Klasse wird wegen Lehrermangels aufgelöst: Thüringer Eltern verschicken „offenen Hilferuf“

Schmalkalden.  Auch das zweite Schulhalbjahr startet mit Lehrerabordnungen und unbesetzten Stellen.

Wenn Lehrer an anderen Schulen Lücken füllen müssen, sind Klassenzusammenlegungen oft die Notlösung

Wenn Lehrer an anderen Schulen Lücken füllen müssen, sind Klassenzusammenlegungen oft die Notlösung

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

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Die Eltern der Erstklässler in Schmalkalden sind entsetzt: Drei Tage vor Ferienbeginn erfuhren sie, dass eine Klasse der Grundschule zu Beginn des zweiten Halbjahres aufgelöst, die Kinder auf andere Klassen aufgeteilt werden. Ihre Lehrerin wird eine zweite Klasse übernehmen, weil die bisherige Klassenleiterin in die benachbarte Grundschule Brotterode abgeordnet wird. Bei den Schülern herrscht Unruhe, in ihrer Ratlosigkeit verfassten die Eltern einen „offenen Hilferuf“.

Die Lösung, heißt es aus dem Bildungsministerium, sei alternativlos, auch wenn man gern eine andere gefunden hätte. Wegen Langzeiterkrankungen seien an der Grundschule Brotterode derzeit nur sechs Kolleginnen für acht Klassen im Stammpersonal. Die Einstellung neuer Lehrer, nach denen man mit Hochdruck suche, sei bislang am Bewerbermangel gescheitert. Mit einer Zweitbesetzung durch Erzieherinnen werde man große Klassen unterstützen. Die Zahl der landesweit offenen Stellen betrage aktuell 115, wie viele Pädagogen zum zweiten Halbjahr neu an die Schulen kommen, werde man in der kommenden Woche genau wissen.

Klassenzusammenlegungen als letztes Mittel? Szenarien wie in Südthüringen seien in Ostthüringen wegen der klaffenden Lücken in den Lehrerzimmern seit Schuljahresbeginn Praxis, bemerkt Schulamtschef Berthold Rader. Seit Januar wurden dort 52 Pädagogen unbefristet eingestellt, davon zwei Seiteneinsteiger, aber das reicht nicht. Sogar in Städten wie Gera und Jena blieben Stellen offen.

Personallage in Thüringens Randgebieten besonders dünn

Für Westthüringen gebe es zum Start des zweiten Halbjahres solche Notlösungen zwar nicht, sagt Schulamtsleiter Wolfram Abbé, doch die angespannte Lehrersituation könne das schnell ändern. Man suche händeringend nach Bewerbern, 44 wurden aktuell eingestellt. Immerhin könne dadurch eine große erste Klasse in der Grundschule Empfertshausen nach den Winterferien geteilt werden. Doch solche Lichtblicke sind derzeit selten. Vor allem für Randbezirke wie den Wartburgkreis sei die Personallage dünn, in allen Schularten und vor allem in Naturwissenschaften und Mathematik suche man dringend nach Pädagogen. Für Erzieherinnen gebe es zehn offene Stellen, die Fluktuationsrate sei hier anhaltend hoch. „Wir freuen uns über jeden Bewerber, der sich meldet, Seiteneinsteiger eingeschlossen“, sagt der Amtsleiter.

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