Kultur ist den Eisenachern nicht egal

Die Zauberinnen: Stefanie Krauß hat mit Theater-Geschäftsführerin Theresa Frey über den offenen Brief gesprochen.

Im Foyer des Theater am Markt liegen Listen zur Unterschrift aus, um sich solidarisch mit den betroffenen MitarbeiterInnen des Landestheaters zu zeigen. Das große Plakat wird Mitte Dezember als symbolische Geste der Kulturstiftung Meiningen Eisenach übergeben. Bis 18. Dezember haben potenzielle UnterstützerInnen zwischen 14 und 18 Uhr täglich noch Zeit, den Namen einzutragen.

Im Foyer des Theater am Markt liegen Listen zur Unterschrift aus, um sich solidarisch mit den betroffenen MitarbeiterInnen des Landestheaters zu zeigen. Das große Plakat wird Mitte Dezember als symbolische Geste der Kulturstiftung Meiningen Eisenach übergeben. Bis 18. Dezember haben potenzielle UnterstützerInnen zwischen 14 und 18 Uhr täglich noch Zeit, den Namen einzutragen.

Foto: Stefanie Krauß

Das tut man nicht!“ Wie oft kriegte ich als Kind diesen Satz zu hören, und wie sehr habe ich‘s gehasst, jenes diktatorische Maßregeln seitens der Erwachsenen, wenn ich beispielsweise gerade so schön am Popeln war. Man popelt nicht, man schreit nicht rum, man isst seinen Teller leer, man sagt bitte und danke, man entschuldigt sich. Alles klar… bis zum nächsten Mal.

Intendanz will Jungens Schauspiel aufgeben

Nun wird mit diesem altbekannten Satz ein „offener Brief“ überschrieben, mit dem sich das Ensemble des Theaters am Markt an das Eisenacher Publikum wendet. Nicht in eigener Sache, sondern in solidarisch prinzipieller! Mit dem Wechsel der Intendanz am Landestheater gehen Änderungen im Ensemble einher: So dürfen alle sechs zur Sparte Junges Schauspiel gehörenden MitarbeiterInnen und noch zwei weitere im nächsten Sommer die Koffer packen und weiterziehen, lautete die ad-hoc-Entscheidung. Für die durch Covid und Brandkatastrophen ohnehin gebeutelte Kulturstätte ruft diese Entscheidung bei MitarbeiterInnen und Freunden des Theaters Schockstarre hervor. Im Brief heißt es, dass der neue Intendant trotz Einladung sich die mittlerweile prima eingespielte Truppe nicht einmal angesehen habe.

Thema in die Öffentlichkeit geholt

Somit konnte er sich auch kein Bild machen von ihren künstlerischen Qualitäten. Lässt sich Unbekanntes leichter feuern? Dieserart etwa war der erste Eindruck, den der offene Brief hervorgerufen haben mag. Den gilt es aber geradezurücken, sagt Theresa Frey, die Geschäftsführerin des TaM. Der neue, von der Kulturstiftung Meiningen Eisenach eingesetzte Intendant ist nicht nur derzeit krank, vielmehr ist er auch bloß ein Rädchen im Getriebe, von dessen zumeist patriarchalischen Strukturen und Beschlüssen nicht viel – oft gar nichts – an die Öffentlichkeit dringt. Nach dem unausgesprochenen Motto „Was keiner weiß, macht keinen heiß“ nimmt andererseits auch niemand Notiz, geschweige denn bezieht Stellung zu irgendwelchen mehr oder weniger internen Novitäten! Ohne unsere Veröffentlichung, so Frey, wäre das Junge Ensemble am Landestheater kein öffentliches Thema, wüsste gar niemand davon, was sich sozusagen hinterm Theatervorhang tut.

Bisher schon mehr als 250 Unterschriften

Brief und Unterschriftenliste sind keine offizielle Petition, sondern vielmehr als symbolische Geste zu verstehen, sagt Theresa. Mit ihr und den zurzeit mehr als 250 Unterzeichnern des Briefes aber haben wir zumindest den unstrittig schönen Beleg, dass die Eisenacher auch eisern für etwas eintreten, was ihnen wichtig ist – sofern sie nur informiert sind! Dass ihnen das Prozedere am Landestheater und der Umgang mit den dort arbeitenden Menschen nicht egal ist und dass sie, besonders unter den gegebenen Bedingungen, ebenfalls sprichwörtlich „diktieren“ würden: „Sowas tut man nicht“ – aus Solidarität und Menschlichkeit, denn ihnen sind wir das Beherzigen solcher Regeln letztlich schuldig. So wie ich haben mittlerweile fast 250 Menschen digital und analog die Liste unterschrieben, die noch bis 18. Dezember im Foyer des Theater am Markt ausliegt. Später wird sie der Kulturstiftung Meinigen Eisenach überreicht und darauf gehofft, dass diese Instanz unter dem Druck von öffentlichem Interesse vielleicht doch noch ein Nachsehen hat?!

Carolinde Müller-Wolf aus Eisenach sowie Stefanie und Susanne Krauß schreiben eine Zeitungskolumne, angelehnt an ihren Blog „Die Zauberer von Ost“.