Jena: Kunst nach Daten und Bedarf

Jena  Jena steuert auf dritte Kulturkonzeption zu. Demnächst große Bürgerbefragung.

Jenas Herzstück der Hochkultur: unsere Philharmonie. Hier bei einer Probe unter Generalmusikdirektor Simon Gaudenz im Kulturtempel Volksbad.

Jenas Herzstück der Hochkultur: unsere Philharmonie. Hier bei einer Probe unter Generalmusikdirektor Simon Gaudenz im Kulturtempel Volksbad.

Foto: Michael Groß

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Sag, wie hältst Du es mit der Kultur in dieser Stadt? – In einigen Wochen werden 10.000 Haushalte je einen Fragen-Katalog zugesandt bekommen und somit gebeten, ihre Meinung widerzuspiegeln zu Kunst und Kultur à la Jena.

Das Befragungsergebnis wird zu den Grundlagen gehören, um die auslaufende Kulturkonzeption der Jahre 2017 bis 2020 fortzuschreiben für die Zeitspanne 2021 bis 2024. Gleichsam ist die neue Konzeption zu verstehen als Leitplanke für die Verhandlungen zur nächsten Zuschussvereinbarung zwischen der Stadt und dem Eigenbetrieb Jenakultur – also als „daten- und bedarfsorientierte Grundlage“, wie Jörg Vogel (SPD), der Chef des Kulturausschusses im Stadtrat, es formulierte. Gemäß der bis 2020 laufenden Vereinbarung zahlt die Stadt derzeit jährlich 16,7 Millionen Euro an Jenakultur.

Die neue Konzeption werde bis Anfang 2020 erarbeitet sein; und die Moderation des Prozesses, die Bürgerbefragung wie auch der Textentwurf der Konzeption und deren Evaluierung sollen in den Händen eines Fachplanungsbüros liegen, das demnächst per Ausschreibung gesucht wird.

Wenn in den vergangenen Monaten gerungen wurde um den Strategie-Beschluss „Wachstum Jena 2030“, dann müsse auch dessen kulturpolitische Dimension wachgehalten werden, sagte Jörg Vogel. Gleichwohl seien im kulturpolitischen Kreis Vorbehalte gegen eine neue Konzeption auszuräumen gewesen: Der Zeitaufwand! Die Kosten (rund 40.000 Euro)! Die quasi noch nicht abgearbeitete laufende Konzeption 2017 bis 2020! – Aber: Gerade einer (nach 2009 zweiten) Bürgerbefragung wohne doch die Chance inne, bei rasender Entwicklung unserer Gesellschaft zeitgemäß nach Bedürfnissen zu loten, wie Jörg Vogel erläuterte.

Zum „Design der Fragebögen“ müssten also nicht zuletzt ganz pragmatische Nuancen gehören wie etwa die Ticket-Preise für Veranstaltungen oder die These, dass es für die jungen Leute zu wenig Party-Kultur-Angebote gebe.

Jenakultur-Werkleiter Jonas Zipf sagte dazu, Jena bewege sich mit vielen seiner Angebote auf „Luxus-Niveau“. „Aber manches wird nicht bleiben können.“ Die Rezeption von Kultur sei nicht mehr allein mit den Maßstäben des Kulturbürgertums zu fassen. Jena müsse innovationsfreudig bleiben, „um Kultur nicht etwas total Verstaubtes sein zu lassen“.

Jenaer Frühromantik könnte ein Knaller sein

„Manches wird nicht bleiben können“ heißt: Die neue und dann schon dritte Jenaer Kulturkonzeption soll Prioritäten setzen mit einem „realistischen Maß an Staffelung“, wie Jörg Vogel sagte, während die erste Konzeption zur Zeitspanne 2013 bis 2016 noch „ein Kompendium des Wünschenswerten“ gewesen sei.

Kraft einer Prioritätenliste sollen Projekte aber auch nicht automatisch „rausgekickt werden“, sagte Jonas Zipf. Nicht zuletzt werde eine zeitliche Staffelung gesetzt, zumal bestimmte Entwicklungen wie Geldeinnahme-Situationen und Finanzierungen durch Dritte sich noch nicht einpreisen ließen.

Dennoch ist sich Jörg Vogel sicher, dass die Ansprüche größer werden. „Trotz großer Brocken auf der Prioritätenliste brauchen wir Freiräume für Neues.“ Das Deutsche Optische Museum als geplantes Leit-Museum der Branche werde zum Beispiel für Jena ein „Alleinstellungsmerkmal“ sein, sagte Jörg Vogel. Und auch das Romantikerhaus „könnte ein Knaller sein – ist es derzeit aber nicht“. Beide Museen sind für Jonas Zipf zudem beste Beispiele, um klarzustellen, dass die Stadt Partner wie die Universität dringend benötigt. „Wir haben keine Chance, wenn wir es nicht zusammen machen.“

Jörg Vogel schätzte ein, dass die in der Kulturkonzeption 2017 bis 2020 aufgelisteten Maßnahmen „zur Hälfte auf dem Weg“ sind. Dazu würden mit einer Zwischenauswertung per Rot-Grün-Gelb-Ampelverfahren Prädikate vergeben. „Rot häuft sich besonders dort, wo in hohem Maße Stadtentwicklungspolitik mitspielt.“ Zum Beispiel das alte Klinikum Bachstraße, das sich sehr gut als Kultur-Quartier vorstellen lasse, sei mit Rot versehen, während sich etwa die Kultur-Beratungsstelle bei der Bürgerstiftung mehr als amortisiert habe.

„Kultur ist keine Pflichtaufgabe.“ – Der alte Haushaltsrechtssatz ist Vogel wie Zipf nur zu bekannt. Bekäme man die neue Kulturkonzeption aber als „konsensualen Beschluss“ gestaltet, „hätten wir de facto eine politische Selbstverpflichtung“, sagte Jörg Vogel. „Wir hätten eine Richtschnur für die Verwaltung und einen Fundus für politische Entscheidungen.“

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