Zuschauer-Attacke: Sundhausen wird hart bestraft

Sundhausen  Nach Eklat im B-Junioren-Spiel droht Kreisligisten Geldbuße und Abzug von sechs Punkten. Urteil noch nicht rechtskräftig

Der üble Ausraster eines Zuschauers bei einem B-Junioren-Fußballspiel kommt dem TSV 1869 Sundhausen teuer zu stehen. Weil der Vater eines einheimischen Spielers gegen den FC Barchfeld III auf den Platz stürmte, zwei Nachwuchsspieler (einer noch im C-Junioren-Alter) schlug und würgte, griff das Westthüringer Sportgericht hart durch.

Gegen den TSV wurde eine Geldstrafe von 600 Euro und ein Punktabzug in Höhe von sechs Zählern gegen die in der Kreisliga spielende erste Männermannschaft ausgesprochen. Die Sundhäuser müssen zudem die Kosten des Verfahrens (über 200 Euro) tragen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da noch bis Sonntagabend die Berufungsfrist läuft. Ob der TSV Einspruch einlegt, sei noch nicht entschieden, war gestern auf Nachfrage von Vereinschef Christian Langer zu erfahren. „Wir überlegen noch, ob es Sinn macht oder am Ende doch nur weiteres Geld kostet“, so Langer, der sich im Namen des Vereins mehrfach bei den geschädigten Jugendlichen wie auch beim FC Barchfeld entschuldigt hat. „Wir distanzieren uns klipp und klar von solch einem Verhalten“, sagte Langer. Erste Konsequenz war, dass der Übeltäter vom Verein ausgeschlossen wurde.

Der Vorfall passierte am 21. September kurz vor Ende der Kreisliga-Partie, als es beim Stand von 0:1 einen Foulelfmeter für Sundhausen gab. Wegen der vom Elternteil angezettelten Rangelei musste die Polizei anrücken. „In mehreren Strafverfahren wird wegen Körperverletzung ermittelt“, hieß es später im Polizeibericht. Das Spiel wurde wieder angepfiffen und endete nach dem verwandelten Strafstoß 1:1.

Eine Spielwertung stand zwar nicht zur Debatte, jedoch sind Vereine nach gängiger Rechtsprechung für das Fehlverhalten ihrer Mitglieder bzw. Anhänger verantwortlich. Die Rechts- und Verfahrensordnung lässt bei Zuschauerausschreitungen neben Platzsperren, den Abzug von drei bis sechs Punkten bei der höchstklassigen Mannschaft und Geldstrafen zu. Dieser Paragraph wurde vom DFB vor etwa zwei Jahren angepasst. „Damit hat man uns ein Tor geöffnet, durch das wir gerne gehen“, sagt Westthüringens Sportgerichtschef Mario Franke. Schließlich müsse man Zeichen gegen die zunehmende Gewalttätigkeit auf und neben den Plätzen setzen. Bei einer Geldstrafe wollte es das Gremium deshalb nicht belassen. „Aus meiner Sicht war es ein besonders heftiger Vorgang, der ganz klar eine Grenze überschritt und dem Sportgericht wenig Spielraum ließ“, begründet Franke das Urteil, bei dem der TSV sogar noch glimpflich davon kam. In schlimmen Fällen können Kreisligavereine mit bis zu 10.000 Euro (!) zur Kasse gebeten werden.

Bestürzt ist TSV-Vorsitzender Langer, weil „mit einer so schlimmen Aktion der ganze Verein in Verruf gebracht“ werde. Dabei habe man im Gothaer Stadtteil in den vergangenen Jahren viel aufgebaut. Auch im Nachwuchs, wo aktuell etwa 80 Jungen und Mädchen aktiv sind. Die erste Mannschaft sorgte im Vorjahr mit dem Pokalsieg für Furore. Nach einem Fehlstart in die neue Saison hatte sich die Kreisliga-Elf jüngst gefangen und zuletzt sieben Punkte in drei Partien erkämpft. Sollte das Urteil greifen, wäre nur noch ein magerer Zähler übrig. Auch wenn sie noch nicht abgezogen sind, die ersten Punkte kann sich Sundhausen am Sonntag im Nachholspiel in Günthersleben zurückholen.

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