„Nicht mehr so viele Chancen“: Lengefelder über seinen langen Kampf gegen Blutkrebs

Lengefeld.  Im März erkrankte der Lengefelder Feuerwehrmann Mario Diemann an Blutkrebs. Nun spricht er über die schwere Zeit und den langen Kampf gegen die Krankheit.

Mario Diemann genießt die Zeit mit Töchterchen Zoey und Frau Nicole.

Mario Diemann genießt die Zeit mit Töchterchen Zoey und Frau Nicole.

Foto: Alexander Volkmann

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Das Schicksal von Feuerwehrmann Mario Diemann aus Lengefeld hat viele Menschen bewegt. Im März erhielt der 39-Jährige die Diagnose Blutkrebs – drei Wochen vor der Geburt seiner Tochter.

Nun, neun Monate später, verbringt Mario Diemann die Wochen vor dem Jahreswechsel zuhause bei seiner Frau Nicole und Töchterchen Zoey. Sie genießen die gemeinsame Zeit. Doch man sieht dem Familienvater die Strapazen der Chemotherapie an. 35 Kilogramm hat der ehemals so kräftige Kerl abgenommen. Mittlerweile ist er aber vom Tropf an der Uniklinik in Jena weg, kann die Tabletten zuhause nehmen. Alle zwei Tage überprüft die Hausärztin seinen Gesundheitszustand, der sich stündlich ändern kann.

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Erst wenn die Werte besser sind, entscheiden die Mediziner, wie es weiter geht. Ob Mario Diemann eine Stammzellenspende bekommt, kann noch nicht gesagt werden. In der Spenderkartei wird erst gesucht, wenn der Zustand eine Transplantation zulässt. Mehr als 1000 Menschen folgten im April dem Aufruf der Organisation DKMS und ließen sich typisieren. Viele Freunde und Helfer hatten die Aktion mitorganisiert. Unternehmen und Privatleute spendeten Geld. Die Hilfsbereitschaft unter den Feuerwehren in ganz Thüringen war immens, koordiniert von der Landesgruppe der Feuerwehrgewerkschaft.

Zwei Stunden nach der Diagnose in die Uniklinik

Lengefelds Kirmesgesellschaft und der Feuerwehrverein organisierten im Mai ein Benefizkonzert, um die Familie finanziell zu unterstützen. Dabei kamen 1300 Euro zusammen. Das alles konnte Mario nur vom Krankenbett aus verfolgen. „Ich bin immer noch beeindruckt von der Anteilnahme“, sagt er heute.

Es sei die aggressivste Form der Leukämie, an der er erkrankt sei. „In den ersten fünf Jahren der Krankheit liegt die Sterblichkeitsrate bei 80 Prozent“, sagt Mario Diemann deutlich. Es habe eine wesentliche Verbesserung seit der Diagnose gegeben. Im März stand sein Leben auf Messers Schneide.

Rückblick: Vier, fünf Wochen lang geht es Mario schlecht. Er fühlt sich schwach, leidet an grippeähnlichen Symptomen. Eine Auszeit nimmt er sich nicht. Er muss in die Firma, deren Geschäftsführer er ist. Die Feuerwehr braucht ihn als Wehrleiter und Vereinschef. „Wir hatten in dieser Zeit einen Einsatz“, schildert Mario Diemann, „ich bin 100 Meter gelaufen, das fühlte sich an wie ein Marathon.“ So geht er doch zur Ärztin. Trotz Antibiotika und verordneter Ruhe bessert sich der Zustand nicht.

Die Hausärztin schickt ihn ins Krankenhaus. Bruder Maik begleitet ihn in die Notaufnahme. Er sei nur dehydriert, heißt es dort. Die Entlassungspapiere liegen schon bereit, als ein Arzt noch eine abschließende Untersuchung veranlasst. Das Ergebnis ist niederschmetternd. “Der Chefarzt sagte, mein Immunsystem sei gleich Null, ich hätte eine starke Lungenentzündung und Blutkrebs“, schildert er die Situation. „Ich habe mit den Schultern gezuckt, gesagt er soll mir etwas verschreiben, und wir kümmern uns nach der Geburt meiner Tochter darum.“

Aber die Ärzte wissen um den Ernst der Lage. Sie sagen, dass eine Überlebenschance nur bestehe, wenn er innerhalb von zwei Stunden in der Uniklinik in Jena sei. Der Rettungsdienst gibt Gas. In Jena steht bereits ein komplettes Team an Medizinern bereit. Sie beginnen sofort mit der Chemotherapie.

Größter Wunsch: Seine Tochter in die Arme zu nehmen

„Ich bin dankbar und froh, dass die Ärzte in Mühlhausen mich gleich nach Jena geschickt haben. Wäre ich nicht ins Krankenhaus gegangen, ich wäre gestorben, und niemand hätte gewusst, warum.“ Die ersten Wochen der Therapie sind heftig. Auf der Station der Uniklinik ist er hermetisch abgeriegelt. Es geht ihm schlecht, körperlich und psychisch. Nur weil er sich kleine Ziele gesteckt habe, habe er diese Zeit überstanden. Sein größter Wunsch ist es, seine Tochter in die Arme zu nehmen. Das gelingt erst Wochen später, als er tageweise nach Hause darf.

Die Krankheit hat den 39-Jährigen verändert, er achtet mehr auf sich und seine Familie. „Ich habe nicht mehr so viele Chancen“, sagt er. Erinnert wird er daran regelmäßig, wenn es zur Untersuchung nach Jena geht – mit Stunden voller Ungewissheit.

Vielen Unterstützern auf dem Weg zur Genesung konnte er schon persönlich Danke sagen. Das nächste Ziel des Familienvaters: „Wenn die Ärzte sagen, ich bin geheilt, dann möchte ich meine Freunde und alle Menschen, die mir helfen zu einer großen Feier einladen.“ 2019 war für Mario Diemann sicher das schwerste in seinem Leben. „Ich gucke nicht zurück, nur nach vorne“, sagt er, wohl wissend, dass der Weg, den er noch vor sich hat, sicher kein leichter werden wird.

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