Streit im Stadtrat über Stadion-Neubau in Jena

Jena.  Am Mittwoch soll über den Investor für den Jenaer Stadion-Neubau entschieden werden. Geht’s nicht eine Nummer kleiner, fragen indes die Bündnisgrünen im Jenaer Stadtrat und stellen den teuren Neubau in Frage.

Kommen bald die Bagger? Am nächsten Mittwoch soll die Entscheidung über einen Investor für den Stadion-Neubau in Jena fallen.

Kommen bald die Bagger? Am nächsten Mittwoch soll die Entscheidung über einen Investor für den Stadion-Neubau in Jena fallen.

Foto: Sascha Fromm

Die Choreographie zur Entscheidung über den Stadion-Neubau ist vielsagend – und aus Sicht der Bündnisgrünen widersprüchlich. Während der Stadtratssitzung am nächsten Mittwoch soll im nichtöffentlichen Teil mit der Vergabe des Projekts an einen Investor der Schlusspunkt gesetzt werden hinter die viele Jahre währenden Diskussionen und Planungen.

Erst anschließend und dann im öffentlichen Teil der Sitzung würde die Aussprache über die Antwort der Stadtverwaltung auf die Große Anfrage der Grünen folgen – nämlich zu den Auswirkungen der mindestens 50 Millionen Euro teuren Soll-Variante auf den Stadthaushalt und zu Möglichkeiten einer alternativen Sanierung des Stadions im Bestand. „Erst der Beschluss und dann die Diskussion, das geht nicht“, sagte Grünen-Stadtrat Wolfgang Volkmer im Redaktionsgespräch an der Seite seiner Fraktionskollegen Margret Franz und Heiko Knopf. So fühlen die Grünen sich verschaukelt, weil die Aussprache schon in der November-Sitzung geplant war und wegen der vollen Tagesordnung verschoben wurde.

Umbau, aber kein Hochglanzstadion

Heiko Knopf kann das Argument nicht teilen, dass es im nichtöffentlichen Entscheid doch nur noch um die Investoren-Vergabe gehe. Nicht zuletzt müssten die Haltungen jener Stadträte eingepreist werden, die jetzt neu ins Kommunalparlament gewählt wurden und in der vorigen Legislatur zum Neubau noch gar nicht mitzuentscheiden hatten, sagte Neu-Stadtrat Volkmer. Zudem ist Heiko Knopf verärgert, dass das Konvolut von Unterlagen zum Vergabe-Entscheid den Stadträten erst am morgigen Freitag vorliegt. Da bleibe fürs Studieren der Papiere zu wenig Zeit.

Nach ihrem jüngsten Besuch des Stadions und einem Austausch mit den FCC-Fans verhehlen die Grünen nicht ihre Vorbehalte. „Es braucht einen Umbau, aber nicht das große Hochglanzstadion“, sagte Heiko Knopf. „50 Millionen. Das ist zu teuer sowohl für den Klub als auch für die Stadt. Geht’s also nicht eine Nummer kleiner?“ Margret Franz sprach die aktuelle städtische Haushaltssperre an, die dem Kalkül folgt, dass die Stadt bis 2023 über 25 Millionen Euro weniger an Steuereinnahmen verfügen wird als geplant. So sehe es immer schlechter aus für andere Investitionen. Bedenklich sei, dass die Stadt fürs Stadion eine Zuschuss-Verpflichtung auf 25 Jahre eingehen und den Entscheidungen folgender Ratsgenerationen vorgreifen würde. „Das finde ich ziemlich schwierig“, sagte Margret Franz. Im Schnitt 1,71 Millionen Zuschuss pro Jahr mal 25 – macht 43 Millionen, und „im schlimmsten Fall“ der Regionalliga-Zugehörigkeit des FCC 2,24 Millionen mal 25 – macht 60 Millionen: „Das sind die Zahlen, die uns erschrecken.“

Betonung auf „nur“

OB Thomas Nitzsche (FDP) verteidigte auf Nachfrage den Entscheid des Hauptausschusses, am nächsten Mittwoch zuerst über die Vergabe des Projekts an einen Investor zu entscheiden. Er selbst habe gar vorgeschlagen, die nichtöffentliche Investoren-Vergabe erst nach der Aussprache zur Grünen-Anfrage zu verhandeln. Doch sei er dem Einwand aller anderen Ratsfraktionen gefolgt, dass es „nur“ (der OB betonte die Anführungszeichen) um die Vergabe gehe. Ob das Stadion in der geplanten Form überhaupt gebaut wird, „das ist bereits entschieden“.

„Stahlrohr-Variante fürs Jenaer Stadion bringt’s nicht“

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