Mühlhäuser Boje bietet armen Kindern regelmäßiges Abendbrot

Mühlhausen.  Kommt der zweite Lockdown, wollen Boje-Mitarbeiter den Kindern Fresspakete nach Hause bringen. Das Geld reicht aber nur noch bis Ende des Jahres.

Judith Vockrodt-Reich und Sebastian Schmauch bereiten mit den Kindern das Abendessen vor –  unter der Woche gibt es Brot, samstags warme Küche. 

Judith Vockrodt-Reich und Sebastian Schmauch bereiten mit den Kindern das Abendessen vor – unter der Woche gibt es Brot, samstags warme Küche. 

Foto: Susan Voigt

Kinder bekommen in der Mühlhäuser Boje seit Ende der Sommerferien jeden Abend eine Mahlzeit – kostenlos. Von Dienstag bis Freitag gibt es eine ausgewogene Brotzeit mit Salat oder Gemüse, samstags wird gekocht.

Das Angebot richtet sich an Kinder aus Familien, deren Einkommen nicht so hoch ist, sagt die Leiterin des Jugendprojekts, Judith Vockroth-Reich. „Es kommen auch wirklich nur die Kinder, die es brauchen – die zu Hause vielleicht nicht regelmäßig Abendbrot bekommen.“ Das Problem bestand laut Vockroth-Reich bereits vor Corona, der Lockdown habe die Situation aber noch verschärft.

Weil das Mittagessen in der Schule und im Kindergarten wegfiel, mussten Eltern wesentlich mehr Geld in Lebensmittel investieren. Geld, dass manche Familien schlichtweg nicht haben oder nicht ausgeben wollen.

3000 Euro von der Diakonie Mitteldeutschland

Als die Boje nach der Corona-bedingten Schließung wieder öffnen durfte, machten sich die Mitarbeiter Gedanken darüber, wie sie im Falle eines zweiten Lockdowns trotzdem regelmäßig an die Kinder herankommen können, um zu schauen, ob es ihnen gut geht.

Essen sei der Schlüssel zum Erfolg. Das Angebot einer regelmäßigen Mahlzeit solle auch im Fall einer erneuten Schließung weiterlaufen, so die Leiterin. „Wir würden dann Fresspakete schnüren und sie den Kindern nach Hause bringen.“

Die Kritik, dass mit dem kostenlosen Abendbrot außer Haus die Eltern quasi komplett aus der Pflicht genommen werden, kommt laut Vockroth-Reich nicht nur von außen. Auch unter den Mitarbeiten kommt die Diskussion immer wieder auf. „Wenn wir aber deshalb mit dem Abendessen aufhören, haben die Kinder trotzdem Hunger“, sagt die Leiterin.

Finanziert werden die Lebensmittel derzeit von der Diakonie Mitteldeutschland. Als die Idee zum gemeinsamen Abendbrot entstand, suchte Judith Vockroth-Reich nach möglichen Sponsoren und fand bei dem Wohlfahrtsverband Hilfe in Form von einmalig 3000 Euro.

Gemeinsames Essen hat auch pädagogischen Hintergrund

Allerdings reiche das Geld höchstens noch bis zum Ende des Jahres. „Ein ausgewogenes Essen ist nicht ganz billig. Wir wollen den Kindern ja auch keinen Mist vorsetzen“, sagt die Boje-Leiterin. Durchschnittlich bleiben etwa zehn Kinder zum Abendessen da. Zusammen mit den Mitarbeitern kaufen sie alle Lebensmittel jeden Abend frisch ein. Am teuersten kommen dabei Obst, Gemüse und Salat, sagt Vockroth-Reich. Gespart wird, wo es geht. Dabei hilft zum Beispiel die Bäckerei Stilzebach, die dem Jugendprojekt nach 17 Uhr Brot zum halben Preis zur Verfügung stellt, sofern noch etwas da ist.

Schon vor Corona lud die Mühlhäuser Boje zwei Mal pro Woche zum gemeinsamen Abendessen. Da allerdings ging es nicht nur darum, „dass die Kinder was im Bauch haben“. Der Fokus lag auf dem pädagogischen Aspekt. Wie man bewusst einkauft, nach Rezept kocht, mit Messer und Gabel isst und den Tisch deckt, all das gehörte dazu. Damit das nun nicht völlig untergeht, wird immer samstags frisch gekocht.

Tischkultur wird auch unter der Woche groß geschrieben. Trotzdem liegt der Fokus hier vor allem auf dem Wohlbefinden der Kinder, sagt Vockroth-Reich.