Gebet in Mühlhausen soll Gesellschaft wieder zusammenführen

Susan Voigt
| Lesedauer: 2 Minuten
Mario Hommel, Thomas Levi und Pfarrer Tobias Krüger initiierten die Veranstaltung und wollen durch Glauben wieder Frieden schaffen.

Mario Hommel, Thomas Levi und Pfarrer Tobias Krüger initiierten die Veranstaltung und wollen durch Glauben wieder Frieden schaffen.

Foto: Alexander Volkmann

Mühlhausen.  Gläubige kommen in Mühlhausen nun regelmäßig zusammen, um für den Frieden und gegen die Spaltung einzustehen. Das steckt hinter der Idee.

Etwa 50 Gläubige haben sich am Donnerstag in der Mühlhäuser Nikolaikirche versammelt, um gemeinsam für den Frieden in der Gesellschaft zu beten. Die Corona-Krise habe zur Spaltung geführt, erklärt Allgemeinmediziner Thomas Levi, der die Aktion zusammen mit Pfarrer Tobias Krüger und Mario Hommel vom Gemeindekirchenrat initiiert hat.

„Intoleranz und Streit nehmen immer weiter zu, es gibt kein anderes Thema mehr“, sagt Levi. Das gemeinsame Gebet solle die Menschen wieder zusammenführen, versöhnliche Gedanken vermitteln und den Frieden zurück bringen.

Zwar solle das Friedensgebet nun vorerst jeden Donnerstag stattfinden, es sei aber keine politische Gegendemonstration auf die derzeit ebenfalls regelmäßig stattfindenden Corona-Protestspaziergänge in Mühlhausen. „Wir setzen unseren eigenen Akzent. Wir wollen nicht spalten, sondern die Last nehmen und zusammenstehen“, so Krüger.

Auch die Menschen, die am Donnerstag in die Kirche gekommen waren, seien in Sachen Pandemie sicher nicht alle der gleichen Meinung gewesen. „Darum geht es auch gar nicht. Wir wollen die Botschaft nach außen tragen, dass die Menschen wieder respektvoll miteinander reden müssen“, sagt Thomas Levi.

Die Idee zu der Aktion stammt von Thomas Levi und Mario Hommel. „Wir beten in den Gottesdiensten natürlich schon lange für den Frieden, wir waren uns allerdings einig, dass wir mehr tun müssen. Viele Menschen sind am Ende ihrer Kräfte“, erklärt Levi.

Und die Idee kam an. Neben vielen Gemeindemitgliedern zog es auch Menschen aus anderen Kommunen und von anderer Konfession in die Nikolaikirche. „Es ist ein neues Konzept, bei dem alle Gläubigen zusammenkommen. Wir sind hier her gekommen, um dafür zu beten, dass die Menschen in dieser unsteten Zeit wieder zueinanderfinden“, erzählt ein junges Pärchen aus Niederdorla, das eigentlich katholisch ist.

Das Friedensgebet sei notwendig, damit der Keil in der Gesellschaft nicht noch tiefer eindringt, sagt auch Martin Drössler. „Inzwischen treffen schon im Kleinen verschiedene Welten aufeinander – in der Familie, unter Freunden und an der Arbeit. Irgendwann ist die Pandemie zu Ende. Die Spaltung aber wird bleiben, wenn wir nichts dagegen tun. Und irgendwer muss anfangen“, sagt er.

Das Gebet könne zudem die Angst überwinden, die inzwischen überall mitschwinge, sagt auch Thomas Voigt. „Und die Menschen machen komische Dinge, wenn sie Angst haben“.

Das Friedensgebet findet jeden Donnerstag um 19 Uhr in der Nikolaikirche in Mühlhausen statt.