Mit dem Tatra-Laster die innerdeutschen Grenze abgerissen

Mühlhausen.  Mit 18 Jahren kam der Mühlhäuser Detlef Zimmermann zur Armee. Noch heute begeistert ihn sein damaliger Allradkipper.

Vor 30 Jahren war der Mühlhäuser Detlef Zimmermann mit seinem Tatra-Laster einer der jüngsten beim Abriss der innerdeutschen Grenze in Berlin. Der Allradkipper ließ ihn bis heut nicht los, in einem Internetauktionshaus ersteigerte der 48-Jährige ein Spielzeugmodell.

Vor 30 Jahren war der Mühlhäuser Detlef Zimmermann mit seinem Tatra-Laster einer der jüngsten beim Abriss der innerdeutschen Grenze in Berlin. Der Allradkipper ließ ihn bis heut nicht los, in einem Internetauktionshaus ersteigerte der 48-Jährige ein Spielzeugmodell.

Foto: Daniel Volkmann

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Mit der politischen Wende im November 1989 war das Schicksal der innerdeutschen Grenze besiegelt. Knapp zweitausend Kilometer Sperrelemente, Zäune, Signalanlagen und einige Hundert massiv gebaute Beobachtungstürme mussten zurückgebaut werden. Laut der Bundesstiftung für Aufarbeitung mussten allein zwischen Ost und Westberlin 184 Kilometer Mauer mit dazugehöriger Grenzanlage abgerissen werden. Der Mühlhäuser Unternehmer Detlef Zimmermann war vor gut 30 Jahren einer der jüngsten Lasterfahrer, die dabei halfen die schweren Betonelemente der Mauer abzutransportieren. Nach seiner Landwirtschaftsausbildung wollte Zimmermann ein Studium zum Agraringenieur anhängen. Dies war zu DDR-Zeiten aber nur möglich, wenn man vorher mindestens drei Jahre bei der Armee gedient habe. Mit 18 Jahren kam der junge Mühlhäuser zur Armee, eingeteilt bei den motorisierten Schützentruppen in Bad Frankenhausen.

Nach der Grundausbildung hatte sich Zimmermann auf eine Stelle als LKW-Fahrer in der Görmar-Kaserne gemeldet. Sein Glück – in der damaligen DDR konnte man die Laster-Fahrerlaubnis bereits mit 16 Jahren machen, auch wenn man sie in diesem Alter noch nicht fahren durfte. „Als ich in Mühlhausen ankam, wurde mir ein tschechischer Tatra-Kipper zugeordnet. Nach einigen Wochen erhielt ich den Befehl, mich mit dem Laster in der Kaserne in Bad Salzungen einzufinden“, erinnert der Unternehmer.

Im Konvoi mit anderen Lastern und einiger Mobil-Krane fuhr Zimmermann später mit seinem allradgetriebenen Dreiachser über zwölf Stunden nach Berlin, einige Male habe er zum Tanken anhalten müssen. In einer Kaserne der Grenztruppen in Kleinmachnow, südwestlich von Berlin wurden die Thüringer untergebracht. „Angekommen an der Mauer sah ich die gesamte Grenzanlage mit Mauern, Zäunen und Gräben zum ersten Mal. Das war wahnsinnig beeindruckend“, sagt der 48-jährige Mühlhäuser. In den Jahren zuvor sei man nie so nah an die Grenze gekommen, wenn man dort nicht stationiert gewesen sei. Für die Thüringer Truppe galt es die gut vier Meter hohe Hauptmauer samt Übergreifschutz zurückzubauen.

Am Abschnitt in Kleinmachnow habe das Grenzbauwerk aus Betonpfosten und dazugehörigen, eingeschobenen Stahlbetonplatten bestanden. Um die Betonelemente an den Kran anhängen zu können, habe der Trupp um Detlef Zimmermann Löcher in die Betonelemente geschlagen. Gut 25 Platten habe er mit seinem tschechischen Allradlaster abtransportieren können. Auf einem Sammelplatz im gut 20 Kilometer entfernten Berlin-Schönefeld wurden die Mauerteile später abgekippt. Die Bundesstiftung für Aufarbeitung schätzt den Bauschutt der innerdeutschen Mauer auf über 1,7 Millionen Tonnen.

An der Mauer sei man ins Gespräch mit den Westberlinern gekommen. Einige Gärten endeten direkt an der innerdeutschen Grenze. An einem Abschnitt in Kleinmachnow habe es laut Zimmermann eine Stelle gegeben, an der zwischen Ost und West nur 50 Meter dazwischenlagen. Die Anwohner hätten von nächtlichen Grenzübertritten, verbunden mit Sirenengeheul, Schüssen sowie Hundegebell und lauten Fahrzeuggeräuschen hinter der hohen Betonmauer berichtet.

Innerhalb eines Vierteljahres habe man mit dem Trupp aus Bad Salzungen gut drei Kilometer Grenzanlage Rückbauen können. Nach knapp einem Jahr bei der NVA, die später zur Bundeswehr wurde, trat Detlef Zimmerman aus dem Dienst und startete mit seinem Containerdienst in die Selbstständigkeit. Doch sein alter Armee-Tatra ließ ihn nicht los. Zimmermann ist nicht nur Unternehmer, sondern auch leidenschaftlicher Sammler. Vor allem Spielzeug habe es ihm angetan. Auf einer Internetplattform wurde er fündig, er entdeckte seinen tschechischen Tatra Kipper und bot mit. Mit Erfolg seit einiger Zeit bereichert er jetzt Zimmermanns umfangreiche Spielzeugsammlung.

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