Volkshochschule Unstrut-Hainich: Dreimal mehr Stunden für Migranten

Die Zahl der Nutzer der Volkshochschule im Unstrut-Hainich-Kreis steigt seit Jahren. Das liegt vor allem an Menschen, die Deutsch lernen wollen.

Die Mühlhäuserin Petra Franke (43 Jahre) leitet seit Sommer 2018 die Volkshochschule im Unstrut-Hainich-Kreis. 

Die Mühlhäuserin Petra Franke (43 Jahre) leitet seit Sommer 2018 die Volkshochschule im Unstrut-Hainich-Kreis. 

Foto: Claudia Bachmann

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2379 Menschen besuchten im vergangenen Jahr einen der Kurse an der Volkshochschule Unstrut-Hainich. Das sind knapp 900 mehr als 2011. Die Steigerung resultiert aus einem gewachsenen Angebot im Bereich Deutsch als Fremdsprache, wo 5444 Stunden gehalten wurden. Sechs Jahre zuvor waren es 1542. Dagegen sanken die Unterrichtsstunden bei den Sprachen auf ein Drittel, bei Gesundheit und Kultur. Wir sprachen mit der Mühlhäuserin Petra Franke, die die Einrichtung leitet.

Ist die Volkshochschule Unstrut-Hainich die große Bildungsstätte für Migranten?

So werden wir wahrgenommen. Aber wir haben einen öffentlichen Bildungsauftrag. Den will ich so vollumfänglich wie möglich wahrnehmen. Als 2015 die große Zahl an Flüchtlingen in unser Land kam, konnten sich die öffentlichen Träger auf feste Strukturen verlassen, die bei uns vorhanden waren. Wir wurden förmlich mit Integrationskursen überrannt, hatten aber keinen einzigen Mitarbeiter mehr, um zusätzlich zu den Integrationskursen auch unser anderes Angebot aufrecht zu erhalten. Wir haben dasselbe Personal wie vor Jahren, als es nur einen Bruchteil der Stunden abzusichern galt.

Was heißt das konkret?

Wir sind acht feste Mitarbeiter: drei für den technischen, drei für den pädagogischen Bereich und zwei im Sekretariat. Dazu kam jetzt noch eine 20-Stunden-Stelle für die Öffentlichkeitsarbeit. Den Unterricht sichern gut 100 Honorarkräfte ab.

Wie viele Kurse laufen derzeit für Migranten?

Es sind mehrere Integrationskurse und auch mehrere für Teilnehmer mit schlechter Bleibeperspektive. Ende November kommt dann noch ein Sprachkurs hinzu für Menschen, die ein Studium anstreben oder die ihren Studienabschluss in Deutschland anerkennen lassen wollen.

Wenn man nun vier Jahre derartige Kurse anbietet, dann müsste doch eine gewisse Routine eingezogen sein?

Sicherlich. Aber solche Kurse sind verbunden mit einem riesengroßen Bürokratiemonster bei Bewilligung und Abrechnung.

Verglichen mit dem Gesamtumfang an Stunden, den die Volkshochschule Unstrut-Hainich anbietet: Wie viele Stunden werden für Kurse mit Migranten geleistet?

7000 von insgesamt 12.000 Stunden im Jahr.

Wie fällt Ihr Fazit nach anderthalb Jahren im Unstrut-Hainich-Kreis aus?

Ich bin angetreten, um die Volkshochschule aufs Land zu bringen. Für mich eine spannende Aufgabe, denn ich komme aus einer Stadt-Volkshochschule, habe 2012 die Leitung der Volkshochschule in Eisenach übernommen. Zwar gibt es auf dem Land vielfach noch gut funktionierende Vereinsstrukturen, aber wir wurden mit unseren Angeboten mit offenen Armen empfangen.

Und wie schwierig ist diese Aufgabe, dieser Weg?

Mit unserem mobilen Laptop-Kabinett können wir quasi überall unsere Kurse anbieten, wenn wir mindestens acht Teilnehmer erreichen. So sind wir in Bad Tennstedt und in Körner mit unseren PC-Kursen unterwegs; in beiden Orten zusätzlich auch mit unserem Sportangebot. Mit unserem digitalen Treff wollen wir auf die Dörfer. Ein Dozent, dessen Arbeit wir gefördert bekommen, erklärt zwei Stunden die Woche zum Beispiel, wie Laptop und Smartphone funktionieren, wie man sich eine App runterlädt.

Gibt es Erfahrungen, wie so etwas nachgefragt wird?

Die Angebote, die wir dazu bisher in der Stadt hatten, waren immer ausgebucht. Nun soll es nach Aschara, Großengottern, Bad Tennstedt, Heyerode, Schlotheim und Hüpstedt gehen.

Wie leicht oder schwer fällt es Ihnen, Honorarkräfte zu gewinnen, die die traditionellen Angebote bei Fremdsprachen, Kunst und Sport absichern?

Zunehmend schwerer. Kursleiter wachsen nicht nach. Bei uns an der Volkshochschule kann man nun mal nicht viel Geld verdienen. Im Moment haben wir sie noch, die überaus engagierten Dozenten. Aber die Generation, die aus Leidenschaft an der Wissensteilung unterrichtet, stirbt aus – begründet durch die Honorarhöhe, aber auch durch ein geändertes Freizeitverhalten. Deshalb auch mein Appell: Haben Sie Lust, Ihre Sprachkenntnisse weiterzugeben oder wollen ein anderes ausgefallenes Hobby mit anderen teilen? Wir sind immer offen für neue Kursangebote. Wer mitmachen möchte, kann sich jederzeit bei uns melden.

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