Mann aus Hallungen stirbt in eisiger Ostsee

Hallungen.  Vor 75 Jahren sank die „Wilhelm Gustloff“ mit Tausenden Flüchtlingen aus Ostpreußen in der eisigen Ostsee

Walter Schmidt aus Hallungen kam als Marinesoldat beim Untergang des Wehrmachts-Lazarettschiffs „Wilhelm Gustloff“ vor 75 Jahren um.

Walter Schmidt aus Hallungen kam als Marinesoldat beim Untergang des Wehrmachts-Lazarettschiffs „Wilhelm Gustloff“ vor 75 Jahren um.

Foto: Reinhold Schmidt

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Wenn in diesen Tagen bei Gedenkveranstaltungen und in den Medien an die dramatischen Ereignisse wenige Monate vor Ende des Zweiten Weltkrieges erinnert wird, mag auch der 92-jährige Reinhold Schmidt aus Hallungen das ganze Drama für seine Familie noch immer nicht so richtig fassen. Denn zweien seiner drei Brüder hat der vom Naziregime angezettelte Krieg das Leben genommen. Während der damals 19 Jahre alte Erich seit Dezember 1944 bei Tirana (Albanien) als vermisst galt, traf es den 21-jährigen Bruder Walter am 30. Januar 1945. Er starb mit Tausenden Flüchtlingen aus Ostpreußen sowie vielen Marinesoldaten beim Untergang des Lazarettschiffs „Wilhelm Gustloff“ der Hitler-Kriegsmarine in der eisigen Ostsee.

Die Vermisstenmeldung geht an den Großvater

Das Schiff war auf dem Weg von Gdingen (damals: Gotenhafen, heute: Gdynia), als es am 30. Januar 1945 um 21.16 Uhr von drei sowjetischen Torpedos getroffen wurde. 9343 Menschen starben, nur 1239 überlebten. Zu den Geretteten zählte der Mühlhäuser Hans Joachim Pirro, der mit seiner Mutter und den letzten Flüchtlingen an Bord gegangen war und somit in einem der Rettungsboote Platz fand.

Erst sieben Monate nach einer der größten Seefahrtstragödien der Geschichte kam mit einem Schreiben vom 27. August 1945 vom Postamt Warnemünde die offizielle Vermisstenmeldung für Walter Schmidt in Hallungen an: „Aus hier vorgefundenen amtlichen Verlustmeldungen ist ersichtlich, dass der Maschinistenanwärter Walter Schmidt, geb. am 11. 5. 23 in Hallungen vom Schiff ‚Wilhelm Gustloff‘ seit dem 30. Januar 1945 auf der Höhe von Stolpmünde in der mittleren Ostsee als vermisst gemeldet worden ist.“ Adressiert war der Brief an Wilhelm Schmidt, den Großvater als Familienoberhaupt. Denn seine vier Enkelsöhne waren im Alter zwischen gerade einmal drei und neun Jahren nach dem frühen Tod ihrer Eltern Vollwaisen.

Der Schmerz bleibt, der Krieg hat dem Bruder das Leben genommen

Nur ein paar Fotos sind von dem so lebenslustigen und strebsamen Walter Schmidt geblieben. Eines des Bilder zeigt den vielleicht zehn oder elf Jahre alten Jungen mit Schulranzen auf dem Rücken auf der Dorfstraße in Hallungen. Links neben ihm ist Kurt Andres zu sehen, der auch im Krieg gefallen ist. Und dann das Foto des gelernten Schlossers als Marinesoldat, der nichts von seinem schlimmen Schicksal ahnen konnte. Beim Betrachten der Bilder blutet Reinhold Schmidt förmlich das Herz. Auch seine 89-jährige Frau Waltraud kann nur mit dem Kopf schütteln über all das, was der Jugend durch den Krieg genommen worden sei.

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