Stellvertretender Klinik-Chef: „Im Krankenhaus ist man sicherer als im Supermarkt“

Unstrut-Hainich-Kreis.  Patienten sagen immer öfter geplante Operationen im Hufeland-Klinikum ab. Stellvertretender Ärztlicher Direktor: Es gibt keinen Grund zur Angst.

Michael Puderbach ist stellvertretender Ärztlicher Direktor am Hufeland-Klinikum, zuständig für den Standort Bad Langensalza. Er sagt: Für die Absage von Operationen aus Angst vor Corona gibt es keinen Anlass.

Michael Puderbach ist stellvertretender Ärztlicher Direktor am Hufeland-Klinikum, zuständig für den Standort Bad Langensalza. Er sagt: Für die Absage von Operationen aus Angst vor Corona gibt es keinen Anlass.

Foto: Klaus Wuggazer

Aus Angst vor Corona sagen Patienten des Hufeland-Klinikums geplante Operationen ab. Dabei sei ein Aufenthalt im Krankenhaus viel ungefährlicher als etwa ein Besuch im Supermarkt oder Treffen im privaten Kreis. Das sagt Michael Puderbach, der stellvertretende ärztliche Direktor, zuständig für den Standort Bad Langensalza. Corona-Blog: Das sind die Beschlüsse der Bund-Länder-Beratungen – Demo gegen neue Verordnung in Hildburghausen

Immer öfter würden planbare, auch elektiv genannte Eingriffe kurzfristig von Patienten abgesagt. Dazu zählen zum Beispiel die Behandlung von Leistenbrüchen oder die Implantation neuer Gelenke. Das stelle nicht nur medizinisch ein Problem dar. Dem Klinikum, das nach wie vor unter Durchschnitt belegt ist, fehlen dadurch auch Einnahmen, sagte Puderbach.

Er hält dem entgegen: „Es gibt immer einen Grund für einen medizinischen Eingriff, aber aktuell keinen Grund, deshalb nicht ins Krankenhaus zu gehen.“ Die Ängste seien unbegründet, eine Gefahr bestehe im Haus nicht. Dafür sorgten die getroffenen Maßnahmen.

Wer ins Klinikum komme, werde auf das Virus getestet und erhalte so Klarheit. Ein deutlicher Vorteil seien die zwei Standorte. An beiden werden weiter elektive Eingriffe vorgenommen, „aber wir konnten manches nach Mühlhausen verlagern.“ Das Haus dort könne man aus dem Corona-Geschehen „weitestgehend heraushalten“.

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In Bad Langensalza gibt es mittlerweile zwei Isolierstationen mit im Moment rund 30 Coronapatienten. Die seien auf einer eigenen Etage räumlich von den anderen getrennt. Auch das verhindere, dass das Virus im Haus weitergetragen werden könne.

Das Personal auf den Corona-Stationen arbeite unter Vollschutz, der nach Gebrauch vernichtet werde. „Damit gelten die Mitarbeiter nicht als Kontaktpersonen“, sagt Puderbach. Sie würden zudem regelmäßig getestet. Elektive Eingriffe seien also problemlos möglich, wie auch die Notfallversorgung und der Regelbetrieb gesichert seien.

Das Phänomen ist bundesweit bereits von der ersten Virus-Welle bekannt. Da hatte aber die Regierung elektive Eingriffe gestoppt, um Kapazitäten freizuhalten für mögliche Corona-Patienten. Im Gegenzug gab es finanzielle Entschädigung. Das ist jetzt nicht mehr so, weshalb dem Klinikum wirtschaftlicher Schaden drohe, wenn Betten leer blieben.

Vor allem die Urologie und die allgemeine Chirurgie seien mit bis zu 20 Prozent Absagen durch Patienten betroffen. Ebenfalls festzustellen sei, dass Menschen es selbst in Notlagen wie zum Beispiel bei Herzproblemen vermeiden, das Krankenhaus aufzusuchen. Zahlen könne er nicht nennen, „aber wir merken, dass es in der Notaufnahme weniger Aufkommen gibt als sonst“.