Schaukästen für unterirdisches Gedeihen

Eisenach  Kunstinstallation innerhalb der Achava-Tage in Eisenach und der Ausstellung zum „Entjudungsinstitut“ während der Nazi-Diktatur.

Künstlerin Michal Fuchs (links) und Hannes Lingens beim Aufbau der Kunst-Installation. In vier Bassins wachsen Wurzeln der Pflanze „Der wandernde Jude“.

Künstlerin Michal Fuchs (links) und Hannes Lingens beim Aufbau der Kunst-Installation. In vier Bassins wachsen Wurzeln der Pflanze „Der wandernde Jude“.

Foto: Norman Meißner

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Pflanzen verdanken ihr Wachstum der Kraft, mit der ihre Wurzeln Nährstoffe aufnehmen. Nahezu alle Vertreter der Flora wachsen nicht nur dem Licht und dem Himmel entgegen, sondern auch der Dunkelheit und ein wenig dem Erdmittelpunkt. Wie Pflanzen im verborgenen Teil gedeihen, bringt die Leipziger Künstlerin Michal Fuchs jetzt in der Eisenacher Nikolaikirche ans Licht.

Mit ihrer Installation „Wandernde Juden“, mit der die junge Israeli einen Wettbewerb der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) gewann, rückt sie das Wurzelwachstum von mehreren Exemplaren der Pflanze „Der wandernde Jude“ bewusst in den Vordergrund, während deren Blattgrün dem Auge der Kirchgänger verborgen bleibt.

Stefan Heyms Roman liefert Inspiration

Die mythologische Handlung von Stefan Heyms 1981 veröffentlichtem Roman „Ahasver“ inspirierte die Frau für das Kunstwerk, dass innerhalb der Achava-Tage in Eisenach im Kontext des jüdisch-christlichen Dialoges und der Ausstellung zum Eisenacher „Entjudungsinstitut“ voraussichtlich bis November zu sehen sein wird. „Lebendige Pflanzen als Kunstwerk – das ist unglaublich faszinierend“, sagt Superintendent Ralf-Peter Fuchs.

Eine Pflanze existiert nur mit Wurzel, und diese Symbolik verdeutliche, wie sehr Menschen im Glauben, in der Gesellschaft, in der Heimat verwurzelt seien. Der jüdisch-christliche Dialog, allein die Thematik des Jüdischen in Deutschland, sei ein Themenfeld, dem gerne aus dem Weg gegangen werde, so Shelley Harten vom Jüdischen Museum Berlin. „Die Künstlerin Michal Fuchs versinnbildlicht dieses Unbehagen in ihrer Installation“, sagt sie. Fuchs folge der Einladung der EKM, ein Kunstwerk zu schaffen mit der inhaltlichen Vorgabe, den Umgang der Kirche mit dem Judentum historisch und gegenwärtig zu reflektieren, so Harten.

Der gerade ins Amt eingeführte Landesbischof Friedrich Kramer wird die Ausstellung als erste Amtshandlung in Eisenach am Freitag, 20. September, 17 Uhr, mit eröffnen.

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