Hilfe für Burschenschaftsdenkmal in Eisenach

Eisenach  Bürgerinitiative wirbt Spenden für Sanierung nach Farbanschlag ein und vermisst klare Stellungnahme von OB Wolf.

Spuren des vermutlich politisch motivierten Farbangriffs auf das Burschenschaftsdenkmal sind auch an der Langemarck-Gedenkstätte sichtbar. Der Gesamtschaden wird um die 100.000 Euro geschätzt.

Spuren des vermutlich politisch motivierten Farbangriffs auf das Burschenschaftsdenkmal sind auch an der Langemarck-Gedenkstätte sichtbar. Der Gesamtschaden wird um die 100.000 Euro geschätzt.

Foto: Norman Meißner

Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Die Linke) erklärt, dass sie in Gremien der Stadt und an anderer Stelle den jüngsten Farbanschlag auf das Burschenschaftsdenkmal mehrfach verurteilt habe. Manfred Lindig, der für eine Gruppe Eisenacher Bürger und CDU-Politiker spricht, die für die Beseitigung der Schäden am Denkmal Geld sammeln und zu Spenden aufruft, hätte sich von der OB eine klarere, öffentliche Kommentierung zur Schandtat am Denkmal gewünscht.

Eine schriftliche öffentliche Stellungnahme zur Tat hätte den Verursachern nur mehr Aufmerksamkeit verschafft. Und das wolle sie nicht, erklärte Katja Wolf auf Nachfrage. Für die Gruppe um Lindig, in der auch Eisenachs Alt-OB Hans-Peter Brodhun, Michael Bube, Silvio Sedlak, Hans-Peter Ferge, Lothar Emde, Heiko Lantzsch oder Michael Kunkel agieren, ist das unbefriedigend.

Ein Bauwerk von überregionaler Bedeutung

Die CDU-nahe Gruppierung hätte sich ein deutlicheres Signal der OB nach dem „ungeheuerlichen Anschlag“ der Denkmalschänder gewünscht. Wolf wiederholt darauf, sie habe ihre Position dargelegt.

Die Gruppe der Spendensammler macht deutlich, dass das Burschenschaftsdenkmal ein Bauwerk mit überregionaler Bedeutung ist. Den Tätern werfen sie nicht nur Sachbeschädigung im großen Stil vor, der Schaden durch spezielle Farbe innen und außen reicht nach Angaben von Gästeführer Edgar Schöne an eine sechsstellige Summe, sondern auch Unkenntnis der deutschen Geschichte.

Die Ur-Burschenschaft, die 1817 das Wartburgfest gefeiert hatte, hatte sich die deutsche Einheit, einen bürgerlichen Nationalstaat, Freiheit und Gleichheit auf die Fahne geschrieben. Soziale Anliegen wie Bauernbefreiung, allgemeine Wehrpflicht, Rede- und Meinungsfreiheit und wirtschaftliche Freizügigkeit und Gewerbefreiheit seien Grundsätze gewesen, die in die Reichsverfassung von 1848, die Weimarer Reichsverfassung von 1919 und in das Grundgesetz der BRD teils einflossen, geben die Bürgeranwälte des Denkmals zu bedenken. Von den Nationalsozialisten wurden die Burschenschaften verboten, erinnern die Initiatoren eines offenen Briefes nach dem Anschlag auf das Monument. Dass die Burschenschaften auch in der DDR verboten waren, scheint aus Sicht der Unterzeichner ebenso in Vergessenheit zu geraten wie die Tatsache, dass der Staat das Denkmal dem Verfall preis gab und gar dessen Abriss in Erwägung zog. Allein engagierte Bürger wussten dies zu verhindern.

Wer dies im ideologischen Zwang auf das Denkmal ignoriere, habe Geschichte nicht verstanden. Die heutige Deutsche Burschenschaft sei nach der Trennung von zahlreichen völkischen, nationalistischen bis rechtsextremen Burschenschaften zudem nicht mehr die selbe wie noch vor zehn Jahren, heißt es. Seit 2008 bekommt die (alte) Deutsche Burschenschaft in Eisenach die Aßmann-Halle nicht mehr für ihr Wartburg-Treffen.

Der Denkmalerhaltungsverein Eisenach hat sich in einem offenen Brief an die künftig im Thüringer Landtag vertretenen politischen Parteien gewandt. Darin rügt der Verein ebenfalls die aus seiner Sicht fehlende offizielle Reaktion der Eisenacher Oberbürgermeisterin und bittet die Parteien um eine offizielle Verurteilung dieser Art von Anschlägen. Das Bekennerschreiben zum Anschlag in der Nacht zum 29. Oktober auf einer Internetplattform wird in diesem Brief ebenfalls thematisiert. Die Kripo ermittelt intensiv.

Das Burschenschaftsdenkmal bleibt trotz der Schäden für Besucher geöffnet. Man wolle der Öffentlichkeit demonstrativ zeigen, was da passiert ist, heißt es vom Verein. Die eingangs genannte Bürgerinitiative sammelt derweil Spenden.

Spendenkontakt: Denkmalerhaltungsverein Eisenach, Axel Zimmermann, Tel. (03691) 2453028

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