Holzernte in Zeiten des Baumsterbens

Mühlhausen.  Im Mühlhäuser Stadtwald pausieren die Arbeiten wegen des Dauerregens. Dennoch drängt die Zeit.

Schon von der Straße aus zu sehen: Im Mühlhäuser Stadtwald stehen viele abgestorbene Buchen.

Schon von der Straße aus zu sehen: Im Mühlhäuser Stadtwald stehen viele abgestorbene Buchen.

Foto: Daniel Volkmann

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Im Mühlhäuser Stadtwald ruht die Holzernte. Seit zwei Wochen kommen weder Forstmaschinen noch Rückepferde zum Einsatz. „Durch den dauerhaften Regen und den Sturm in der vergangenen Woche müssen wir mit der Holzernte erstmal pausieren“, sagte Jörg Willner, Leiter des Bereiches Forst und Landschaftspflege im Rathaus. Nur der Einschlag der Bäume laufe weiter und werde von den Waldarbeitern mit der Hand verrichtet. Die Böden seien so weich, dass die Spuren durch Holzerntemaschinen einfach zu tief würden.

Als die Wetterbedingungen vor zwei Wochen besser waren, wurden jeweils zu je einem Drittel absterbende Buchen und Fichten geerntet. Aber auch Eschen, denn das Triebsterben nehme zu. Zur Waldbewirtschaftung hat der Mühlhäuser Stadtwald laut Jörg Willner ein besonders bodenschonendes Rückegassensystem. Das sei etwas teurer und aufwendiger, aber näher an der Natur.

Erntemenge beim Buchenholz doppelt so hoch

Während im hiesigen Stadtwald die Arbeiten gerade pausieren, hofft man im gesamten Forstamt Hainich-Werratal nicht mehr – wie in den vergangenen milden Wintern – auf Frost, sondern ist froh über jeglichen Niederschlag. Die Trockenheit der vergangenen zwei Jahre hat zu erheblichen Schäden im Wald geführt. Vor allem seit dem Spätsommer 2019 ist auch die Buche schwer betroffen, stark geschädigte Bäume mussten gefällt werden.

Die Waldflächen des Forstamtes liegen im Wartburg- und Unstrut-Hainich-Kreis. Sie erstrecken sich im Osten bis Bad Langensalza, im Westen bis zur hessischen Grenze, im Norden bis Menteroda und im Süden bis zu den Hörselbergen. Ein Gebiet von rund 20 000 Hektar. Elf Forstreviere gibt es. Größter kommunaler Waldbesitzer ist die Stadt Mühlhausen.

In allen Forstbetrieben des Forstamtes müssten in diesem Winterhalbjahr etwa siebzigtausend Festmeter Buchenholz zwangsweise geerntet werden, so Forstamtsleiter Dirk Fritzlar. Das sei eine Erntemenge, die etwa doppelt so hoch ist, wie in normalen Jahren und etwa 2800 Lkw-Ladungen entspräche. Laut seinen Angaben bleiben trotzdem immer noch dreißigtausend Festmeter Holz in den Buchenbeständen als liegendes Totholz zurück.

Im Forstamt Hainich-Werratal läuft die Holzernte gegen die Zeit

Die Schädigung der Bäume durch Zersetzung schreitet schnell voran. Damit kann das Begehen der Wälder lebensgefährlich werden. Aus diesem Grund wird die Ernte trotz der matschigen und feuchten Böden fortgesetzt. Auf Forstmaschinen könne auch bei fehlendem Frost nicht verzichtet werden, da die Holzernte sonst nicht geleistet werden könne.

Die schweren Geräte hinterlassen auf den Forstwegen bei weichem Boden Schäden. Diese müsse man in Kauf nehmen und zu gegebener Zeit wieder in Ordnung bringen, sagt Dirk Fritzlar. Mit der raschen Ernte soll auch einem wirtschaftlichen Schaden entgegengewirkt werden. Da sich das Buchenholz sonst schlechter verkaufen lässt. Für den Waldboden ist die Arbeit mit Rückepferden schonender. Sie werden ergänzend eingesetzt. Vor allem an Stellen, wo die Forstmaschinen nicht hingelangen.

Insgesamt ist Dirk Fritzlar mit den Fortschritten bei der Holzernte zufrieden. „Der Absatz beim Buchenholz ist unproblematisch und geht gut. Katastrophal ist es bei der Fichte. Seit 2018 entnehmen wir da ausschließlich nur noch Schadholz.“ Dabei handle es sich anfänglich um Sturmholz und später um Holz, das vom Borkenkäfer befallen sei. Aufgrund der dauerhaft großen Mengen hätten die Sägewerke auch kein Interesse mehr am Fichtenholz.

Doch laut Fritzlar spielt nicht nur das Wetter eine Rolle bei der Holzernte. Sie würde sowieso nur bei extremen Niederschlägen unterbrochen. Auch die Arbeitskapazität des Forstpersonals sei entscheidend und das arbeite seit nun mehr zwei Jahren am Limit.

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