In sechs Jahren 2000 Sorten Whisky getestet

Erfurt.  Erster Whisky-Club Erfurt pflegt seit drei Jahren den guten Geschmack und trifft sich monatlich zu hochprozentigen Gesprächen.

Thomas Krause, der Vorsitzende des Erfurter Whisky-Clubs, hat einst klein angefangen. Inzwischen gilt er als Experte für die hochprozentige Spirituose.

Thomas Krause, der Vorsitzende des Erfurter Whisky-Clubs, hat einst klein angefangen. Inzwischen gilt er als Experte für die hochprozentige Spirituose.

Foto: Hartmut Schwarz

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Der erste Eindruck habe ihn nicht so richtig überzeugt, erinnert sich Thomas Krause an seinen ersten Schluck Whisky – 1978 in der Gartenlaube seiner Eltern, im Jonastal. Aber vielleicht kann er sich deswegen noch so gut daran erinnern, auch daran, dass es eine Flasche „Vat 69“ war, die ein Bekannter aus dem Westen mitgebracht hatte. Es war mehr die Form der Flasche und deren goldener Inhalt, die den heutigen Vorsitzenden des Erfurter Whisky-Clubs faszinierte. Den herben Geschmack auf der Zunge, hat er erst viel später zu würdigen gewusst.

Wenn zu DDR-Zeiten Whisky eingeschenkt wurde, waren dies stets besondere Momente, Weihnachten, Geburtstage... Das Getränk gehörte nicht zu den Standards in der DDR, das Angebot war überschaubar. In Nordhausen, in Thüringen, wurde der „Smoky Springs“ destilliert, im VEB Bärensiegel in Berlin der „High Country“ und in Luckenwalde „Der Falckner“ – dazu gab es einige Importe im Fress-Ex – entweder war Whisky für die Arbeiterklasse schwer finanzierbar oder nicht verfügbar. „Whisky wurde nie gesoffen!“ bringt es Thomas Krause auf den Punkt.

Nach der Grenzöffnung stand die Welt plötzlich offen. Erstmals kam bei Krauses auch ein Single Malt ins Glas, dessen Geschmack in eine vollkommen neue Dimension führte. Seitdem war der Whisky für Krause mehr als ein extrem gutes Getränk, er wurde zum Lebensgefühl. Fragt man ihm nach seinem Favoriten, den er in den letzten 30 Jahren ja irgendwie gekürt haben muss, erhält man eine Absage. Gibt es nicht! Jeder Whisky habe seine Zeit, die Vielfalt sei groß – es gibt eigentlich nur einen schlechten, den er probieren musste. Bei einer Veranstaltung wurde ihm einmal ein „Fishky“ serviert, ein Whisky, wie er einst auf See getrunken wurde, gelagert in alten Fischfässern...

Guter Whisky wurde ihm seit der Grenzöffnung viel vorgesetzt. Seit es die Whisky-Tastings in Erfurt gibt, hat er keines ausgelassen. 1999 erstmals im „Dubliner“ bei Mario Löffler, bis vor drei Jahren, als der Staffelstab an den im September 2016 gegründeten Club weiter gegeben wurde. Seitdem gibt es an jedem dritten Montag im Monat die Gelegenheit, im „Andreas Kavalier“ in der Andreasstraße in die Welt der Whiskys einzutauchen. Jedes Mal unter einer anderen Überschrift. Nur der Treff im Dezember fällt aus der Rolle.

Im Dezember wird ein anderes Getränk thematisiert. In diesem Jahr wird es Obstler aus Österreich sein. Und der Erlös wird wieder gespendet. Dies sei schon immer Tradition gewesen – für einen guten Zweck. Die Anonymen Alkoholiker haben in der Vergangenheit bereits davon profitiert, das Frauenhaus, das Hospiz im KKH, die Gefangenenhilfe – wer es in diesem Jahr sein wird, wird stets spontan entschieden. Bereits fest steht, dass die 25 Clubmitglieder personell wieder bei der Ausrichtung der Erfurter Whisky-Messe „Tarona“ helfen werden. Seit der Premiere ist es auch für den Club ein Höhepunkt im Jahr.

Whisky-Fans sammeln gern Trophäen

Der persönliche Höhepunkt für Thomas Krause war eine Rundreise in der Heimat des Whiskys. Erst in diesem Sommer, 30 Jahre nach der Grenzöffnung, hatte er die Zeit gefunden, die neu gewonnene Freiheit zu genießen. In zehn Tagen wurden 15 Destillen besucht. Gern hätte er noch mehr Stopps eingelegt, wollte die Familie aber nicht überfordern. Zumal mit jedem Besuch ein Einkauf verbunden war – Whisky-Fans sammeln gern Trophäen. Selbst ein Stück Torf liegt seitdem in der heimischen Wohnzimmer-Vitrine. Fest steht bereits, dass demnächst noch eine Irland-Reise folgen wird. Dafür will er keine weiteren 30 Jahre verstreichen lassen.

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