Schabernack trifft Weisheit: Ein Kabarettist unter den Malern

Eisenach  Jo Fingerhut aus Eisenach ist als Trommler bekannt, doch er ist viel mehr. Auf der Creuzburg zeigt er erstmals Malerei.

Schlagzeuger und Musiklehrer Jo Fingerhut nutzt seit 2014 seine Freizeit für die Malerei. Knapp 30 Werke zeigt er in seiner ersten Ausstellung „Sehnsucht nach lachender Leichtigkeit“ in Creuzburg. Tobias Künzel, Frontmann der Band „Die Prinzen“, hält die Laudatio.

Schlagzeuger und Musiklehrer Jo Fingerhut nutzt seit 2014 seine Freizeit für die Malerei. Knapp 30 Werke zeigt er in seiner ersten Ausstellung „Sehnsucht nach lachender Leichtigkeit“ in Creuzburg. Tobias Künzel, Frontmann der Band „Die Prinzen“, hält die Laudatio.

Foto: Norman Meißner

Mit seinen – wie er selbst sagt – „geliebten Trommelstöcken“ zaubert Jo Fingerhut seit vielen Jahren beachtlichen Kunstgenuss auf Drum-Felle. Seit wenigen Jahren gesellen sich zum akustischem Zauber seiner Drum Brushes, ganz andere Pinsel hinzu. „2014 habe ich angefangen – alles skurriles Zeug, was ich so im Kopf habe“, beschreibt der Musiklehrer mit feixenden Mundwinkeln.

Die vielfach großformatigen Acrylbilder bestechen neben einem satten Farbenspiel und sauberer Strichführung vor allem durch humorvoll-hintersinnige Bildaussagen. Einen ersten Einblick in sein Kunstschaffen gewährt die Ausstellung „Sehnsucht nach lachender Leichtigkeit“, zu der der Künstler für Samstagabend auf die Burg Creuzburg einlädt.

Auf die Laudatio für den Schöpfer der knapp 30 Bilder, die in den nächsten Wochen in der „Galerie im Gelben Haus“ zu beäugen sind, freut sich Schlagzeuger-Kollege und Sänger der Combo „Die Prinzen“, Tobias Künzel. Beide Musiker verbindet eine innige Freundschaft. Von diesem „Prinzen“ und dessen erfolgreich schriftstellernder Frau Kati Naumann erfuhr Jo Fingerhut Ermunterung und Unterstützung für das Ausstellungsprojekt. „Die musikalische Umrahmung übernimmt die Band, bei der die Herren der Band von den Damen mit einem dankbaren Augenaufschlag begrüßt werden“, hält sich Jo Fingerhut mit Grienen zur Kapelle bedenkt.

Ein Stil-Mix mit Comic-Elementen

Jo Fingerhut beschreitet eine schwer einzuordnende Stilrichtung der Malerei, die Elemente aus Comic-Stil, Surrealismus, Pop Art, Farbfeldmalerei, Kubismus und Präzisionismus zusammenfügt. Dieser Stil-Mix garantiert echte Erheiterung.

Der Künstler, den die Frankfurter Schriftstellerin Ines Thorn als „Kabarettist unter den Malern“ bezeichnet, verzichtet bewusst auf Farbschattierungen oder fließende Tonübergänge. Mit Akribie, Akkuratesse und Ausdauer setzt er seine Spinnereien in Acryl auf Leinwand und unter Zuhilfenahme von Folien, Schlagmetallen sowie weiteren Collage-Materialien um. „Die Malerei bietet ihm nun neben der Musik weitere Entfaltungsmöglichkeiten für seine Leidenschaft am Herumspinnen“, denkt die Eisenacher Kulturwissenschaftlerin Juliane Stückrad natürlich an den Schlagzeuger der Klamauk-Kapelle „Geile Götter“. Seine sogenannten „Spinnbücher“, in denen er einfallsreichen, mitunter tatsachenbasierten Quatsch festhielt, halfen für Repertoire und Bühnen-Ulk der „Götter“.

„Die Kunst des Spinnens“ treibt der wortspielverliebte Jo Fingerhut mit dem Pinsel bis zum Äußersten, wie beispielsweise das verkehrsstaulösende Bild „Hindengurk“ – eine zeppelinförmige Gurke schwebt über einer essbaren Seilbahn – oder „Der Eiskimo“ mit lechzender Sonne zeigen.

„Fingerhut denkt mehr, als er malt. Aber das schadet seinen Bildern nicht, im Gegenteil. Mit traumlogischer Konsequenz erschafft er eine neue Kunst der Vorrenaissance, ein neues, symboltrunkenes Mittelalter ohne transzendente Rahmenbedingungen, aber mit abgründigem Humor“, sagt Musiker Heinz Rudolf Kunze. Die Freude zu Details prägt sich in Fingerhuts künstlerischer Entwicklung immer stärker aus. „Unbefangen entwickelt der Künstler Figuren und Dinge in einer stilistischen Mischung aus Kinderbuchillustration, Comic und Karikatur“, sagt Juliane Stückrad. Neben Pinselstrichen gelingen seine Werke, die sein Talent zum freien Assoziieren nicht verbergen, auch durch wiederholtes Auftropfen der Farben und Anschleifen der Schichten.

Eröffnung der Schau am Samstag, 21. September, 19 Uhr, auf der Creuzburg

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