Vom Start weg erfolgreich

Eisenach  Vier Tage, vier klassische Konzerte – das „Sinfonische Wochenende“ in Eisenach trifft den Nerv der Musikliebhaber in der Stadt. Ein Brasilianer ist der heimliche Star.

Acácio Piedade (2. von links) aus Brasilien ist Gewinner des 1. Eisenacher Kompositionspreises. Oberbürgermeisterin Katja Wolf, Preisstifter Hans-Joachim Hook (3. von links) und Kulturamtsleiter Achim Heidenreich bei der Übergabe.

Acácio Piedade (2. von links) aus Brasilien ist Gewinner des 1. Eisenacher Kompositionspreises. Oberbürgermeisterin Katja Wolf, Preisstifter Hans-Joachim Hook (3. von links) und Kulturamtsleiter Achim Heidenreich bei der Übergabe.

Foto: Susanne Sobko

Ein neues Angebot zu etablieren, braucht meist einen langen Atem und das Akzeptieren anfänglicher Enttäuschung. Das Veranstaltungsformat „Sinfonisches Wochenende“ kann hingegen von Anbeginn als voller Erfolg bezeichnet werden – so waren zum Preisträgerkonzert des 1. Internationalen Eisenacher Kompositionspreises am Freitagabend in der Wandelhalle alle 350 Plätze besetzt.

Es stand eine Doppelpremiere an: Es war die Uraufführung des Preisträgerstückes, zudem spielte die Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach zum ersten Mal in der Wandelhalle. Die Preisverleihung an den Brasilianer Acácio Piedade wurde durch Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke), Hans-Joachim Hook, Direktor des SteigenbergerHotels und Stifter des Preisgeldes von 2000 Euro, sowie Kulturamtsleiter Achim Heidenreich vorgenommen.

Divertimento heißt Vergnügen

Hochspannung herrscht, als die Uraufführung für das Stück „Divertimento für Kontrasubjekte“ durch die Thüringen-Philharmonie unter Leitung von Alexej Kornienko beginnt, und für Hochspannung sorgt das Werk durchgängig. Divertimento heißt übersetzt Vergnügen, und das Zuhören ist tatsächlich ein Vergnügen. Der Komponist hat nach dem Vorbild von Johann Sebastian Bach Fugenthemen im Hintergrund platziert und darüber die Kontrasubjekt-Melodien gelegt. Dadurch wird ein spannungsreiches Klangbild erzeugt, verstärkt durch die außergewöhnliche Instrumentierung und Rhythmisierung. Sowohl die orchestralen als auch die Gruppen- und Solo-Passagen sorgen für feinsinnige Klänge, dank des Mutes zu Pausen und Rhythmik erweitert sich der Spannungsbogen.

Wogenartige Melodiebögen

Der renommierte russische Dirigent Alexei Kornienko setzt diese potenzialreiche Vorlage mit Hingabe, Sorgfalt und Leidenschaft um, sodass ein Gesamtklang mit berauschend-atmosphärischer Sogwirkung entsteht. Ein Auf und Ab, Hin und Her, Ausatmen und Einatmen bestimmt das Stück. Wogenartige Melodiebögen wechseln sich mit Solo-Akzenten; auf meditativ-sanfte Passagen folgen expressiv-gewaltige; Düster-Wuchtiges wird durch Strahlend-Schillerndes abgelöst.

Ein Stück wie das Leben mit Höhe und Tiefen, Bergen und Tälern, mit unbewusst im Hintergrund mitschwingenden Beeinflussungen und den vordergründigen Lebensmelodien. Kornienko dirigiert mit dem offensichtlichen Bewusstsein für die Tiefe des Stücks, und die Musiker und Musikerinnen lassen sich ebenso voll darauf ein.

Ein Zwiegespräch, das berührt

Wie ein langanhaltendes Ausatmen wirkt im Anschluss die Orchestersuite Nr. 2 h-Moll von Johann Sebastian Bach mit ihrem feierlich-harmonischen Charakter. Kornienko lässt das Orchester heiter, beschwingt, elegisch musizieren – bei aller Festlichkeit des Werkes trotzdem auf Dynamik achtend. Solistin Ariane Lauenburg spielt die Klarinette zart, aber souverän, berührend ist ein „Zwiegespräch“ mit Christian Stötzner am Cembalo.

Nach der Pause folgt Beethovens 5. Sinfonie, erneut ein temperamentvolles Werk. Der Dirigent sorgt für flottes Tempo, ohne zu hetzen, für gewaltige Klänge, ohne sie brachial werden zu lassen, für anrührende Momente, ohne in Kitsch zu verfallen. Trotz der sehr dynamischen Interpretation wird jede Klangfarbe beobachtet, und es entsteht ein Gesamtklang voller Schönheit.

Zum Abschluss langer, heftiger Applaus und ringsum strahlende Gesichter. Besonders strahlt der Eisenacher Kulturamtsleiter Achim Heidenreich, der die Idee zum „Sinfonischen Wochenende“ hatte. „Wir haben hier Traditionen, die ich als verpflichtend empfinde. Mein Wunsch ist es, die Vorbilder zu aktualisieren und nach der Bedeutung für das Heute zu fragen“, erklärt er.

Mit einem fulminanten Klavierrecital hatte Alexei Kornienko als Pianist das neue Veranstaltungsformat im voll besetzten Rokokosaal des Eisenacher Stadtschlosses eröffnet. Es folgten in der Wandelhalle weitere Konzerte mit dem Landesjugendorchester Thüringen und der Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach unter der Leitung von Juri Lebedev.

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