Guten Morgen im Unstrut-Hainich-Kreis

Nördlich der Mayo-Grenze

Klaus Wuggazer

Klaus Wuggazer

Foto: Daniel Volkmann

Klaus Wuggazer entlarvt ein fieses Gemüse.

Wissen Sie wo der Weißwurst-Äquator verläuft? Er folgt etwa der Mayonnaisegrenze und weicht zudem kaum von der Teigwarenscheidelinie ab. Statt in Ost und West, wie einst die unselige Mauer, trennt der Weißwurst-Mayo-Nudel-Meridian Süd- von Norddeutschland. Er verläuft, wo Franken in Hessen und Thüringen übergeht.

Über dieser kulinarischen Demarkationslinie kannte man lange Zeit keine Weißwürste (und kein Weißbier); der Kartoffelsalat wird hier mit Mayonnaise angerichtet, „Down under“ hingegen mit Fleischbrühe, Essig und Öl. Die Kartoffel wird im preußisch geprägten Norden vergöttert, während die vom Süden inspirierten Bayern und Schwaben Teigwaren den Vorzug geben. Da ich selbst nicht aus Fischkopf-, sondern aus Spätzleland stamme, ist mein eigener Standpunkt klar. Umso weniger war ich erstaunt, dass die Kartoffel soeben zur „Giftpflanze des Jahres 2022“ gekürt wurde, vom Botanischen Garten in Hamburg-Wandsbek, der sowas schon seit 2005 macht. Die fiese Knolle enthält nämlich wie alle Nachtschattengewächse toxische Alkaloide, Solanin und Chaconin. Na gut, nicht reif und in gekochtem Zustand, aber vorher schon. Wenn Sie alle also weiter auf ihrem Kartoffeldogma beharren, dann sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.