Neustart für „Demokratie Leben“ im Unstrut-Hainich-Kreis

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Unstrut-Hainich-Kreis  640.000 Euro stehen bis 2024 für Projekte bereit. Neuer Ansprechpartner sucht jetzt Ideen und Partner.

Marcus Reich ist der neue Ansprechpartner für das Programm „Demokratie Leben“ im Unstrut-Hainich-Kreis. Er gehört zum direkten Bereich des Landrats.

Marcus Reich ist der neue Ansprechpartner für das Programm „Demokratie Leben“ im Unstrut-Hainich-Kreis. Er gehört zum direkten Bereich des Landrats.

Foto: Klaus Wuggazer

Einen umfassenden Neustart soll das Programm „Demokratie Leben“ im Unstrut-Hainich-Kreis erfahren. Nach dem Beinahe-Aus und der inzwischen erfolgten Zusage von Fördermitteln sind jetzt vor allem Ideen für Projekte gefragt. Im Landratsamt gibt es mit Marcus Reich dafür einen neuen, festen Ansprechpartner.

Schüler-Fahrten nach Buchenwald, Kinofilme mit anschließender Diskussion, Zirkusprojekte, Aufklärung zum Thema Hass im Internet, Interkulturelle Konzerte und Fußballturniere - das alles sind Angebote, wie sie schon im Rahmen des bundesweiten Programms Demokratie Leben gefördert wurden. Seine Ziele hießen Weltoffenheit, Demokratie, Toleranz. Es richtet sich gegen Rassismus, Extremismus und Antisemitismus und soll sowohl aufklärend als auch präventiv wirken.

Immer weniger Anträge gingen ein

Der Bund und die Länder stellen dafür über die Landkreise Mittel zur Verfügung. Aber die Projekte selbst müssen Schulen, Vereine, Kirchen, Gemeinden und Initiativen ins Leben rufen und organisieren. Das hat zuletzt im Unstrut-Hainich-Kreis immer seltener funktioniert.

„Die Anträge wurden weniger, meistens waren es wiederholt dieselben“, sagte Landrat Harald Zanker (SPD). Gefördert wurden 2020 zum Beispiel Zirkusprojekte der Boje und der Diakonie, die Schule in Langula und der Bad Langensalzaer Zwiwel-Verein für seine „digitale Schatzsuche“.

Nach Protest aus dem Kreistag wurde Projekt am Leben gehalten

Dann kam auch noch Corona. Ende 2020 dachte man im Landratsamt daran, das Programm einzustellen, auch weil der personelle Aufwand im Amt zu hoch war und Sparzwang herrscht: „Es lief alles nicht mehr so, wie es sollte“, sagte Zanker. Doch von CDU, Grünen und Linken im Kreistag kam Protest. Daraufhin habe er die Sache noch einmal geprüft.

Das Ergebnis: Es gibt nun eine durch Umstrukturierung entstandene halbe Stelle im Landrats-Bereich, die Marcus Reich besetzt. Per Interessenbekundungsverfahren sucht der Kreis turnusmäßig einen neuen externen Berater. Der ist vorgeschrieben, bisher war es das Bildungswerk der Wirtschaft.

Neue Leute für Begleitausschuss gesucht

Und dann gibt es den Begleitausschuss, der die gesellschaftlichen Bereiche repräsentieren soll. Er entscheidet letztlich über die Förderanträge. Er ist über die Zeit geschrumpft auf jetzt noch zehn Menschen – darunter Vertreter von Verwaltung, Kirche und Vereinen. Neue, engagierte Köpfe seien auch hier willkommen.

Das Prozedere des Programms ist eigentlich einfach: Jemand denkt sich ein Projekt aus und beantragt dafür bei Reich Mittel. Der prüft gemeinsam mit dem externen Berater, ob es den Richtlinien entspricht. Ziel sei, den Antragstellern die Arbeit so leicht wie möglich zu machen, sie zu beraten und ihnen zu helfen, sagt Reich. Er war bisher beim Kreis Bildungskoordinator für Migranten. Am Ende gehen die Anträge dann in den Begleitausschuss, der letztlich das Geld bewilligt.

Projekt auch als Stärkung für ländlichen Raum

Trotz der damit einhergehenden Bürokratie ermuntern Reich und auch der Landrat mögliche Partner, das Angebot aufzugreifen. Er werde in nächster Zeit intensiv dafür werben unter anderem an Schulen, sagte Reich. Er sehe viele Möglichkeiten bis hin zu Projekten wie „Was ist Demokratie?“ im Kindergarten.

Die Öffentlichkeitsarbeit müsse aber deutlich ausgebaut werden - „und wir brauchen Partner“. Auch Bürgermeister, Kreistagsmitglieder, Sozialarbeiter, Vereine und Institutionen seien gefragt, um dem Programm zu mehr Erfolg zu verhelfen, sagte Zanker. Es biete im Gegenzug zusätzliche finanzielle Mittel auch für etablierte Träger in Kultur, Bildung und Freizeit. Und es sei ein weiterer Baustein der Vernetzung und der Stärkung des ländlichen Raums, weil es überall Projekte ermögliche, vor allem für Kinder und Jugendliche.

Speziell für sie ist ein Teil des Fördertopfes reserviert. Fast 640.000 Euro von Bund und Land stehen nun bis 2024 zur Verfügung. 370.000 Euro sind davon für all die neuen Einzelprojekte vorgesehen, auf die der Kreis jetzt hofft.