Wolf wehrt sich gegen Weihnachtsmarkt-Aus in Eisenach

Birgit Schellbach und Katja Schmidberger
| Lesedauer: 4 Minuten
Blick aus dem Riesenrad auf den Eisenacher Weihnachtsmarkt, der seit Montag geöffnet ist. Das Riesenrad ist die Attraktion. Schlangen bildeten sich am Einlass.

Blick aus dem Riesenrad auf den Eisenacher Weihnachtsmarkt, der seit Montag geöffnet ist. Das Riesenrad ist die Attraktion. Schlangen bildeten sich am Einlass.

Foto: Jensen Zlotowicz

Eisenach.  Eisenach will, dass der Weihnachtsmarkt offen bleibt. Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) fordert eine Lösung von der Regierung.

Es bleiben unsichere Zeiten sowohl für die Besucher als auch die Veranstalter des Eisenacher Weihnachtsmarkts. Die neue Thüringer Verordnung sieht ein Verbot der Weihnachtsmärkte vor, aber niemand weiß, ab wann diese gelten soll. „Wir haben dazu keine Informationen“, sagt Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) am Dienstagabend. Sie hatte sich am Nachmittag mit ihren Amtskollegen aus Erfurt und Weimar getroffen. Die drei Oberbürgermeister wollen gegen das drohende Verbot vorgehen.

Zwar war im Vorfeld von einer möglichen Klage die Rede. „Wir haben uns aber verständigt, dass dies nicht der richtige Weg ist, denn eine Antwort darauf würde vermutlich zu spät eintreffen“, so Wolf auf Anfrage. Indes sieht die Oberbürgermeisterin einen rechtlichen Widerspruch in der Verordnung, die der Landtag am Mittwoch beschließen soll. So sind Veranstaltungen unter freiem Himmel bis 1000 Besucher zugelassen.

Gewerbeverein: Signale vom Land sind kontraproduktiv

Eben jenen Charakter hat im Grunde der Eisenacher Weihnachtsmarkt. Dort gilt 2G: Besucher müssen geimpft oder genesen sein. Die Nachweise werden am Eingang von einem Sicherheitsdienst kontrolliert. Außerdem müssen die Gäste eine Maske vor Mund und Nase tragen. „Es ist doch besser, wenn sich die Menschen auf diese Weise im Freien treffen, als in Garagen oder Kellern“, findet Katja Wolf. Es tue ihr auch in der Seele weh, wenn sie daran denke, dass die Händler ihre frische Ware wie Wurst und Käse vernichten müssen. Abgesehen von der Glaubwürdigkeit, die ihre eigene Zunft betrifft: Man könne doch nicht nur erzählen, dass die Geimpften wieder zur Normalität zurückkehren können, wenn sie jetzt doch allein zu Hause auf dem Sofa sitzen sollen.

Einen offenen Brief an Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und die Landtagsabgeordneten hat Jo West, der Vorsitzende des Gewerbevereins, geschrieben. Darin heißt es: „Wir bitten Sie die Entscheidung zum Verbot des Eisenacher Weihnachtsmarktes zu überdenken“. In diesen schwierigen Zeiten brauche es „Sicherheit, Hoffnung, aber zudem Verlässlichkeit“. Es sei für die Vermittlung von politischem Handeln „kontraproduktiv“, wenn zunächst von Landesseite Signale gesendet werden, dass 2G-Weihnachtsmärkte möglich sein werden, um sie dann kurz nach deren Eröffnung wieder zu schließen.

Weiter weist West auf die Wechselwirkung mit dem Einzelhandel hin: „Wenn wegen der Absage des Weihnachtsmarktes das ohnehin schon schwierige Weihnachtsgeschäft ganz ausfällt, weitere Kundinnen und Kunden in den Online-Handel abwandern, werden wir uns von weiteren Geschäften verabschieden müssen.“ Zwar hätten Einzelhändler bislang die Corona-Pandemie dank Hilfen von Bund und Land überlebt, aber bei weitem nicht alle.

„Was wir von der Wissenschaft hören, ist, dass 2G-Modelle für solche Veranstaltungen möglich und keine Pandemietreiber sind – zumal, wenn es sich kontrolliert unter freiem Himmel abspielt“, ergänzt der Vorsitzende des Gewerbevereins. Der Weihnachtsmarkt stehe auch „als Signal für die Hoffnung auf bald bessere Zeiten“.

Schausteller und Riesenrad-Betreiber Fred Hofmann-Jehn wartete noch am frühen Dienstagabend auf ein Signal, wie die drohende Schließung abwendet werden kann. „Es ist voll auf dem Weihnachtsmarkt heute, weil die Leute Angst haben, dass der Markt Mittwoch schon zu ist“, erzählt er. Am Einlass bildeten sich längere Schlangen. Doch die Freude über viele Besucher trübt die Aussicht auf das mögliche Aus und die drohenden Verluste. „Keiner weiß, was los ist“, hat er als Schausteller so etwas noch nicht erlebt. Schließlich haben er und Veranstalter Henry Arzig wie jeder Standbetreiber auch alles dafür getan, um den Weihnachtsmarkt coronakonform stattfinden zu lassen.