Inderin hospitiert am Gymnasium Großengottern

Großengottern.  Ankita Bhatia lernt Thüringens Bildungssystem kennen und kann dabei auch in Rock und Kleid zur Arbeit kommen – ansonsten eine Unmöglichkeit.

Ankita Bhatia (30) zeigt, wie man sich in ihrem Heimatland Indien begrüßt.

Ankita Bhatia (30) zeigt, wie man sich in ihrem Heimatland Indien begrüßt.

Foto: Claudia Bachmann

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Drei Wochen lang hat das Gymnasium Großengottern Verstärkung aus Indien. Ankita Bhatia (30) kam über ein Austauschprogramm des Goethe-Instituts an die Schule. Schulleiterin Regina Werner hatte sich beim Bundesbildungsministerium dafür beworben. Viele Wünsche hatte sie nicht: Sie wollte eine Frau, eine Nichtraucherin. Ankita nennt sie mittlerweile einen Glücksfall – für sich selbst, aber auch für Lehrer und Schüler des Jahn-Gymnasiums. Die 30-Jährige unterrichtet in Indien Deutsch als Fremdsprache. Ein gegliedertes Schulsystem wie in Deutschland kennt sie aus der Heimat nicht. „Dort gehen alle zwischen erster und zwölfter Klasse in eine Schule.“

Keine Berührungsängste

Für das Gymnasium in Großengottern ist die Hospitanz einer Inderin Neuland. „Natürlich haben wir, wie die anderen Schulen auch, schon mal einen Fremdsprachen-Assistenten aus Großbritannien oder den USA. Aber das Programm hatte uns Kontakt zu Lehrern aus Asien, Lateinamerika oder Afrika in Aussicht gestellt, zu Regionen in der Welt, mit denen viele Schüler noch nicht in Kontakt gekommen sind“, begründet Werner die Bewerbung. Anders als einige in ihrem Umfeld habe die Schulleiterin keine Berührungsängste, die junge Inderin aufzunehmen. Sie lebt mit im Haus der Werners, ist Teil der Familie. Gekocht wird zuweilen auch Indisch. In der Küche der Werners – sie sind bekennende Asienfreunde – findet sie nahezu alles, was es für die Gerichte braucht. Und doch ist sie beim Einkaufen regelmäßig überwältigt: Es braucht Käse für ein Gemüsegericht. Meterlange Regale mit den verschiedenen Käsesorten hat sie dann doch nicht erwartet. „Ich sage immer: Ich bin die dritte Tochter von Regina“, flachst Ankita Bhatia.

Einblicke in eine andere Welt

Für die Inderin ist es der zweite Aufenthalt in Deutschland. 2016 war sie einen Monat lang in Freiburg/Breisgau, auch als Teilnehmerin eines Austauschprogramms des Goethe-Instituts. Doch das Schulsystem lernt sie erst jetzt kennen. Dazu gehört neben dem Hospitieren in Großengottern auch der Besuch der Thepra-Grundschule in Seebach, der Regelschule in Weberstedt und des Kindergartens in Großengottern. Dass die Kinder dort den ganzen Tag bleiben, dass es Mittagsschlaf gibt, das kennt Ankita Bhatia aus ihrer Heimat nicht. Den Schülern vermittelt sie, wie man sich auf Hindi begrüßt, gibt Einblick in die Kultur und das Schulsystem. Sie selbst nimmt neue Unterrichtsmethoden und -ideen mit nach Hause.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Am Samstag kommender Woche beginnt für sie wieder der Lehreralltag an der Privatschule in Indien. „Meine Schüler sind begeistert von Deutschland, am liebsten würden alle hier studieren.“ Neu war ihr auch: Hier, in Deutschland, gibt es samstags keinen Unterricht, dauern die Stunden 45 und nicht 35 Minuten, müssen die Lehrer weit weniger unterrichten. „In Indien sind es 42 Stunden pro Woche.“ Während sie in Großengottern in Kleid und kurzem Rock zur Schule gehen konnte, muss sie in Indien in Hose unterrichten gehen oder in langem Rock. Die Mädchen tragen als Schuluniform einen knielangen Rock, dazu weiße Strümpfe, die Jungs lange Hose und Hemd. Aus Sicht von Regina Werner keine schlechte Sache:„Einheitliche Schulkleidung steigert die Identifikation mit der Schule und wirkt gegen soziale Ausgrenzung, die denen droht, die nicht mit Markenkleidung zur Schule kommen.“

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