Herleshausen mit Werra-Grenzpark

Werratal  Auf Thüringer Seite soll parallel dazu ein Grenzweg mit zehn Hotspots entstehen

Auf der braunen Fläche am östlichen Ortsrand von Herleshausen soll der Werra-Grenzpark

Auf der braunen Fläche am östlichen Ortsrand von Herleshausen soll der Werra-Grenzpark

Foto: Jensen Zlotowicz, Grafik: beier + wellach projekte

Die Initiatoren des Werra-Grenzparkes in Herleshausen und des verbundenen -Grenzweges in der benachbarten Wartburgregion hätten das Projekt gern schon 2020 realisiert und den Rückenwind des 30. Jahrestages der Deutschen Wiedervereinigung genutzt, doch Förder- und Vergaberichtlinien machen die Umsetzung in diesem Zeitraum unmöglich.

Dennoch, der von Hessischer und Thüringer Seite gemeinsam erarbeitete Entwurf ist mit Hilfe des Berliner Planungsbüros Beier + Wellach zumindest für den Grenzpark Herleshausen in Beton gegossen. Peter Wellach stellte das Konzept am Dienstagabend im Herleshäuser Gemeinderat vor guter Bürgerkulisse vor. Die Protagonisten von Seiten des Wartburgkreises, allen voran des federführenden Verbandes Werratal-Touristik, waren nicht eingeladen. Auf Thüringer Seite gab es noch keine solche Veranstaltung.

Der direkt am Werratal-Radweg auf einer Salzwiese geplante Grenzpark Herleshausen könnte, wenn alles glatt geht, im Mai 2021 eröffnen. Es hängt vor allem wie so häufig an der Finanzierung. Wie auch die durch Neuenhof und Wartha in den Werra-Grenzweg eingebundene Stadt Eisenach ist die Gemeinde Herleshausen finanziell klamm, steht noch zwei Jahre unter dem Rettungsschirm des Landes Hessen. Damit ist der Ort in seinen freiwilligen Leistungen limitiert. Also müssen auch Geldgeber gefunden werden, die den Eigenanteil der Kommune übernehmen. Mögliche Quellen sind eruiert und anvisiert.

Die Planer sprechen von etwa 350.000 Euro Kosten für den Park und gut 170.000 Euro für den Weg. Der Weg soll zehn sogenannten Hotspots mit Info-Stelen auf dem Gebiet der Stadt Eisenach und der Gemeinde Gerstungen einbinden, gerne auch weiter bis Berka/Werra und Obersuhl mit dem bestehenden Grenzmuseum, sagt Werratal-Tourismus-Chefin Heidi Brandt. Sie lenkt das Projekt auf Thüringer Seite. Am 3. Oktober war in Herleshausen der Verein Werra-Grenzpark gegründet worden. Alle Vorarbeit, etwa Geld bei der Bundesstiftung Aufarbeitung locker gemacht, hatte der Werratalverein geleistet.

Der betreuungsunabhängige Erinnerungs- und Bildungsort soll unter anderem das Alleinstellungsmerksmal Herleshausens als jahrzehntelange Grenzübergangsstelle DDR-BRD abbilden. Zugleich beleuchtet er Themen wie die Gegenüberstellung der Übergangsstellen Wartha und Herleshausen in der höchsten Ausbaustufe 1985, den Freikauf von DDR-Bürger durch die Bundesrepublik und ihre Weiterfahrt ins Aufnahmelager Gießen, Flucht aus der DDR oder die Rolle der Alliierten an diesem „Loch in der Grenze“.

Ein Modell der Grenzübergangsstellen im Maßstab 1:750 ist geplant, verbunden durch die Autobahn 4, die wie eine Intarsie in den Boden gelegt ist. Man kann im Grenzpark dann zwischen Wartha und Herleshausen über die Grenze gehen. Ausgestattet wird der Grenzpark dazu mit Fotos, Audiobeiträgen von Zeitzeugen und Video-Filmen. Auch Gegenwart und Zukunft beim Thema Flucht wollen die Macher bedenken.

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