Mehr als die Nummer 17 süß-sauer

Hörschel.  Beim VHS-Kurs „Kochen wie die Chinesen“ zeigt Jian Chen die original-chinesische Küche.

Teilnehmer Maria Menger (rechts) und Michael Gräber hatten sichtlich Spaß beim Zubereiten der vegetarischen Füllung einer Frühlingsrolle.

Teilnehmer Maria Menger (rechts) und Michael Gräber hatten sichtlich Spaß beim Zubereiten der vegetarischen Füllung einer Frühlingsrolle.

Foto: Peter Rossbach

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„Chinesische Küche ist vielmehr als die Nummer 17 süß-sauer, Peking-Ente und gebratener Reis“. Zumal in der Region Peking man etwas ziemlich anderes auf den Teller bekommt als in den meisten chinesischen Restaurants in Deutschland. Das weiß Jian Chen nun einmal ganz genau.

Die 54-jährige ist in der südchinesischen Hafenstadt Dalian geboren und aufgewachsen, bevor es sie vor Jahren zum Studium nach Kassel verschlug. Mittlerweile arbeite sie im Hauptberuf als Projektleiterin bei einem Automobilzulieferer in Eisenach. Mindestens einmal im Jahr zieht es sie in ihre Heimat.

Andere Kulturendurch Kochen entdecken

Als diplomierte Wirtschafts-Anglistin liege ihr, so sagt sie, die interkulturelle Kommunikation besonders am Herzen. „Und wenn man die Kultur des anderen kennen lernen will, geht das am besten durch den Magen beim gemeinsamen Kochen und Essen“, lacht Jian Chen und deckt mit geübten Händen den großen Tisch im Rennsteigwanderhaus in Hörschel zunächst mit Teetassen ein. Sie gibt an den Volkshochschulen in Eisenach, Bad Salzungen und Erfurt chinesische Koch-, Teezeremonie- und Sprachkurse.

Acht Menschen haben sich angemeldet zum Kochkurs der Eisenacher VHS, den Jian Chen unter dem Titel „Kochen wie die Chinesen“ anbietet. Der terminbedingte Wechsel vom Nachbarschaftszentrum nach Hörschel macht zwar Probleme, sogar Ortsteilbürgermeisterin Gisela Büchner muss noch schnell nach Hause laufen und ein paar im Wanderhaus nicht vorrätige Koch-Utensilien holen, damit der Kurs überhaupt laufen kann. Die gute Laune lässt sich Jian Chen aber dadurch nicht verderben.

Die original-chinesische Küche lebt natürlich von der Frische der Zutaten und der Besonderheit auch der Gewürze. Vor allem aber ist sie eines, erläuterte Chen den Teilnehmern gleich zu Beginn, nämlich vielfältig. Jede chinesische Region koche anders und habe ihre Eigenheiten. Vor der Zubereitung der Speisen gibt es eine kleine Einführung in diese Themen.

Die Teilnehmer sind neu- und wissbegierig. Johannes Hanel aus Eisenach ist der einzige, der schon mal in China war und von daher diese Küche auch kennt. Alle anderen essen gern chinesisch, kennen aber eben allein die Angebote aus den hiesigen chinesischen Restaurants – auch lecker, aber eben anders als das Original aus dem Reich der Mitte.

„Ich habe schon einmal einen solchen Kurs mitgemacht. Da ging es um die chinesische Festtagsküche. Das hat mir Spaß gemacht, deshalb bin ich wieder dabei“, erzählt Jutta Garbrecht aus Eisenach. „Ich koche gern und vor allem kreativ“.

Maria Menger aus Frankenroda ist eher zufällig dabei. Sie hatte die Kursteilnahme einem Cousin schenken wollen, der aber aus Termingründen absagen musste. „Also bin ich nun selbst da“, lacht sie. Vor allem von der „schnellen chinesischen Küche“ wolle sie sich etwas abschauen, auch im Umgang mit dem Wok.

Doch vor den Wok hat Kursleiterin Chen den Umgang mit dem scharfen Messer und der Reibe gesetzt. Als Vorspeisen waren von ihr eine „Peking“-Suppe mit Tofu, Bambus-Sprossen, schwarzen Pilzen und Pfeffer geplant, die allerdings komplett anders sei als das man hier Deutschland unter diesem Namen bekomme. Dazu entstehen Frühlingsrollen mit drei verschiedenen Füllungen. In Gruppen aufgeteilt machen sich die acht Teilnehmer an die Zubereitung.

Scharfes Huhnund Muschel-Gerichte

Als Hauptgericht steht ein Gongbao-Hühnchen auf dem VHS-Speiseplan, aus einer Region, in der vor allem auch Schärfe eine besondere Rolle spielt. Dazu gibt es zwei Muschel-Gerichte, die sie aus ihrer Heimatstadt Dalian kennt. „Das ist auch der Geschmack meiner Kindheit“. Alle Rezepte erhalten die Teilnehmer auch noch per Mail nach Hause.

Als Nachtisch gab es dann am Ende von rund vier Stunden des Kennenlernens der chinesischen Küche und noch eine Gemeinsamkeit – gemeinsamer Aufwasch per Hand, im Rennsteigwanderhaus gibt es keine Spülmaschine.

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