Wanderwochen: Aus dem Tal über die Wipfel des Waldes

Thal  Eine Rundwanderung von Thal durch den romantischen Mittelberger Grund, über den imposanten Meisenstein und entlang des Breitenberges bietet alle Etagen und alle Facetten des Ruhlaer Wanderreviers.

Vom Meisenstein bietet sich ein herrlicher Ausblick in alle Himmelsrichtungen, auch zum Inselsberg.

Foto: Jensen Zlotowicz

Wer in der Ruhlaer Gegend wandern will, der hat die Qual der Wahl. Die Region um die Bergstadt strotzt von Wanderwegen, ob im hoch gelegenen Rennsteiggebiet oder im Parterre um Thal und Kittelstal. Diese Tagestour verbindet die Etagen, führt von gut 300 Metern in Thal auf etwa 650 Meter am Aschhof in Ruhla. Beim reinen Blick auf die Höhenmeter könnte man eine Tortur vermuten, doch dem ist nicht so.

Der beschauliche Weg durch den Mittelberger Grund lässt den Wanderer gemächlich auf Touren kommen. Statt der Muskeln werden dort entlang des leise glucksenden Thalbach vor allem die Augen, Ohren und Nase beansprucht. Am Beginn des bewaldeten Weges, der selbst bei tropischen Temperaturen Kühle bietet, spricht eine Tafel den Wanderer an und legt ihm das mannigfaltige Öko-System mit seltenen Pflanzen und Tieren ans Herz. Schon Naturheiler Johannes Hornschuh hat hier Ende des 18. Jahrhunderts Heilkräuter gesammelt.

Blick vom Meisenstein ist jede Anstrengung wert

An zwei kleinen Teichen mit Quellzufluss, Märchenwaldcharakter und Sitzgelegenheiten lohnt ein Halt, ein Innehalten. Wenn Teich- und Hüttenbesitzer Heinemann da ist, gibt es bei ihm vielleicht ein Bier. Wanderer, Jogger und Gassi-Gänger lieben das Tal. Dass sich nur wenige hunderte Meter weiter am ersten von mehreren Abzweigen hinauf zum Königshäuschen vor mehr als 100 Jahren ein Ruhlaer Fleischermeister ein Anwesen errichtete, das später der Chef der Uhrenwerke zur Datsche ausbaute (heute wieder in Privatbesitz), ist nur verständlich.

Das wiederum kann man vom dortigen Wegweiser „Meisenstein 0,5 km“ nicht sagen, denn diese Angabe ist tatsächlich geschönt.

Der Ausblick vom Meisenstein, einem Porphyrfels aus erkalteter Lava, hinüber zum Inselsberg, nach Fischbach oder zum Hohen Meißner ist jede Mühe, jeden Anstieg, jede Schweißperle wert. Mehrere Wege führen auf das Plateau mit Bänken und Schutzhütte.

Von zwei Wegweisern in entgegengesetzte Richtungen am neuralgischen Fußpunkt an der Weinstraße (kommt übrigens von Wagen nicht von Wein) sollte man sich als Wanderer nicht beirren lassen. Beide Wege führen auf den Meisenstein mit seiner knapp 60 Meter hohen Felswand. Die hat seit den 1970er- Jahren einige versicherte Kletterrouten (für Könner) und ist auch das Trainingsareal der Ruhlaer Bergwacht. Wer oben in der Schutzhütte zufällig Heinz Steuber aus Schmerbach – seit fast 50 Jahren die gute Seele des Meisensteins – triff, bekommt das Schmerbachlied von ihm gerne vorgesungen.

Vom Meisenstein führt die Wanderung entlang der Geonatur-Route 9 auf dem Öhrenkammerweg in Richtung Wanderhütte Königshäuschen. Der Weg auf der Galerie des Berges ist breit und bietet nach und nach einige schöne Blicke ins Tal. Auch das ist wie das Waldfluidum selbst Balsam für die Seele. In der Öhrenkammer wurde intensiv bis Ende der 1940er-Jahre nach Steinkohle gegraben. Einige Tafeln bieten dem Wanderer viele Informationen zu Geologie und Geschichte.

Diese hat auch das 1759 als Jagdhütte errichtete Königshäuschen zu bieten. An Wochenenden hat dort jeweils ein Hüttenteam der TSG Ruhla Dienst. Wer dort nicht einkehrt, ist selber schuld. Gleichgesinnte erkennen sich dort am Blick. Zur Wanderrast Aschhof, von wo gleich drei Wege abgehen, ist es ein Katzensprung. Vom höchsten Punkt der Tour aus gäbe es auch einen kurzen wie steil bergab gehenden Rückweg zum Ausgangspunkt.

Unsere Tour aber hat noch einige Kilometer und reichlich schöne Momente parat. Der Thüringenweg gibt die Richtung entlang des Breitenberges vor. Die Stadt Ruhla immer unterhalb zur Linken, geht es durch Wald und Flur zur Gaststätte „Schöne Aussicht“ mit Tiergehege. Sie ist wieder in Betrieb. In Reichweite ist dort der Naturerlebnispfad. Dort kommen auch Kinder auf ihre Kosten, können viele Dinge „begreifen“ und spielend lernen. Der durch Bäume versperrte Blick auf Ruhla vom 1853 geschaffenen Aussichtsplatz Emilienhöhe soll bald freigeschlagen werden. Die letzten Kilometer hinab nach Thal bietet Genusswandern durch Doktor Wald, dem besten Heiler überhaupt.

Eckdaten zur Tour zu Meisenstein-Königshäuschen-Ruhla-Thal

  • Start und Ziel ist der Parkplatz hinter dem Weiher im Fuchsgrund in Thal.
  • Länge: etwa 13,5 Kilometer
  • Höhenunterschied: etwa 800 Meter
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Ausschilderung: Sie ist ausreichend vorhanden. Nur an der Emilienruhe wird es knifflig: links oder rechts? – Hier wurde eine Hinweistafel gen Thal gestohlen. Sie wird in Kürze erneuert.
  • Wegbeschaffenheit: bis auf kurze ruppige Wegabschnitte etwa unterhalb des Meisensteins auf dem Thüringenweg und einem rustikalen Treppenabstieg nach der „Schönen Aussicht“ in Ruhla verläuft die Tour auf guten Wegen.
  • Anbindung: Der Startpunkt an der Ortsgrenze von Thal ist sowohl mit dem Pkw als auch mit dem Bus (alle Linien gen Ruhla) bis „Post“ oder „Eiche“ und dann zehn Gehminuten gut zu erreichen.
  • Sehenswertes an der Strecke: Der 558 Meter hohe Meisenstein ist einer der schönsten Aussichtspunkte im Raum Ruhla/Seebach, zahlreiche Info-Tafeln.
  • Möglichkeiten zur Einkehr: Wanderhütte „Königshäuschen“ (Sa., 10-22/So .,10-18 Uhr), Gaststätte „Schöne Aussicht“ (Sa. bis Mi., 14-20 Uhr)
  • Für Kinder: eine Herausforderung, aber machbar

Wer die Tour variieren möchte, geht nicht durch den Mittelberger Grund, sondern vom Weiher über die alte Straße nach Seebach bis zum Gemeinderasen und „Gericht“, dann über den kleinen und großen Wartberg, was einen Abstecher zur Backofenloch-Höhle ermöglicht. Aber das ist sportlich!

In unserer Wanderserie veröffentlichen wir jede Woche eine Wanderroute aus der Region. Alle bisherigen Folgen gibt es auch unter www.thueringer-allgemeine.de/wanderserie .

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