Wohnungsgenossenschaft investiert eine Million in Eisenach-Nord

Eisenach.  Aufzüge, größere Bäder, Balkontüren bis zum Boden: Die Genossenschaft „Sonnenschein“ will die Attraktivität ihrer Wohnungen steigern. Sorgen bereitet das Umfeld.

Das Vorstandsmitglied der Wohnungsgenossenschaft „Sonnenschein“, Wolfgang Lorenz, bespricht am Fahrstuhlfundament Details mit dem Creuzburger Elektromeister Ernst Heinemann (von links).

Das Vorstandsmitglied der Wohnungsgenossenschaft „Sonnenschein“, Wolfgang Lorenz, bespricht am Fahrstuhlfundament Details mit dem Creuzburger Elektromeister Ernst Heinemann (von links).

Foto: Norman Meißner

Unter dem Titel „Zirkus in der Platte“ verknüpfen viele Menschen im Eisenacher Norden – allen voran die Initiative „Nord-Runde“ – nicht nur das Mitmach-Projekt mit dem Kinder- und Jugendzirkus „Tasifan“ aus Weimar. Zirkus ist für viele in ironischer Hinsicht auch die Lebens-, Wohn- und Aufenthaltsqualität im Plattenbaugebiet Kuhgehänge. Eisenach-Nord werde zusehend vom Rest der Stadt abgehängt, findet der Vorstand der Wohnungsgenossenschaft „Sonnenschein“.

Obwohl die Anbindung an Bus und Bahn und die Ausstattung mit Geschäften und Arztpraxen eigentlich keine Wünsche übrig lassen, schwinde die Attraktivität des Wohngebiets seit geraumer Zeit deutlich. Nach Ansicht von Wolfgang Lorenz vom Vorstand der Wohnungsgenossenschaft „Sonnenschein“ verlieren die Mitglieder des Eisenacher Stadtrates die Wohnsiedlung im Norden immer stärker aus ihrem Blick, da keiner selbst dort wohne.

Umzug ins Kuhgehänge soll nicht länger Grund für Naserümpfen sein

Für ihn als auch für die Vorstandsvorsitzende Birgit Brisgen sei die bereits geplante Straßen-Anbindung zwischen der Thälmann-Straße am Bürgerhaus und dem Schwarzen Weg zur Straße Am Gebräun äußerst wichtig. Zugelassene Wohnbebauung in dem Mischgebiet würde das Thälmann-Viertel und das Kuhgehänge weiter zusammenrücken lassen. Hiesige Unternehmen der Wohnungswirtschaft investierten lieber in attraktiveren Stadtteilen Eisenachs. „Man zieht damit Mieterpotenzial aus Eisenach-Nord ab“, betont Wolfgang Lorenz. An dem Plattenviertel hänge ein schlechter Ruf. „Die Anfänge eines Gettos sind schon da“, klagt er. Der Zuzug nach Nord werde von Verwandten und Bekannten der Mieter oft mit gerümpfter Nase, hochgezogenen Augenbrauen oder den Worten „Da hin?“ quittiert.

Die inzwischen seit 21 Jahren bestehende Wohnungsgenossenschaft „Sonnenschein“ möchte nicht nur bezahlbares Wohnen anbieten – 153 Mieter bezahlen zwischen 4 und 5 Euro je Quadratmeter –, sondern auch die Attraktivität ihrer Wohnungen verbessern. „Seit der Gründung unserer Genossenschaft gab es keine Mietsteigerungen für die Erstbewohner“, betont Birgit Brisgen.

Die Disziplin Hochsprung auf dem Weg zum Balkon entfällt

Bis zum Frühjahr investiert die Genossenschaft mehr als eine Million Euro in barrierearme Wohnungen, zeitgemäßere Zuschnitte und moderne Elektrik. Die Grundfläche der Bäder wächst beispielsweise in den bereits völlig entkernten Wohnungen nach der Sanierung etwa auf die doppelte Größe. Die Wohnungen sind etwa 50 Quadratmeter groß. Die Disziplin „Hochsprung“ entfällt zukünftig beim Weg auf den Balkon, da die Türausschnitte bis auf den Fußboden reichen.

Zwischen den über Eck angeordneten Wohnblöcken Ziegelstraße 26-32 und 34-40 entsteht derzeit an einer Giebelwand ein Aufzug, der acht Wohnungen der dritten Etage des Blocks 34-40 und zwei Wohnungen des Aufgangs 32 sowie perspektivisch sechs weitere Wohnungen der Aufgänge 26-30 barrierearm erschließen soll. Eine Brückenkonstruktion soll beide Wohnblöcke auf Höhe der dritten Etage verbinden. Das Fundament für den Außenlift werde derzeit gegossen. Dazu wird in der dritten Etage des Blocks 34-40 ein neuer Flur erforderlich.

Land fördert Bau von Aufzügen

„Die alten Wohnungszugänge dienen dann als zweiter Rettungsweg“, erklärt Wolfgang Lorenz. Bewohner der vierten Etage müssen nach der Lift-Fahrt dann nur noch eine Treppe bewältigen. Diese Investition fördert das Land Thüringen aus dem Programm für barrierearmes Wohnen mit 100.000 Euro. „Mit dieser Baumaßnahme können wir auf die große Nachfrage nach Wohnungen im Parterre, in ersten Etagen oder mit Aufzug reagieren“, betont Wolfgang Lorenz, der hofft, dass sich der Leerstand minimiert.

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