Weiter massive Probleme bei Schülerverkehr

Wartburgregion.  Zwei Stunden in der Stadt totschlagen, weil Unterricht und Bus-Zeiten nicht mehr zueinander passen. Schulleiter machen jetzt ihrem Ärger Luft.

Oft bekommen Kinder den Anschlussbus in Mihla nicht. Die Politik will den öffentlichen Nahverkehr fördern. Doch Eltern müssen Taxis organisieren, damit ihre Kinder, die in Eisenach zur Schule gehen, vernünftig nach Hause kommen.

Oft bekommen Kinder den Anschlussbus in Mihla nicht. Die Politik will den öffentlichen Nahverkehr fördern. Doch Eltern müssen Taxis organisieren, damit ihre Kinder, die in Eisenach zur Schule gehen, vernünftig nach Hause kommen.

Foto: Norman Meißner

Auch Monate nach der Fahrplanumstellung in der Wartburgregion gibt es massive Probleme bei der Schülerbeförderung. Das dokumentiert ein Brief an Vertreter von Stadt- und Kreispolitik, die zwei Eisenacher Schulleiter Mitte Oktober verschickt haben und der unserer Zeitung jetzt vorliegt. Darin haben neben einem Anschreiben der Direktoren vor allem Eltern dokumentiert, mit welchen Problemen sie und ihre Kinder noch immer konfrontiert sind.

Unterzeichnet haben das Schreiben die Schulleiterin des Ernst-Abbe-Gymnasiums, Elke Menzel, sowie der Schulleiter des evangelischen Martin-Luther-Gymnasiums, Thomas Giesa. Beide fordern dringend Stadt und Kreis auf, die Probleme tatsächlich anzugehen und Lösungen zu suchen, damit Schüler vor allem von außerhalb des Stadtgebietes rechtzeitig zum Unterricht kommen, aber auch nach dem Unterricht zeitnah mit dem Bus wieder nach Hause fahren können. Allein 185 Gymnasiasten, die im Luther-Gymnasium lernen, leben im nördlichen Wartburgkreis.

Massive Probleme nachUnterrichtsschluss

„Es gibt jeden Tag regelmäßig Schüler, die fünf bis zehn Minuten zu spät in den Unterricht kommen“, erklärt auf Nachfrage Thomas Giesa. Seiner Kollegin am Abbe-Gymnasium gehe es nicht anders. Das sei laut Giesa der Tatsache geschuldet, dass Busse zu spät fahren oder viel zu früh noch vor sieben Uhr. Da steht bei der Ankunft aber noch kein Schulgebäude offen. Besser wird es auch auf dem Nachhauseweg nicht. Es gibt Schüler, die laufen von Treffurt nach Falken, um irgendwie heimzukommen. Andere schlagen täglich bis zu zwei Stunden in der Stadt tot, weil nach dem Unterricht erstmal keinen Bus Richtung Wohnort fährt. Im Luther-Gymnasium, berichtet Giesa, wurde schon die Mittagspause verkürzt, damit wenigstens ein Teil der Kinder den Bus bekommen. Inzwischen haben Eltern aus der Not heraus Fahrgemeinschaften gebildet. „Das ist doch aber nicht im Sinne des Erfinders“, kommentiert Giesa.

Obwohl die Probleme immens erscheinen, haben beide Schulleiter auf ihren Brief vom 24. Oktober noch keine Antwort aus dem Landratsamt und dem städtischen Rathaus erhalten. Einzig die Eisenacher Stadtratsfraktionen von CDU und SPD hätten sich bei ihm gemeldet, mit der Aussage, man werde das Thema aufgreifen, sagt Giesa. Der Brief ging an alle Ratsfraktionen im Stadtrat, außer an die NPD.

Träger des öffentlichen Unternehmens Wartburgmobil (VUW), das 2017 aus der Fusion der Kommunalen Personennahverkehrsgesellschaft Eisenach mbH (KVG) und der Personennahverkehrsgesellschaft Bad Salzungen mbH (PNG), hervorging, sind der Wartburgkreis und die Stadt Eisenach. Vorsitzender des Verwaltungsrates ist der erste Kreisbeigeordnete Udo Schilling (CDU), die Geschäfte führt Horst Schauderte. Beide – Stadt und Kreis – wollten einen attraktiven und finanzierbaren öffentlichen Nahverkehr, seit Inkrafttreten des neuen Nahverkehrsplans sind vor allem auch die Probleme im Schülerverkehr bekannt (unsere Zeitung berichtete mehrfach). Beide sind als Schulträger gesetzlich verpflichtet, die Schülerbeförderung für die in ihrem Gebiet wohnenden Schüler sicherzustellen.

Auf Anfrage unserer Zeitung betonen Kreis und Stadt als Schulträger, dass die Schülerbeförderung in ihren Augen gesichert ist. Die Stadt verweist darauf, dass sie nicht für die Schüler, die aus dem Wartburgkreis einpendeln, verantwortlich ist. Auf die Frage, warum beide bisher auf den Brief noch nicht antworteten, entschuldigt sich die Stadt. Beim Kreis verweist man darauf, dass man noch an Lösungen arbeite. Laut einer städtischen Sprecherin sei in Eisenach nur die Anbindung von Stedtfeld thematisiert worden. Für die Schülerbeförderung vom Wartenberg zum Luther-Gymnasium – auch hier gibt es Probleme – sieht die Stadt keine Verpflichtung, da der Fußweg lediglich eine Strecke von rund zwei Kilometer hätte und der Gesetzgeber ab Klassenstufe 5 eine zumutbare Weglänge von drei Kilometer per Fuß unterstellt.

Noch einschneidender ist der neue Fahrplan tatsächlich für die Kinder von außerhalb. So berichtet die Familie eines Fünftklässlers aus dem Abbe-Gymnasium, die in Melborn wohnen, dass ihr Sohn seit der Umstellung den Anschlussbus von Wenigenlupnitz nach Eisenach nicht mehr bekommt, und somit fast 15 Minuten zum Unterricht zu spät kommt. In Richtung Mosbach haben Schüler, die 15.15 Uhr Schulschluss haben, gar keine zumutbare Anbindung mehr. In Richtung Pferdsdorf fährt der Bus 15.07 Uhr, zu früh für alle, die um 15.15 Uhr erst Schulschluss haben. Der nächste kommt anderthalb Stunden später. Schüler aus Nazza beziehungsweise Hallungen sind allein anderthalb Stunden mit dem Bus unterwegs. Eine Mutter schreibt zudem, dass Kinder fürchten müssen, wie auf der Linie 161, gar nicht mehr mitgenommen zu werden.

Aus der Kreisverwaltung heißt es, man nehme die Probleme sehr ernst. Die Beförderungsunternehmen könnten aber nicht immer schnell reagieren. Man sei dabei mit den privaten Busfirmen als Partner die Probleme schrittweise lösen. Am Ende folgt doch noch das Eingeständnis, dass bei der Erstellung der Fahrpläne aufgrund der unterschiedlichen Schulträgerschaften von Stadt und Kreis die Gestaltung der Fahrpläne, gerade was das Einpendeln von Schülern nach Eisenach angeht, nicht optimal verlief.

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