„Wir wollten unbedingt immer weiter tanzen“

Eisenach.  Der Eisenacher Tanzverein feiert Jubiläum. Gründungsmitglieder erinnern sich an die letzten 25 Jahre.

Beim Sommergewinn in Eisenach.

Beim Sommergewinn in Eisenach.

Foto: Peter Rossbach

Diana Artschwager erinnert sich an eine kleine Anekdote aus den letzten Wochen. Als der Eisenacher Tanzverein, dem sie seit 25 Jahren angehört, den Nachwuchstanzgruppen mitteilen musste, dass sie wegen der Corona-Pandemie erneut nicht mehr trainieren dürfen, meinte einer der Tanzmäuse zu seiner Mama: „Dann müssen wir dann halt schneller tanzen“.

Fetzige Rhythmen liegen dem Verein seit jeher Blut, das haben sie in den letzten Jahren bei unzähligen Auftritten bewiesen. Jetzt sind sie wieder in der Zwangspause. Ihr Jubiläum feiern können die derzeit 70 Mitglieder ebenso nicht. Geplant war ein großes Fest für alle Gruppen, Partner und Eltern, erzählt Susanne Schneider-Raab, seit der Gründung 1995 Vorsitzende des Tanzvereins.

Aktuell zählen zu ihm vier Gruppen: die Tanzmäuse, die Kindertanzgruppe, die Jugendgruppe und die Erwachsenen. Susanne Schneider-Raab gehört wie Diana Artschwager, Manuela Wolter, Silke Marcinkowski, Sabine Meng und Heike Busch zu den Gründungsmitgliedern. Getanzt haben sie alle als junge Frauen schon im Reichsbahnensemble „Friedrich List“, das zu DDR-Zeiten aus einer Erwachsenentanzgruppe, zwei Kindertanzgruppen, dem Chor und einigen Solisten bestand.

1990 wurden die Tanzgruppen aus dem Ensemble aus Kostengründen ausgegliedert. „Wir wollten aber unbedingt weiter tanzen“, erinnert sich Susanne Schneider-Raab. Es war die Zeit der politischen Wende, immer mehr moderne Musik schwappte zu uns, die Tänzerinnen probten mal im alten Abc-Club oder im früheren Bürgerhaus. Zu Diana Artschwagers Lieblingstiteln gehören bis heute die Hits aus „Flashdance“.

An den ersten Tanz erinnert sie sich mit ihrer Vereinsfreundin ebenso. Axel F von Harald Faltermeyer aus dem Soundtrack zu Beverly Hills Cop. „Wir wollten tanzen zu der Musik, mit der wir erwachsen wurden“, erzählt Schneider-Raab.

1992 wurde nach der Abkopplung vom Reichsbahnensemble der eigenständige Verein Kinder-, Jugend- und Jazz-Tanzgruppen unter der Leitung von Sigrid Schreiber mit acht Tänzerinnen gegründet. „Das war eine aufregende und spannende Zeit“, meint die Vorsitzende. Tänzerisch hatten sie gut zu tun. Auftritte gab es unzählige in Autohäusern, immer wenn dort Markenpremieren anstanden. Draußen gab es Bratwurst, drinnen den Tanzverein. Sie tanzten bei Firmenjubiläen, privaten Feiern, Tanzfesten, seit 1993 beim Kommersch.

Das sei auch Sigrid Schreibers Verdienst gewesen, erklärt Susanne Schneider-Raab. „Du hast neue Leute kennengelernt, wir haben auch viel mit Hartmut Zemla gemacht.“ Auch an Tanzturnieren habe man teilgenommen, aber wieder Abstand davon genommen. „Uns war und ist es wichtig, die Freude am Tanzen zu leben und nicht den Wettkampfgedanken in den Vordergrund zu rücken“, betont die Vereinschefin.

Die bis jetzt die Chefchoreographin und Kostümschneiderin des Vereins ist. Immer wieder bis heute, davon schwärmt Vorstandskollegin Diana Artschwager, sprudeln die Ideen aus Susanne Schneider-Raab heraus. „Wir haben ja auch unseren Anspruch, dem Publikum immer wieder etwas Neues zu präsentieren“, erklärt die Vereinschefin.

Die Arbeit mit der Sommergewinnszunft ist seit 1993 immer weiter gewachsen, sagen Schneider-Raab und Artschwager. Auch die kleinsten Tanzmäuse im Alter zwischen vier und acht Jahren, die Diana Artschwager, trainiert, dürfen auftreten. Lampenfieber kennen alle, doch hinter der Bühne sei nicht mal der kleinste Fratz geblieben. „Wir versuchen schon den Jüngsten mitzugeben, dass wir vor allem auf die Bühne gehen, weil wir das für die Menschen machen, die uns zusehen“, beschreiben die Frauen. Der Applaus sei der kostbarste Lohn. Auch beim jährlichen Festzug zum Sommergewinn sind die Gruppen seit Jahren aktiv.

Das Repertoire des Tanzvereins ist umfangreich. Folklore wie Showtanz, Musicaldarstellungen, lustige Kinder- oder Mittelaltertänze. Trainiert wird seit geraumer Zeit im Vereinshaus der Sommergewinnszunft, unter Coronabedingungen in geteilten Gruppen. „Wir freuen uns sehr, dass wir mit dem Vereinshaus ein Domizil gefunden haben, in welchem wir so freundlich aufgenommen wurden und wir uns total wohlfühlen“, meint Diana Artschwager. Auch der Kostümfundus hat hier sein Zuhause gefunden. Jeder kann kommen und tanzen, ob er kurze, grüne oder lange Haare, Konfektionsgröße 36 oder 46 hat, sagt Schneider-Raab.

Neue Gesichter sind immer willkommen. „Das Wichtigste ist, dass man tanzen will“, ist ihr als Vereinschefin wichtig, dass Ausgrenzung kein Thema in den Gruppen werden darf. Und der Verein lebt das auch, wie eine einst kleine Tanzmaus beweist, die trotz Gleichgewichtsproblemen, mit allen auch auf der großen Bühne stehen durfte und heute in der Jugendgruppe tanzt. „Das ist total schön“, freuen sich Diana Artschwager und Susanne Schneider Raab.

Ein Projekt, das schwebt der Vorsitzenden noch im Kopf – eine eigene Travestieshow.