Apothekengarten in Bad Langensalza gibt Pflanzen ab

Bad Langensalza.  Zum jährlichen Erntetag am Apothekenmuseum in Bad Langensalza wechseln überschüssige Kräuter gegen eine Spende den Besitzer.

Im Bad Langensalzaer Apothekenmuseum werden jährlich im Herbst überzählige Pflanzen abgegeben. Im Garten gab es manche direkt am Beet bei Simone Giest (rechts). Auch Jutta Schüffler nutzte das Angebot.      

Im Bad Langensalzaer Apothekenmuseum werden jährlich im Herbst überzählige Pflanzen abgegeben. Im Garten gab es manche direkt am Beet bei Simone Giest (rechts). Auch Jutta Schüffler nutzte das Angebot.      

Foto: Klaus Wuggazer

Zitronenmelisse, Thymian und Bohnenkraut waren gut gefragt, aber auch Giersch, Wegwarte und Aloe wechselten den Besitzer beim Erntetag im Bad Langensalzaer Apothekenmuseum. Im Herbst gibt das Haus überschüssige Pflanzen aus seinem Garten gegen eine Spende ab. Einige Dutzend Besucher nutzten das Angebot am Samstag.

Jutta Schüffler aus der Kur- und Rosenstadt kam nicht zum ersten Mal. Unter anderem nahm sie diesmal eine Wegwarte mit, die Museumsmitarbeiterin Simone Giest am Beet für sie ausgrub. Schüffler beteiligt sich schon einige Jahre am Tag der offnen Gärten und Höfe. Sie hat vor allem Optik und Duft der Pflanzen im Blick – die Wegwarte hat leuchtend blaue Blüten – und die Insekten: „Das ist gutes Futter für sie, wie auch der Lavendel, den ich hier schon bekommen habe. Der zieht massenweise Hummeln und Bienen an“, sagte sie.

Ein junges Paar aus Leipzig freute sich, im zu Ende gehenden Urlaub in Bad Langensalza über das außergewöhnliche Angebot und nahm Zitronenmelisse mit: „Die kommt in den Salat“, sagten die beiden, die beim Besuch des Museums zwei Tage zuvor von dem Erntetag erfahren hatten.

Tipps der Mitarbeiter für Anbau und Pflege

Die Mitarbeiterinnen gaben nicht nur Pflanzen und getrocknete Kräuter wie Johanniskraut und Salbei heraus, sie hatten auch Tipps für Anbau und Pflege. „Wir sind aber keine Apotheker“, so Kristin Kley, die als Gartenbauingenieurin bei der Stadt für die Anlage am Museum zuständig ist. Wer die Pflanzen medizinisch anwenden wolle, solle sich besser an einen Arzt oder Apotheker wenden. Denn Heilpflanzen können durchaus Neben- und Wechselwirkungen haben.

„Wir geben nur das ab, was überzählig ist, weil es sich über Samen vermehrt“, sagte Kley. Diesmal waren das unter anderem Schafgarbe, Königskerze, Giersch und Wermut. Viele zieren einfach den heimischen Garten. Manche können zu Tee verarbeitet werden, einige Blütenblätter geben Badewasser besonderen Duft, andere Pflanzen wie Salbei sind klassische Küchenkräuter.

Die heilende Wirkung ist bei etlichen Pflanzen nachgewiesen, bei anderen basiert sie eher auf Glauben. Die sogenannte Signaturenlehre geht sogar so weit, aus Merkmalen der Pflanze abzulesen, wie sie heilen können. So ähnle die Zwiebel der Herbstzeitlosen einem gekrümmten Zeh, wie er bei Gichtkranken vorkommt. Tatsächlich wird aus der Pflanze ein Wirkstoff gegen diese Krankheit gewonnen, der allerdings auch giftig ist. Damit ist die Herbstzeitlose gleichzeitig Heil- und Arzneipflanze.

Erntetag als fachlicher Austausch unter Gartenfreunden

Aber nicht immer trifft die Signatur ins Schwarze, oft fehlt der wissenschaftliche Nachweis, etwa bei Augentrost gegen entzündete Augen. Da spiele wohl auch der Placebo-Effekt, der Glaube an die Wirkung eine Rolle, sagt die Fachfrau.

Mancher Besucher nutzte den Erntetag zum fachlichen Austausch unter Gartenfreunden. Die Spenden, die für die Pflanzen hereinkamen, werden dafür verwendet, im nächsten Frühjahr Pflanzen nachzukaufen. Über 80 verschiedene Heil- und Arzneipflanzen wachsen in dem malerischen Apothekergarten, auch einige Obstbäume. Deshalb gab es am Samstag auch Quitten zum Mitnehmen.

Einen Teil der Kräuter verarbeitet das Museum auch in Vorführungen, etwa für Schulklassen. Doch seit März sind alle Veranstaltungen im Haus abgesagt, bedauert Mitarbeiterin Katja Recknagel.

Das Apothekenmuseum, das Ende April nach der Corona-Schließung wieder öffnete, hat bis Ende Oktober auf, dienstags bis sonntags von 13 bis 17 Uhr. Ab November gelten verkürzte Öffnungszeiten: Mittwoch, Samstag und Sonntag von 13 bis 17 Uhr, ebenso am Reformationstag, dem 31. Oktober.