Im Eisenacher Kartausgarten führt ein Weg zurück in die Zukunft

Eisenach.  Der Gartenarchitekt Daniel Rimbach stößt mit seinen Analysen zur Gestaltung des Kartausgartens bei der öffentlichen Führung auf großes Interesse.

Das sonst nicht öffentlich zugängliche Teehaus mit seinen historischen Tapeten „Armor & Psyche“ wurde für den Gartenrundgang mit Gartenarchitekt und Gartenhistoriker Daniel Rimbach eigens für die Teilnehmer geöffnet.

Das sonst nicht öffentlich zugängliche Teehaus mit seinen historischen Tapeten „Armor & Psyche“ wurde für den Gartenrundgang mit Gartenarchitekt und Gartenhistoriker Daniel Rimbach eigens für die Teilnehmer geöffnet.

Foto: Jensen Zlotowicz

Hunde haben in einer öffentlichen und denkmalgeschützten Gartenanlage eigentlich nichts zu suchen, sagt Gartenarchitekt und Gartenhistoriker Daniel Rimbach. Im Auftrag der Stadt hat der Experte eine denkmalpflegerische Zielplanung für den seit 1978 unter Denkmalschutz stehenden Eisenacher Kartausgarten erarbeitet. Hunde und ihre Besitzer, war bei einer öffentlichen Gartenführung Rimbachs am Mittwoch von Bürgern zu erfahren, seien ein Problem in dieser Anlage. Vor allem in den Morgenstunden. Es fehle Kontrolle des Ordnungsamtes, hieß es bei der Veranstaltung. Aus Rimbachs Sicht sei Hunden in Deutschland häufiger mehr gestattet als kleinen Kindern.

Etwa 40 Neugierige hatten sich im Kartausgarten eingefunden, um dem Gartenexperten zu lauschen – und auch ihre Meinung kund zu tun. Sie wollen gar nicht, dass man um den Kartausgarten mehr Rummel, ihn weiter publik macht, ihn mit Info-Tafeln und Leitsystem ausstattet und mehr Menschen dort hin strömen. Schließlich sei diese Anlage auch ein Ort der beziehungsweise ihrer Ruhe. Der seien mehr Besucher nicht zuträglich.

Kleinod ist derzeit unter Wert verkauft

Mit dieser Meinung stand die Seniorin aus Sicht der städtischen Vertreter zum Glück alleine da. Es ist vielmehr ein großer Wunsch vieler, den Kartausgarten auch außerhalb der Stadtgrenzen populärer zu machen. Das Kleinod ist aus Sicht Rimbachs derzeit unter Wert verkauft.

Die denkmalpflegerische Planung zielt weniger auf Sofortmaßnahmen ab, denn auf mittel- und langfristiges Tun. So hat Rimbach die komplette Einzäunung des Gartens als ein Ziel ausgegeben, das die Anlage aufwerten würde. Ob jeder abgestorbene Baum im Kartausgarten ersetzt werden müsste? Der Gartenexperte hat darauf ein klares: Nein. Die Zahl der Gehölze im Garten sei überproportional, eher zu viel. Man müsse jetzt nicht anfangen wie wild Bäume zu entnehmen, aber behutsam und mit Verstand könne man den Garten damit aufwerten, so der Fachmann – nicht nur, aber auch wegen der damit verbundenen neuen (alten) Sichtachsen.

Der Kartausgarten ist einer der wenigen Anlagen dieser Art, die keine direkte Beziehung zu einem Schloss oder derartigen haben. Das Gärtnerhaus ist das bauliche Maß der Dinge, dozierte der Gartenarchitekt und Gartenhistoriker. Er hat der Stadt ins Stammbuch geschrieben, die nach 1990 abgerissenen Gewächshäuser nach historischem Vorbild wieder zu erreichten. Eine weiße Pergola steht heute an dieser Stelle. Sogenannte Anlehngewächshäuser würden der historischen Intention genüge tun.

Das Gärtnerhaus mit dem Teezimmer, das auch wegen der historischen Tapeten darin nicht mehr öffentlich zugänglich ist, ist nur im Einklang mit dem Kartausgarten zu sehen. Ein Café in diesem Gebäude würde die Verweilqualität in der Anlage erhöhen. Was dabei mit den wertvollen Drucktapeten einer Pariser Firma geschieht, ob sie wie vom Thüringer Museum geplant, im Stadtschloss einen Platz erhalten und durch Kopien ersetzt werden sollen, muss aus denkmalschützerischer, aber auch politisch entschieden werden. Der Raum, das einstige Zimmer für Damenkränzchen der Herzogin, wäre ohne Originale wieder nutzbar, auch für Veranstaltungen – etwa von Ostern bis Oktober.

Eine bestimmte Stilreinheit sei im historisch gewachsenen und im Vergleich zum 19. Jahrhundert kleiner gewordenen Kartausgarten nicht zu erzielen. Das lag nicht im Sinn der Hofgärtner vor und nach den Zeiten der Monarchie. Aber hier und da etwas gerade rücken, etwa den Teich naturnaher oder den Rosengarten umgestalten, sei ratsam. Die Stadtverwaltung hat nun die Marschrichtungszahl. Die beiden Gärtner des Kartausgartens haben mit Rimbachs Expertise nun auch fachliche Rückendeckung, hier oder da einen Baum zu fällen. Im Zeitalter des Klimawandels und der Sensibilität der Öffentlichkeit war das bisher immer problematisch.