Kossenhaschen-Gruft in Creuzburg ist zugemauert

Creuzburg.  Der Arbeitskreis heimischer Orchideen hat nicht nur in Creuzburg viel Land erworben und widmet sich dort intensiv dem Naturschutz.

Zugemauert wurde die Kossenhaschen-Gruft über Creuzburg, die ein Fledermaus-Quartier geworden ist.

Zugemauert wurde die Kossenhaschen-Gruft über Creuzburg, die ein Fledermaus-Quartier geworden ist.

Foto: Jensen Zlotowicz

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Es war der 1. Oktober 2012 als der Name des damals Einjährigen von seinen Lieben an eine Wand in der Kossenhaschen-Gruft oberhalb von Creuzburg neben die zahlreichen anderen schriftlichen Andenken geschrieben wurde – mit einem Stück verkohltem Holz aus der illegalen Feuerstätte vor der historischen Gruft. Seither führte die Eisenacher der Weg nie wieder an diesen Ort aus Kalkstein, bis Mittwoch. Verdutzt stellten die Akteure von damals fest, dass sie den Namenszug des Filius nicht mehr sehen können, denn die Gruft ist mittlerweile zugemauert und dient als Fledermausquartier.

Den Schandfleck mit beseitigen

„Wir wollten diesen Schandfleck mit beseitigen“, sagt Otmar Töpfer. Der Eisenacher ist Vorsitzender des Vereins Arbeitskreis heimischer Orchideen (AHO) Thüringen. Der AHO hatte das Areal oberhalb Creuzburgs vor wenigen Jahren vor allem mit Blick auf das dortige Orchideenvorkommen von privat erworben und kümmert sich seither um die Flächen mit Naturschutzprädikat unterhalb des Wisch.

Die Gruft wurde für Fledermäuse im Inneren präpariert, der Eingang zugemauert, mit Fluglöchern versehen und mit zwei Informationstafeln zur Geschichte ausgestattet. Jahrelang war die Gruft beliebter Treffpunkt von Jugendlichen, wurde das Areal auch mit geländetauglichen Fahrzeugen frequentiert, in keinem Fall zum Wohl der Natur, weiß Otmar Töpfer. Auch jetzt zeigt Verpackungsmüll am steinernen Tisch oberhalb der Gruft, dass hier Menschen rücksichtlos hantieren.

Insgesamt 150 Hektar nennt der Verein in Thüringen mittlerweile sein eigen, darunter auch in Ebenau. Die Orchideenfreunde sind ein anerkannter Naturschutzverband. Im Vorfeld zahlreicher Bauvorhaben werden sie angehört, um aus naturschützerischer Sicht Stellung zu beziehen und Vorhaben zu bewerten. Töpfer lehnt ein militantes Vorgehen dabei ab. Das richtige Maß bei der Abwägung von Interessen sei immer wichtig.

Keine Beweidung mehr mit den Milchziegen von Bioluna

Seit sie auf dem Balkon vom Creuzburg Areal im Naturschutzgebiet erworben haben, ist an Wegen auch ein Schild zu entdecken: „Privatweg. Betreten auf eigene Gefahr“. Damit will der Verein keine Wanderer und Spaziergänger abschrecken. Vielmehr wurden solche Schilder aus versicherungstechnischen Gründen aufgestellt. An den weitläufigen Busch- und Wiesenflächen muss der Verein bei der Pflege Hand anlegen. Die Beweidung des Areals mit Ziegen oder Schafen würde die Pflege unterstützen. Das war einige Jahre auch der Fall. Seitdem der Betrieb Bioluna samt seiner Milchziegen aber von Creuzburg nach Ifta umzog, ist dem Team um Frank Burkhardt der logistische Aufwand für die Beweidung zu groß.

Nun bemüht sich der Arbeitskreis als Eigentümer um die Beweidung mit Schafen. Laut Otmar Töpfer besteht der Kontakt zu einem Schäfer aus dem östlichen Wartburgkreis. In den nächsten Wochen soll es dazu eine Entscheidung geben. Etwa 20 Prozent Handarbeit seien auch mit Beweidung noch nötig, sagt der AHO-Vorsitzende. Dass sich der Aufwand lohne, zeigte sich im Sommer, als die Orchideen blühten. Bei der langen Nacht der Natur im Juni will sich der Arbeitskreis heimische Orchideen einbringen, mit einer Exkursion etwa. Personell, so der Vorsitzende, sei der Verein derzeit ganz gut aufgestellt.

Eine Aktie hat der Verein auch am Projekt der ABS-Gesellschaft im Areal des sogenannten Kranichfluges am Naturlehrpfad. Dort pflegen ABS-Leute den Fichtenwald. Der ist in der natürlichen Kette von Tieren und Pflanzen ein Unterstützer von Orchideenvorkommen. Die Pflege dieser von Trockenheit und Borkenkäfer stark angegriffenen Wälder sei derzeit aber problematisch, weiß der AHO-Vorsitzende. Das Absterben von Fichtenwäldern beeinflusse auch die Orchideenvorkommen im mittleren Werratal.

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