50 Kilogramm Schokolade aus Amerikas Dschungel

Mühlhausen.  Der Mühlhäuser Guido Kunze zeigt im ausverkauften Kino an der Stätte den langen Weg der Schokolade. Nächste Tour soll nach Afrika führen.

Mit seinem Sohn Marvin bestritt Extremsportler Guido Kunze in Südamerika den Weg der Schokolade.  

Mit seinem Sohn Marvin bestritt Extremsportler Guido Kunze in Südamerika den Weg der Schokolade.  

Foto: Marvin Kunze

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Die Heimatstadt Mühlhausen war Freitagabend die zweite Station von Guido Kunzes Kinofilm-Präsentation. Nach der Premiere des Films „Der lange Weg der Schokolade“ vor rund 400 Besuchern Ende November in Erfurt kam der Film nun ins Kino an der Stätte. Nach der knapp einstündigem Vorführung gab es für den 54-Jährigen stehenden Applaus der 270 Gäste im ausverkauften Saal.

Extremsportler Kunze war im April 2019 auf der Suche nach der besten Kakaobohne der Welt rund drei Wochen in Südamerika unterwegs, in Ecuador und in Kolumbien. Insgesamt dauerte seine Tour, die er im April über weite Strecken gemeinsam mit seinem Sohn Marvin absolvierte, doppelt so lange. Der hatte den Anstoß gegeben und hinterfragt, wie in deutschen Supermärkten 100 Gramm Schokolade für weniger als 50 Cent angeboten werden können.

Der Film beleuchtet mit eindrucksvollen Landschaftsbildern und bewegenden Begegnungen mit Einheimischen die abenteuerliche Reise des Mühlhäusers. Sie begann in Palanda, Ecuador, dem Ursprungsort des Kakaos, führte mit Rad und Segelboot bis auf die Krämerbrücke in Erfurt, zu seinem Freund, Chocolatier Alexander Kühn, der in Südamerika mit Kunze auf die Suche nach dem besten Kakao gegangen war. 50 Kilogramm hatte er ihm mitgebracht, über 80.000 Höhenmeter geschleppt.

Wie man sich auf eine solche Tour vorbereitet, wollten die Gäste des Freitagabends wissen: Organisatorisch brauchte es für das Schokoladenprojekt drei Jahre, körperlich 15 bis 30 Stunden Ausdauersport pro Woche und „meine liebe Gaby, die das Ganze mitträgt“, sagte Kunze über seine Ehefrau. Ein mentales Tief, das ihn am Gelingen habe zweifeln lassen, habe es nicht gegeben, „aber den inneren Schweinehund musste ich zig Mal totschlagen“, gab er zu. Das Fahrrad hatte auf der Tour keine Probleme, einzig nennenswert war ein platter Reifen in Frankreich. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf 120.000 Euro. Von einem eventuellen Überschuss wolle man einen Lehreraustausch organisieren.

Kunze wird weiter viel mit und für seinen Film unterwegs sein – in Deutschland, im April aber auch in Kolumbien und Ecuador. „Dann will ich meiner Familie den Dschungel zeigen.“ Der Film ist bereits ins Spanische eingesprochen. An den französischen und englischen Varianten werde derzeit gearbeitet, ebenso an einem 20-minütigem Schulfilm, den man kostenlos bereitstellen wolle.

Auch das nächste Projekt soll in einem Film münden, kündigte Kunze an. Es soll nach Afrika gehen, vielleicht sogar noch 2020. Dort will er für die internationale Hilfsorganisation World Bicycle Relief unterwegs sein, die Menschen in ländlichen Entwicklungsländern mit Fahrrädern mehr Mobilität schafft. Die Rahmen werden von der Firma Giant in China hergestellt, die Räder in Afrika montiert, womit dort Arbeitsplätze geschaffen werden. Sie sind an das Leben angepasst, auf den Gepäckträgern lassen sich Waren bis zu 100 Kilogramm Gewicht transportieren. Kunze will die kleinen Radfabriken besuchen. Etwa fünf, sechs Wochen werde er dafür in Afrika unterwegs sein.

Die nächste sportliche Herausforderung will er in den Dolomiten suchen: 24 Stunden lang will er im Skigebiet Sellaronda auf einer 56-Kilometer-Runde die vier Pässe abfahren. Geplant sind auf der Tagestour vier 15-minütige Pausen.

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