"Mit diesem Werk betritt Mühlhausen die internationale Bühne"

Mühlhausen.  ,„Selters-Bude“ am Petriteich und 1000 Jahre Stadtgeschichte: Vier Jahre lang arbeiten Geschichtsforscher am Deutschen Historischen Städteatlas für Mühlhausen. Das Ergebnis wurde nun vorgestellt.

Stadtarchivar Helge Wittmann und Oberbürgermeister Johannes Bruns bei der Vorstellung des Deutschen Historischen Städteatlasses für Mühlhausen.

Stadtarchivar Helge Wittmann und Oberbürgermeister Johannes Bruns bei der Vorstellung des Deutschen Historischen Städteatlasses für Mühlhausen.

Foto: Alexander Volkmann

„Mit diesem Werk betritt Mühlhausen die internationale Bühne“, ist Mühlhausens Stadtarchivar Helge Wittmann überzeugt. Die ehemalige Reichsstadt ist die sechste Stadt überhaupt und die erste in Thüringen, die in die renommierte Reihe „Deutscher Historischer Städteatlas“ aufgenommen wurde. Vier Jahre intensiver Arbeit gingen voraus. Nun ist das Werk im Buchhandel erhältlich.

In großformatigen Karten, Plänen, Stadtansichten, Fotos und Luftbildern und in einem umfangreichen illustrierten Textheft wird die historische und räumliche Entwicklung Mühlhausen von den Anfängen der 967 erstmals als „Mulinhuson“ erwähnten Siedlung bis in die Gegenwart nachgezeichnet. Zum Teil ist darin erstmals veröffentlichtes Material zu sehen.

Das Werk entstand in Zusammenarbeit des Instituts für vergleichende Städtegeschichte Münster mit dem Stadtarchiv Mühlhausen. Dass die Stadt in die Reihe aufgenommen wurde, verdankt sie ihrer wechselvollen, mehr als 1000-jährigen Geschichte, wie Professor Werner Freitag, der Leiter des Instituts erklärt. Er war am Montag zur Präsentation des Werkes per Videokonferenz aus Münster zugeschaltet. Man lege sich bei der Auswahl der Städte auf verschiedene Stadttypen fest.

Nach Herrnhut, Quedlinburg, Braunschweig, Schwerin als Hanse- und Dortmund als große Industriestadt reiht sich Mühlhausen nun als ehemalige freie Reichsstadt mit ein. Von der Siedlungsgeschichte über die „aufsehenerregende Reformationsgeschichte“ bis hin zu Industrialisierung, Thomas-Müntzer-Stadt zu DDR-Zeiten und den Strukturwandel nach der Wende habe Mühlhausen viel zu erzählen, so Freitag.

Von einigen Besonderheit während der Erstellung des Städteatlas’ wusste Daniel Stracke, wissenschaftlicher Redakteur, zu berichten. Die „Selters-Bude“ beispielsweise, im 19. Jahrhundert wohl eine Art Erfrischungsstand zwischen An der Burg und Petriteich, an der das Bürgertum sich während des Flanierens erfrischte, sei das wohl kleinste Gebäude, das jemals im Zusammenhang mit einem Städteatlas kartiert wurde. Die preußischen Behörden hätten wohl ein besonderes Augenmerk auf alles gelegt, was Steuern brachte, so die Vermutung. Das Kataster aus den 1860er Jahren bildet die Basis für die Grundkarte in der Sammlung, anhand der die Stadtentwicklung davor und danach abgebildet und miteinander vergleichbar gemacht wird. Ähnliche Projekte gibt es für Städte in ganz Europa, sie folgen ähnlichen Standards im Aufbau.

Durch seine kompakte und anschauliche Darstellung richtet sich der Städteatlas sowohl an gesichtsinteressierte Bürger, wie auch an Wissenschaftler, Schüler und Studenten. Selbst für Kenner biete er Überraschendes, so Wittmann. Denn der Städteatlas bündele nicht nur die bisherigen Forschungsergebnisse zur Stadtgeschichte, sondern halte dank der intensiven Forschung der zurückliegenden vier Jahre auch viele neue Erkenntnisse bereit. 900 Exemplare wurde in der Erstauflage gedruckt.

Die Umsetzung sei auch der finanziellen Unterstützung vieler Beteiligter zu verdanken, so Wittmann. Förderer sind die Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung, der Mühlhäuser Geschichts- und Denkmalpflegeverein, die Stadtwerke Mühlhausen, die Wirtschaftsbetriebe und die Städtische Wohnungsgesellschaft sowie das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft. Auch Einzelspenden von Bürgern trugen zur Umsetzung bei. Die Sparkasse Unstrut-Hainich finanziert für alle weiterführenden Schulen in Mühlhausen sowie die Regelschule Unstruttal je einen Klassensatz – insgesamt 105 Exemplare für den Einsatz im Unterricht.

Der „Deutsche Historische Städteatlas Mühlhausen“ (39,90 Euro) ist im Ardey-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich; ISBN: 9783870232788.