Mit Leidenschaft für die Ruhla Uhren

Ruhla.  Der Förderverein besteht seit zehn Jahren. Großprojekte mit nur wenigen Mitgliedern gestemmt.

Alljährlich gibt der Förderverein einen Jahreskalender mit tollen Aufnahmen von Ruhla Uhren heraus, präsentiert von Artur Kamp und Rainer Paust vom Vorstand des Fördervereins.

Alljährlich gibt der Förderverein einen Jahreskalender mit tollen Aufnahmen von Ruhla Uhren heraus, präsentiert von Artur Kamp und Rainer Paust vom Vorstand des Fördervereins.

Foto: Peter Rossbach

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„Es geht darum, diese lange Tradition zu bewahren, die Erinnerung wachzuhalten. Es geht darum, dass eine über 155 Jahre andauerende große Uhrenbau-Tradition in Ruhla nicht in Vergessenheit gerät“, finden Artur Kamp und Rainer Paust mit den zwölf anderen Mitgliedern des Fördervereins Uhrentradition Ruhla. Und dafür, dass sie eine relative kleine Truppe (14 Einzelpersonen und vier Unternehmen) sind, haben sie schon erstaunlich viel auf die Beine gebracht, um ihrem Vereinszweck zu dienen. Nun feiert der Verein seinen zehnten Geburtstag. Wie es den bescheidenen Vereinsmitgliedern ähnlich sieht, tun sie das aber im kleinen Kreis.

Nahezu alle Vereinsmitglieder kommen aus der Uhrenproduktion, waren lange bei den Uhrenwerken Ruhla (UWR) beschäftigt und auch bei den Nachwende-Nachfolgern. Sie waren schon die Triebfedern für den Aufbau des Uhrenmuseums, damals noch unter Trägerschaft der Uhren-Firma Garde, seit August 2019 als Eigentum der Uhrenwerke Ruhla GmbH. Dort finden sich Maschinen, Uhren und Dokumente, die 150 Jahre Uhrenproduktion in der Bergstadt Ruhla anschaulich machen. Das Museum entstand in drei Etappen in den Jahren 2002, 2003 und 2006. Die fachliche Betreuung liegt in den Händen von Mitgliedern des Fördervereins. Etwa vier Mal leisten sie auch Sonderführungen durch die Museumsräume.

Hilfe für das Museum

Diese Unterstützung für das Museum bildet einen Teil der Arbeit, der sich die Vereinsmitglieder verschrieben haben. „Wir haben das Glück, dass wir als langjährige Mitarbeiter nach der Wende darauf geachtet haben, dass die vielen Papiere, Dokumente und technischen Unterlagen, die in den Archiven von UWR lagerten, nicht einfach weggeworfen wurden, sondern erhalten blieben“, so Kamp.

Und so sind die Vereinsmitglieder lange damit beschäftigt gewesen, diese Schätze aufzuarbeiten. „Das sind stapelweise Ordner“, erinnert sich Rainer Paust. Alle technischen Original-Zeichnungssätze für alle Uhren ab dem Produktionsjahr 1960 aus Ruhla sind somit erhalten. Ein gewichtiges Zeugnis der Arbeit des Vereins ist 1,6 Kilogramm schwer und wird selbst von Christian Pfeiffer-Belli hoch gelobt. Er ist sozusagen der Guru auf dem Gebiet der Literatur zu Uhren. Er zollte dem 640 Seiten starken Buch „Die Geschichte der Technik der Ruhlaer Uhren und Maschinen – 150 Jahre“ in der Fachzeitschrift „Klassik Uhren“ seine Referenz.

In diesem Buch wird die Geschichte der Uhrenproduktion von den Anfängen 1892 in der Metallwarenfabrik der Gebrüder Thiel über die Uhrenwerke Ruhla bis hin zu Garde und Deckel-Maho beschrieben. Die Taschenuhr „Fearless“ steht für den Anfang 1892. Bereits fünf Jahre später wurden von tausend Mitarbeitern in Ruhla schon pro Woche 4000 Uhren hergestellt. Und die Geschichte ging weiter, eine ununterbrochene Historie der Uhrenproduktion bis heute. 1977 arbeiteten dort 10.000 Menschen, die zehn Millionen Uhren in einem Jahr fertigten.

Die Aufarbeitung der Unterlagen und das Verfassen der Texte war eine Mammutaufgabe, der sich Artur Kamp, Rainer Paust und Klaus Mleinek gestellt hatten. Irgendwann war aber klar, dass dies ohne eine Struktur auch finanziell nicht leistbar ist. Daher folgten sie dem Rat des damaligen Sparkassenchefs Peter Bock, den Verein zu gründen. Bock war auch Gründungsmitglied.

Das Buch erschien dann Jahr 2012 – zum Jubiläum „150 Jahre Uhren aus Ruhla“. Die 1. Auflage kam mit 1080 Exemplaren auf den Markt, die zweite drei Jahre später mit weiteren 830 Exemplaren. Derzeit sind rund 250 Stück im Bestand. Der Erlös wandert zu hundert Prozent auf das Vereinskonto.

Zum Jubiläum gab es zudem eine Sonderausstellung des Vereins, die bis 2014 an unterschiedlichen Orten in Thüringen gezeigt wurde, etwa zum Tag des offenen Denkmals oder auch zum CDU-Landesparteitag mit Kanzlerin Angela Merkel oder zur Eröffnung der Lux-Festspiele. Zwei Vereinsmitglieder hatten die 16 Tafeln inhaltlich gestaltet.

Dazu trugen die Mitglieder zu anderen Buchprojekten anderer Autoren oder Ausstellungen in Pößneck, Apolda und Gera bei, hielten Vorträge, wie etwa Artur Kamp beim Internationalen Uhrenkongress „Time-Made in Germany“ in Nürnberg. Es gibt einen virtuellen Rundgang durch das Museum auf DVD. „Und es kommen ständig Mail-Anfragen, gerade zu technischen Besonderheiten der Uhren“, so Kamp.

Weltweites Interesse an Ruhla Uhren

Die kommen auch über die Homepage des Vereins rein. Da gab es beispielsweise im Jahr 2019 über 40.000 Seitenaufrufe von Menschen aus 1614 Städten in 83 Ländern. „Das Interesse an Ruhla Uhren ist weltweit vorhanden“, freut sich Kamp.

Ein besonderes Projekt von drei Vereinsmitgliedern startete im Jahr 2013. Das alte, große und schwere Turmuhrwerk aus der Ruhlaer Concordia-Kirche wollte restauriert werden. Da war schon der Transport von der Gottesgabe zu den einstigen Werkhallen von UWR nur mit Spezialfahrzeugen leistbar. 1600 Stunden stellten Rainer Paust, Hubert Grimm und Artur Kamp in ihrer Freizeit ein, um das technische Kulturgut nicht nur vom Rost zu befreien, sondern es auch wieder in Gang zu bringen. Handarbeit an einer Turmuhr, die im Jahre 1861 vom Großherzoglichen Hofuhrmacher Johann Jacob Auch fertiggestellt wurde. In einem eigens dafür erstellten Glas-Kubus ist das restaurierte Kulturgut nun seit 2018 zu einem neuen Wahrzeichen Ruhlas am Kulturhaus geworden.

Solche Großprojekte haben die Vereinsmitglieder, die ja auch alle langsam in die Jahre kommen, derzeit nicht. Aber die Leidenschaft für die Ruhla Uhr brennt in ihnen allen weiter.

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