Mehr Kobbs für den Unstrut-Hainich-Kreis

Landkreis.  Erstmals sollen nun auch Kontaktbereichsbeamte in Mühlhausen und in Bad Langensalza unterwegs sein.

Thomas Gubert (links) und Carsten Tobien leiten die Polizeiinspektion Unstrut-Hainich. Derzeit sind sie dabei, die Zuständigkeiten der Kontaktbereichsbeamten neu zu regeln.

Thomas Gubert (links) und Carsten Tobien leiten die Polizeiinspektion Unstrut-Hainich. Derzeit sind sie dabei, die Zuständigkeiten der Kontaktbereichsbeamten neu zu regeln.

Foto: Daniel Volkmann

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Die Polizei will sich öfter im ländlichen Raum zeigen. Das Konzept stellte im Sommer 2019 der damalige Thüringer Innenminister Georg Maier (SPD) vor. Kernpunkt: Kontaktbereichsbeamte – schlichtweg Kobbs genannt – soll es in ganz Thüringen geben.

Seit 1994 wurde der Kontaktbereichsdienst in Thüringen sukzessive ausgebaut. Aus seinerzeit 45 Dienstposten sind mittlerweile 203 geworden, die insgesamt 165 Kontaktbereiche betreuen.

Im Unstrut-Hainich-Kreis hat man sich daran gemacht, das Konzept auf die eigenen Anforderungen herunterzubrechen – unter der vom Land vorgegebenen Prämisse: Kontaktbereichsbeamte sollen künftig möglichst oft zu zweit unterwegs sein – als Doppelstreife in den Betreuungsgebieten, die aus mehreren Kontaktbereichen zusammengefasst werden sollen.

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Im Landkreis wird es drei große Betreuungsgebiete geben, bestehend aus acht Kontaktbereichen. Neu ist: Es wird auch für die Städte Mühlhausen und Bad Langensalza Kobbs geben. Das ist nach Aussage des Leiters der Polizeiinspektion Unstrut-Hainich, Thomas Gubert, den zahlreichen Eingliederungen von Dörfern in den vergangenen Jahren geschuldet – so von Grabe, Bollstedt, Höngeda und Seebach zu Beginn des Jahres 2019. „Auch die Dörfer haben ein Recht auf ihren Polizisten“, sagt Gubert.

Schritt für Schritt werde im Landkreis das Konzept umgesetzt – die Zustimmung des Innenministeriums zu den Ideen liegt noch nicht vor, doch die geltende Dienstanweisung erlaubt das bereichsübergreifende Arbeiten. Gubert und sein neuer Stellvertreter, Carsten Tobien, wollen aber mündlich bereits Zustimmung erfahren haben.

Der Bad Frankenhäuser Tobien ist seit Herbst 2019 der Leiter des Bereiches Einsatz und Streifendienst und damit der unmittelbare Vorgesetzte auch der Kobbs.

Die Ideen: Benachbarte Bereiche sollen sich innerhalb sogenannter Betreuungsgebiete unterstützen, vertreten, die Polizisten sollen zu zweit Streife laufen, auch am späten Nachmittag und in den Abendstunden in den Kommunen anzutreffen sein, auch die sonst nur im August und September stattfindende Schulwegüberwachung weiterführen.

Derzeit gibt es neun Kobb-Stellen im Kreis, krankheitsbedingt sind nicht alle besetzt. Wenn das Konzept in Gänze greift, sollen es zehn sein. Gubert rechnet damit, dass bis dahin noch ein, vielleicht auch anderthalb Jahre ins Land gehen.

Den Kobbs spricht Tobien eine wichtige Rolle innerhalb der Polizei zu. „Es ist nicht das Abstellgleis für alte Leute“, meint er überspitzt und lobt die „herausragende Funktion“.

Auch wenn dann, um ein Beispiel zu nennen, Dünwald, Unstruttal und Anrode nur noch einen Kobb haben, wolle man dennoch die Sprechzeiten in den Dörfern beibehalten. Die soll es auch in Mühlhausen und in Bad Langensalza geben. Beide Städte hatten bisher keine, wie es im Eichsfeld heißt, „Bürgerbeamten“. Der Grund lag seinerzeit in der Richtlinie: In Orten, in denen es Dienststellen gibt, braucht es keine Kobbs. Nun aber hat Bad Langensalza 14 und Mühlhausen acht Ortsteile – ländlicher Raum pur. Perspektivisch kann man sich vorstellen, dass in beiden Städten je zwei Kobbs unterwegs sind. Auch denkt man laut Gubert darüber nach, den Kobbs in den Stadtverwaltungen Büros einzurichten.

Trotz aller Kritik der Herbsleber im vergangenen Jahr an der Sicherheit im Dorf werde es nach den Plänen der beiden Polizeiführer keinen Extra-Kobb für Herbsleben geben. Das Dorf sei kein Einsatz- und Anzeigenschwerpunkt, sagt Tobien. Seit einigen Wochen sei die Polizei dort aber gemeinsam mit dem Ordnungsamt der Gemeinde präventiv unterwegs. „Wir können darüber hinaus nur aktiv werden, wenn es Anzeigen gibt. Und da haben wir manchmal das Gefühl, dass sich Herbsleber trotz allen Ärgers nicht bei der Polizei über ihre Nachbarn und Bekannten beschweren wollen“, meint Gubert.

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