Neun Häuser anstelle eines Parkplatzes mitten in Eisenach

Eisenach.  Die Brache des Monats Oktober ist die Alexanderstraße 93 bis 103. Dafür stellt der Architekt Matthias Beyer-Schubert seine Ideen vor.

Architekt Matthias Beyer-Schubert (links) erläutert vor Ort seinen Entwurf für die nach Abrissen entstandene Baulücke in der Alexanderstraße 93 bis 103.

Architekt Matthias Beyer-Schubert (links) erläutert vor Ort seinen Entwurf für die nach Abrissen entstandene Baulücke in der Alexanderstraße 93 bis 103.

Foto: Birgit Schellbach

Eisenachs größte innerstädtische Baulücke ist die Alexanderstraße 93 bis 103. Für diese hat der Eisenacher Architekt Matthias Beyer-Schubert im Rahmen der Initiative Zentral-Genial Entwürfe für eine Bebauung erarbeitet, die am Donnerstag öffentlich vorgestellt worden sind.

Dass man sich vor Ort auf der Brache des Monats Oktober überhaupt unterhalten konnte, machte die aktuelle Vollsperrung der Alexanderstraße wegen der Abrisse im vorderen Teil möglich. Ansonsten fährt dort Auto an Auto mit entsprechender Lärmkulisse. Das macht für den Architekten einen Teil des Problems aus: „Die kleinen Gassen und Straßen werden für den Durchgangsverkehr genutzt“. So lange das so bleibe, sei es kein Wunder, wenn niemand investiere – weder in eine Bebauung der Lücken noch in eine Sanierung. In der Alexanderstraße gibt es viel Leerstand.

Beyer-Schubert hat für das Grundstück neben der ehemaligen Eisdiele Dolomiten neun parzellenartige Häuser vorgeschlagen, die zur Alexanderstraße eine gemeinsame Fassadengestaltung haben. Als Vorbild für die Fassade dient das frühere Reformhaus in der Nachbarschaft. „Der Entwurf ist mehr oder weniger eine Adaption davon“, erklärte der Architekt. Besagte Häuser haben eine Wohnfläche von jeweils rund 90 Quadratmetern. Der für alle gemeinsam nutzbare Innenhof soll verschiedene Funktionen haben: Spielplatz, Garten, Grillecke mit Sitzgelegenheiten.

Kompletter Verzicht auf Parkplätze

Parkplätze sind nicht vorgesehen. Der Architekt geht davon aus, dass benachbarte Parkhäuser genutzt werden sollen, das in der Uferstraße oder das neue im Tor zur Stadt. Beyer-Schubert schlägt vor, dass die Stadt auf eine Ablösegebühr für die Stellplätze verzichten soll im Zuge dessen, dass die Innenstadt-Brache mit der Bebauung wiederbelebt wird. Solche Vorhaben müssten schließlich gefördert werden. Der Architekt kann sich sowohl ein Modell mit verschiedenen Bauherren vorstellen als auch einen Investor, der anschließend vermietet.

Ingrid Pfeiffer, Vorsitzende des Förderkreises zur Erhaltung Eisenachs, lobte die Variabilität des Entwurfes und die Tatsache, dass die historische Bauflucht aufgenommen wird. Zuvor hatte Thomas Bauer, sachkundiger Bürger im Ausschuss für Stadtentwicklung, vorgeschlagen, die Häuser doch zurückzusetzen, um entlang der Straßenseite mehr Platz für Grün zu gewinnen. „Das geht gar nicht“, entgegnete Ingrid Pfeiffer mit Verweis auf Erhaltungssatzung und Denkmalrecht in der Innenstadt. Vielmehr müsse für eine Verkehrsberuhigung gesorgt werden.

Verkehrsberuhigung ist wichtig für die Innenstadt

Auch Matthias Beyer-Schubert betonte: In anderen Thüringer Städten gibt es deutlich mehr Fußgängerzonen als in Eisenach. Er schlug eine Mischverkehrsfläche mit Schrittgeschwindigkeit vor. Jakob Kratzsch vom Sanierungsträger KEM wies hin, dass man auch Schikanen in die Straße einbauen kann, um das Tempo zu stoppen. Das sei europaweit üblich, aber in Deutschland nur wenig verbreitet.

Zentral-Genial pausiert jetzt – wegen der kalten Jahreszeit und Corona. Aber es gibt Ideen für die dritte Runde und zwar in Zusammenarbeit mit der Bauhaus-Universität Weimar. Drei Studenten wollen ihre Bachelor-Arbeit zum Stadtquartier Lauchergasse, Lutherstraße, Schmelzerhöfe schreiben, ein Areal mit ungeordneten Grundstücksbereichen und auch Baulücken, kündigte Ingrid Pfeiffer an.

Außerdem bereitet der Förderkreis eine öffentliche Präsentation mit allen Ergebnissen aus den vorherigen zwei Runden vor. Die Vorsitzende dankte allen Architekten, die sich bisher beteiligt und für eine kleine Aufwandsentschädigung ihre Entwürfe eingereicht haben. „Und vielleicht äußert sich auch mal die Stadtspitze dazu“, hofft Ingrid Pfeiffer.