Wie Doktor Luther das Wort „Rotzlöffel“ erfindet

Eisenach  Katharina Lindner verarbeitet in ihrem Roman viele verbürgte Geschehnisse aus der Eisenacher Stadtgeschichte.

Katharina Lindner lässt ihre Kuschelpuppe „Fredi“ aus Kindertagen im neuen Roman in die Vergangenheit der Wartburgstadt reisen. Sie begegnet Martin Luther ebenso wie Johann Wolfgang von Goethe und Menschen aus dem Mittelalter.

Katharina Lindner lässt ihre Kuschelpuppe „Fredi“ aus Kindertagen im neuen Roman in die Vergangenheit der Wartburgstadt reisen. Sie begegnet Martin Luther ebenso wie Johann Wolfgang von Goethe und Menschen aus dem Mittelalter.

Foto: Katharina Lindner

Die heilige Elisabeth, der Reformator Martin Luther, das Musikgenie Johann Sebastian Bach und der Dichter Johann Wolfgang von Goethe laufen sich nie über den Weg – Jahrhunderte trennen sie –, aber „Fredi“ gelingt es, diese Persönlichkeiten allesamt kennenzulernen. Diese Begegnungen arrangiert Katharina Lindner mit leidenschaftlich niedergeschriebenen Worten, mit denen sie einen wohl dosierten Spannungsbogen aufbaut. In ihrem neusten Roman „Fredi – Wundersame Zeitreisen in die Eisenacher Geschichte“ entführt die 39-jährige Autorin aus Oldenburg ihre Leser mit ihrem Kuscheltier „Fredi“ aus Kindertagen auch in das düstere Eisenach, gekennzeichnet von Hexenverfolgung, Pest, Hungersnot, Stadtbrand und vielen weiteren verbürgten Ereignissen der Stadtgeschichte.

Weshalb gibt es keine Zeitmaschine?

Zu gern hätte die Oberschullehrerin aus Rodenkirchen bei Brake in der Wesermarsch Eisenachs großen Musikersohn kennengelernt. Da die Patentierung einer Zeitreise-Maschine auf sich warten lässt, begnügt sich die Pädagogin mit ihrer Fantasie, aber vor allem mit ihrem Recherche-Talent. „Ich habe viel im Internet geforscht, oft meine alte Heimatstadt Eisenach besucht und an Führungen durch die Museen teilgenommen“, erzählt die Frau, der dieses Buchprojekt bereits seit fünf, sechs Jahren durch den Kopf schwirrte. Nach gut einem Jahr der Recherche benötigte sie noch ein weiteres, um 50 Ereignisse der Stadtgeschichte in 26 Zeitreisen auf 564 Buchseiten zu bringen. „Ich habe mich weitgehend an die Realität gehalten – nur fiktiv etwas aufgepolstert“, sagt die Autorin.

In der ersten Person schreibt die Autorin über die zeitreisende, schüchterne, aber vor allem gehemmte Hanna, für die es erhebliche Überwindung kostet, wildfremde Leute anzusprechen. „Ich bin beeindruckt. Dr. Luther ist ein Meister der Metaphern. Jahrhunderte später werden viele Abiturienten diese Phrasen und Wörter als Beispiele für literarische Stilmittel auswendig lernen müssen“, schreibt die Pädagogin im Kapitel über den Besuch im Übersetzungsbüro auf der Wartburg.

Himmelschreiende Unwissenheit

Der Gast schielt auf die Manuskripte, die sich auf dem urigen Pult neben dem dunkelgrün gekachelten Ofen stapeln, und entziffert auf einigen Blättern die Begriffe „Rotzlöffel“, „Lockvogel“ und „Feuertaufe“. „Ich lese noch mehr vor von dem, was da steht und mir selbst so vertraut ist und endlich schenkt er mir einen Blick, spöttisch fast und ein bisschen milde angesichts meiner himmelschreienden Unwissenheit.“

Wenn Katharina Lindner eine Idee durch den Kopf schwirrt, muss diese in wohlbedacht gesetzten Worten heraus. Fredi, die Kuschelpuppe aus Kindertagen, drängelt nicht mehr, aber der Autorin schwirren viele neue Ideen durch den Kopf, an denen sie ihre Leser im nächsten Buch teilhaben lässt. Die Magie des Eisenach-Romans bleibt, aber diesmal inspirieren Feen und Elfen die Deutschlehrerin. „500 Seiten in einer Woche sind nichts“, beschreibt sie ihr feierabendliches Arbeitspensum. Dennoch bleibt der vielseitig interessierten Frau noch reichlich Zeit zum Basteln – für eigene Schmuckentwürfe, Tagebucheinträge und natürlich für ihr großes Hobby, die Astronomie.

Für das Studium der Germanistik und der Soziologie verlässt Katharina Lindner 2003 Eisenach. Ihren Opa kennen viele Wartburgstädter als „den Kulenkampff von Eisenach“. Unzählige Generationen von Kindern der Stadt lässt er im Glauben, dass der Weihnachtsmann im Advent immer in der Wartburgstadt wohnt. 1953 tritt Hans-Joachim Hoffmann, der 2016 im Alter von 89 Jahren stirbt, erstmals als Weihnachtsmann der DDR-Handelsorganisation (HO) auf.

www.lindner-katharina.de

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