Scharfe Kritik am Opel-Mutterkonzern in Eisenach

Eisenach.  PSA halte die Versprechen bei Investitionen ins Werk und Mitarbeiter nicht, klagen Betriebsrat, IG Metall und die Politik.

Aktionstag der IG Metall bei Opel wegen nicht gehaltener Zusagen der Konzernleitung PSA in Bezug auf Investitionen und Personal für das Werk in Eisenach. Ministerpräsident Bodo Ramelow sprach vor dem Werkstor.

Aktionstag der IG Metall bei Opel wegen nicht gehaltener Zusagen der Konzernleitung PSA in Bezug auf Investitionen und Personal für das Werk in Eisenach. Ministerpräsident Bodo Ramelow sprach vor dem Werkstor.

Foto: Peter Rossbach

250 IG-Metall-Westen und T-Shirts waren entlang der Straße zum Opel-Haupttor aufgehängt und flatterten im Wind – je eine Weste oder Shirt pro Mitarbeiter, der in der Produktion fehlt, um dort tatsächlich zweischichtig Autos bauen zu können. Rund 200 Beschäftigte der Frühschicht harrten nach Dienstschluss vor dem Werkstor aus, um an einer Protestkundgebung und anschließendem Autocorso teilzunehmen. „Wir lassen uns das nicht mehr gefallen“, rief Betriebsratschef Bernd Lösche den Teilnehmern zu.

So wie im Stammwerk in Rüsselsheim gab es am Dienstag einen Aktionstag, weil die Mitarbeiter sich aus ihrer Sicht von Tarifbruch und nicht gehaltenen Zusagen des Mutterkonzerns bedroht sehen. Allerdings sind die Voraussetzungen andere. Während die Mitarbeiter in Rüsselsheim, so Uwe Laubach von der IG Metall, fürchten, dass entgegen dem geltenden Tarifvertrag doch betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden sollen, geht es in Eisenach um fehlendes Personal und nicht gehaltene Produktionszusagen.

Mitarbeiter aus Rüsselsheim und Kaiserslautern abgeordnet

Man könne derzeit den Zwei-Schicht-Betrieb mit den vorhandenen 1350 Mitarbeitern nur deshalb aufrecht erhalten, weil Kollegen aus Rüsselsheim und Kaiserslautern nach Eisenach abgeordnet worden seien, so Laubach. Vor Corona habe es im Werk rund 300 Leiharbeiter gegeben, die wegen der Krise und des ersten Lockdowns nicht mehr benötigt worden seien.

„Die warten darauf, dass sie wieder anfangen können.“ Überdies gebe es wegen der traurigen Entwicklungen etwa bei Rege und Mitec genügend Qualifizierte auf dem Arbeitsmarkt. „Die Auftragslage würde den Zwei-Schicht-Betrieb, ja vermutlich sogar drei Schichten hergeben“, weiß Jens Möncher von der Vertrauenskörperleitung.

„Es wird weder in Mitarbeiter noch in die Anlagen investiert“, beklagt Laubach. In einigen Produktionsbereichen müsse die Belegschaft mit alten Anlagen zurecht kommen. „Die fehlenden Investitionen müssen die Mitarbeiter ausbaden und gefährden die Zukunft des Werkes. Da gilt es, gemeinsam mit den Kollegen in den anderen Standorten zu kämpfen“.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf (beide Linke) stellten sich demonstrativ an die Seite der Opelaner. Bei der Opel-Übernahme durch den französischen Autobauer PSA sei zugesagt worden, dass in Eisenach zwei Modelle vom Band laufen, in zwei Schichten. Derzeit gebe es aber nur die Produktion des Grandland X, während der versprochene Bau der Hybrid-Version des Modells verlagert wurde.

„Wir fordern, dass PSA seine Versprechen auch einhält. Wir dürfen nicht zulassen, dass hier Tarifverträge und Zusagen nichts wert sind“, rief Ramelow“. Die Politik sei bereit und willens, die Transformation in der Automobilindustrie zu begleiten, aber „eine Transformation, bei der Arbeitnehmer-Rechte mit Füßen getreten werden, ist eine Transformation auch auf dem Rücken der ganzen Gesellschaft“.

Für sie, so Wolf, sei es „eine Herzensangelegenheit“, sich an die Seite der Opelaner zu stellen. „Opel und die Region gehören wie zwei Kammern eines Herzens zusammen.“ Schon der mit Wurzeln in Eisenach behaftete Ernst Abbe habe gewusst, dass eine zukunftsfähige Wirtschaft zwei Säulen benötige: „Das richtige Material und eine gut ausgebildete und motivierte Belegschaft.“

Das scheine die Konzernführung nicht zu verstehen. Die tollen Versprechungen könne sie nicht mehr ernst nehmen. Der Umgang mit den Mitarbeitern sei „fahrlässig und macht mich wütend“, so Wolf. Wenn die Werksführung von PSA nun glaube, „dass Mitarbeiter mit angelegten Daumenschrauben gute Autos bauen könnten, ist die auf dem Holzweg. Es braucht einen respektvollen und fairen Umgang mit den Mitarbeitern.“