"Glücksgeschichte": Amerikaner übernehmen Mühlhäuser Unternehmen Intercord

Mühlhausen.  Die Firma Intercord ist an das Unternehmen Beaver verkauft und will investieren. Knapp 90 Mitarbeiter stellen technische Fäden her.

Die Beaver Manufacturing Company (BMC) ist seit Oktober 2020 Eigentümer der Mühlhäuser Firma Intercord, die technische Fäden - vorrangig für die Automobilindustrie - herstellt. Ramazan Yasbay fungiert seitdem als alleiniger Geschäftsführer.

Die Beaver Manufacturing Company (BMC) ist seit Oktober 2020 Eigentümer der Mühlhäuser Firma Intercord, die technische Fäden - vorrangig für die Automobilindustrie - herstellt. Ramazan Yasbay fungiert seitdem als alleiniger Geschäftsführer.

Foto: Claudia Bachmann

Die Beaver Manufacturing Company (BMC) ist seit Oktober Eigentümer der Mühlhäuser Firma Intercord, die technische Fäden herstellt – vorrangig für die Automobilindustrie. Ramazan Yasbay fungiert seitdem als alleiniger Geschäftsführer. Walter vom Stein, Mit-Geschäftsführer und mit Yasbay seit 2016 Eigentümer, hat sich zurückgezogen. Beide hatten das Unternehmen vor vier Jahren übernommen.

Damals, Ende 2016, stand das ganze Werk auf der Kippe. Der türkische Eigner wollte sich vom Betrieb trennen. Anfang 2017 stiegen die Yasbay und vom Stein als die zwei neuen Gesellschafter ein, übernahmen den Betrieb.

Geschäftsführer seit Gründung dabei

Ramazan Yasbay ist von Anfang an dabei. Er hat das Unternehmen im Gewerbegebiet Trift mit aufgebaut, war dort als Prokurist tätig und führte es bis zum Verkauf gemeinsam mit Walter vom Stein, dem Inhaber eines Traditionsunternehmens aus Wermelskirchen und ein langjähriger Lieferant der Intercord. Beide hätten eine mutige Entscheidung getroffen, lobte im Juni 2017, zum 20-jährigen Firmenbestehen, Günther Richter vom Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW). Vom Konzern zum mittelständischen Betrieb, noch dazu, wenn er in Familienhand ist, das sichere langfristig die Existenz für Unternehmer und Arbeitsplätze, sagte damals Richter.

Auch der aktuelle Intercord-Eigner ist ein Familienunternehmen. Den Verkauf nennt Yasbay „eine Glücksgeschichte, denn wir wollten keine Investoren im Sinne des Geldes und haben mit dem Familienunternehmen BMC eine gute Wahl getroffen.“

Yasbay gibt Altersgründe für den Verkauf an. „Die Zeit war einfach reif.“

Er selbst – wie auch vom Stein – ist über 60. „Kurz vor der Rente wollten wir dann nicht auf die Schnelle nach einem Nachfolger fürs Unternehmen suchen.“ So habe man schon ein Jahr lang verschiedene Beteiligungsmodelle durchgespielt – und sich letztlich für einen kompletten Verkauf entscheiden. Einen Nachfolger habe man weder in den Familien, noch im Unternehmen selbst finden können.

Weg vom Konzern zum Mittelstand

Die BMC ist der größte Anbieter von technischen Faserverstärkungen für Schläuche und andere industrielle Anwendungen in Nordamerika, hat Produktionsstätten in den USA und Mexiko und ist in etwa doppelt so groß wie Intercord. Dort, Am alten Bahndamm im Gewerbegebiet, zählt man knapp 90 Mitarbeiter. Deren Arbeitsplätze seien sicher, sagt Yasbay und verweist auf die aktuellen Einstellungen und die weiteren Stellenausschreibungen.

In 1,5 Jahren eine Million Euro investiert

In den vergangenen vier Jahren habe man erfolgreich den Weg vorangetrieben vom Konzern zu einem mittelständischen Unternehmen und will wachsen. Allein in diesem Jahr und in den ersten Monaten 2021 wurde und wird eine Million Euro investiert – voranging in die Forschung. Ab Mai des kommenden Jahres soll die neue Maschine laufen und einen noch engeren Kontakt zu den Kunden ermöglichen. Sie sollen aktiv mitgestalten können.

Automobilkrise trifft Unternehmen

Auch das Thema Elektromobilität spielt mehr und mehr eine Rolle. Mit den neuen Motoren werden sich auch die Anforderungen an die technischen Fäden ändern. Man sei vorbereitet und erwartet, in den kommenden Jahren für herkömmliche Antriebe ebenso zu fertigen wie für E-Motoren. In den vergangenen Jahren kam Intercord, wo im 4-Schicht-System gearbeitet wird, durchschnittlich auf einen Umsatz von 16 Millionen Euro. Bedingt durch die Krise der Automobilindustrie, werde man 2020 um ein Fünftel darunter liegen. Dennoch habe man die Corona-Krise bisher ohne Entlassungen gemeistert, sagt der Geschäftsführer.