Arbeitsagentur wirbt für Einstellung von Schwerbehinderte

Landkreis.  Beschäftigungsquote im Unstrut-Hainich-Kreis liegt unter dem Landesschnitt. Ein ungenutztes Fachkräftepotenzial.

Christian Lange (rechts) und Alexander Müller sind schwerbehindert und arbeiten beim Fensterbauer TMP im Büro. Personalchefin Cornelia König (hinten) und die Weiterbildungsverantwortliche Janine Dietzel kümmern sich um ihre Belange.

Christian Lange (rechts) und Alexander Müller sind schwerbehindert und arbeiten beim Fensterbauer TMP im Büro. Personalchefin Cornelia König (hinten) und die Weiterbildungsverantwortliche Janine Dietzel kümmern sich um ihre Belange.

Foto: Klaus Wuggazer

Gut ausgebildet, motiviert, verlässlich, leistungsfähig, loyal – und trotzdem keine Arbeit. Dieses Schicksal trifft viele Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Zur bundesweiten „Woche der Menschen mit Behinderung“, die bis 6. Dezember läuft, warb die Agentur für Arbeit dafür, Schwerbehinderten mehr Chancen auf einen Job zu geben. Den nach wie vor hätten die es auf dem Arbeitsmarkt schwerer.

Beim Bad Langensalzer Fensterbauer TMP gab es im Rahmen eines Pressegesprächs zwei Beispiele, wie die Inklusion auf dem Arbeitsmarkt funktioniert: Alexander Müller ist von Geburt an taub, lernte deshalb erst spät sprechen und sieht zudem schlecht. Sein Abitur machte er 2010 am Salza-Gymnasium und ist heute ausgebildeter Bürokaufmann. Er bearbeitet bei TMP die eingehenden E-Mails. Bei der Arbeit hilft ihm auch moderne Technik: Dank eines speziellen Telefons und Ohr-Implantaten kann er zum Beispiel Kundengespräche führen.

Sei einem Jahr arbeitet er nun bei TMP, nachdem Firmenchef Bernhard Helbing und die Gothaer Agentur-Geschäftsführerin Ina Benad 2018 eine Vereinbarung unterschrieben hatten, mit der der Betrieb mehr Schwerbehinderte beschäftigten will. Und er gehöre ganz normal zum Team, ernte auch Lob von Vorgesetzten, sagte Helbing: „Ich sehe mich hier als Unternehmer in der Verantwortung.“

Alexander Müller, ebenfalls aus Bad Langensalza, hat einen künstlichen Darm-Ausgang und arbeitete zuerst als Maler und Lackierer. Doch aufgrund seiner Einschränkung konnte er keine körperliche schwere Arbeit mehr ausüben. Nun schult er um zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Die nötigen Praktika absolviert er bei TMP, wo er seit einem Monat in der Auftragsannahme arbeitet.

Beide zeigten sich im Gespräch sehr motiviert und in Betrieb und Team gut aufgehoben. Für möglicherweise nötige Hilfsmittel am Arbeitsplatz gibt es Zuschüsse vom Integrationsamt. Dennoch sei in dieser Frage der bürokratische Aufwand hoch, sagte die TMP-Personalleiterin Cornelia König.

Dass TMP die gesetzlich vorgegebene Beschäftigungsquote trotz Aufgeschlossenheit für das Thema mit 3,5 Prozent von 333 Angestellten nicht erfüllt, begründete Helbing mit dem Satz: „Es muss passen“ – mit Blick auf Qualifikation, Motivation, und Bedarf und Möglichkeiten des Betriebs. Als Unternehmer müsse er auch wirtschaftlich denken.

Laut Agentur hat sich die Lage der Schwerbehinderten aber deutlich verbessert. Viele arbeiten im Landkreis im Gesundheits- und Sozialwesen (262), verarbeitenden Gewerbe (224), der Verwaltung (209) und im Handel (90). Angesichts des Fachkräftemangels gebe es hier noch ungenutztes Potenzial. Nicht zu vergessen: Eine Schwerbehinderung könne jeden treffen, vor allem mit zunehmendem Alter.

Die Arbeitsagentur biete bei der Inklusion Unterstützung und Förderung und berate Betriebe und Betroffene individuell. „Ich wünsche mir ein stärkeres Engagement der Unternehmen bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen“, so Ina Benad.

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