Plan befasst sich mit dem Gebiet zwischen Wartburgallee/Kreuzung Mitzenheimstraße, über die Bahnhofstraße, am Bahnhof vorbei bis an die Unterführung Langensalzaer Straße.

Schwerpunkt sind die neuen Gebäude im Gebiet „Tor zur Stadt“.

Eisenachs Stadtplaner Andreas Diedrich wies darauf hin, dass es sich aktuell eigentlich nur um die vom Stadtrat beauftragte Weiterentwicklung des vorhergehenden Entwurfes handele. „Wir haben das abgearbeitet, was uns der Stadtrat 2016 vorgegeben hat.“

Einzelhändler leiden,wozu ein neues Fachmarktzentrum?

CDU-Mann Rene Kliebisch und SPD-Ausschuss-Vorsitzender Jonny Kraft hatten aber den Eindruck, dass es doch gravierendere Abweichungen gebe, etwa weil das entstehende Fachmarkt-Gebäude nicht aus drei Gebäuden bestehe. Diese Dreigliedrigkeit, hielt Diedrich entgegen, habe es im Entwurf 2016 schon nicht mehr gegeben.

Architekt Max von Trott, Mitglied der die Stadt beratenden Projektgruppe „Tor zur Stadt“, bekräftigte dies. Schon im Jahr 2014 sei klar gewesen, dass es für den Fachmarkt ein einziges Gebäude geben werde, das aber durch einen Einzug gegenüber der Müllerstraße den Eindruck von mehreren Gebäuden vermitteln solle. Dieses Bild werde, so Diedrich, jetzt zum einen durch die farbliche Gestaltung der Fassaden im Erdgeschoss mit unterschiedlichen Klinker-Farbtönen und dadurch, dass der bauliche Einzug deutlicher ausfalle als geplant, noch verstärkt. Natürlich, so von Trott, sei es in Zeiten von Internethandel und Einzelhändlersterben ein Anachronismus, dass überhaupt ein Fachmarktzentrum an dieser Stelle nahe der Innenstadt gebaut werde. Die Realität lasse aber nichts anderes zu. Er lobte den Investor, dass er gerade bei der Ausgestaltung der Planung in den Detailfragen so gesprächs- und kompromissbereit sei.

Kritik gab es daran, dass in den Parkhausgeschossen an der Fassade mit Betonsteinen gearbeitet werde, obwohl dies im Entwurf 2016 ausgeschlossen ist. Diedrich und von Trott erläuterten, dass es nichts Ungewöhnliches sei, wenn sich solch ein Entwurf in der Bauphase ändere. Die Vorgaben seien analog der nicht für diesen Bereich geltenden Baugestaltungssatzung für die Innenstadt in den Entwurf geschrieben worden. „Diese Vorgaben waren also nicht für solche Bauten gedacht“, so Diedrich.

Bei den Betonplatten habe man es sich zudem nicht leicht gemacht. „Wir haben wie bei jedem anderen Schritt in enger Abstimmung mit Investor und Projektgruppe, also den Bürgern, gehandelt. Wir haben eine Betonplatte gießen und färben lassen, auf die Baustelle gebracht und bemustert. Die erste haben wir abgelehnt, weil sie nicht gut war, und eine neue herstellen lassen.“ Nun würden die Betonplatten in einem Gelb gefärbt, das sich an die Farbtöne des Klinkers anpasse.

Christian Kolb, Beauftragter der Investorengruppe Mey, sagte, dass man vor allem auf Beton setze, weil „wir den Lärm aus dem Parkhaus so wenig wie möglich auf die Bahnhofstraße dringen lassen wollen“.

Und Lärm war ein weiteres großes Thema im Ausschuss. Diese Frage, so Diedrich, habe man im ersten Entwurf nicht ernst genug genommen. Nun lägen die Ergebnisse mehrerer Gutachter vor. Vor allem an der Kreuzung Müllerstraße / Bahnhofstraße sei es laut. Das liege aber vor allem am Verkehrslärm.

Verkehrslärm ist ein Problem,das lässt sich nicht leugnen

Allerdings würden mit dem Bebauungsplan nun auch Grenzwerte festgelegt. Und es könne durchaus sein, dass diese an einzelnen Fenstern der Eckgebäude überschritten würden. Das müsse aber ein nachfolgendes Verfahren klären, das dann auch die Frage beantworte, wer der Straßenbaulastträger und damit im Falle des Falles für die Zahlung einer Entschädigung an die Eigentümer verantwortlich sei. Nach zweieinhalb Stunden war für Ausschuss-Chef Kraft nur noch eine Frage offen: „Was passiert, wenn wir diesen Plan ablehnen? Es gibt für das ‘Tor zur Stadt’ Baurecht, also eigentlich brauchen wir den Plan ja nicht“. Dazu gab es Widerspruch aus der Verwaltung. Ohne diesen Plan, so Diedrich, dürfe beispielsweise der große Lebensmittelmarkt nicht entstehen. Barbara Ihling, Abteilungsleiterin Bauordnung, sagte, dass bei einer Ablehnung der Auslegung des Bebauungsplanes eine Grundlage für das erteilte Baurecht hinfällig werde, und somit eine Nutzungsuntersagung drohe. Vermutlich die nächste Stadtratssitzung wird Klarheit bringen, dann soll die Auslegung des Bebauungsplanes auf der Tagesordnung stehen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren