Wie aus dem Ei gepellt

Horsmar.  Eine Familie aus Horsmar zieht zuhause Wachteln groß, was besonders bei den Kindern gerade für Abwechslung sorgt.

Paul (12, links) und Mathis Kiel (8) aus Horsmar im Unstrut-Hainich-Kreis kümmern sich seit einigen Tagen um die frisch geschlüpften Wachteln. Auf diesem Foto sind die Vögel gerade zwei Tage alt.

Paul (12, links) und Mathis Kiel (8) aus Horsmar im Unstrut-Hainich-Kreis kümmern sich seit einigen Tagen um die frisch geschlüpften Wachteln. Auf diesem Foto sind die Vögel gerade zwei Tage alt.

Foto: Alexander Volkmann

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Ganz leicht bewegt der zwölfjährige Paul das kleine Legoauto vor und zurück. Die Gummiräder quietschen und schon lugt das erste Köpfchen unter der Wärmeplatte hervor, dann noch eines und noch eines. Die jungen Wachteln, keine zwei Tage alt, hüpfen aufgeregt um das Spielzeug herum. „Vermutlich halten sie es für einen piepsenden Artgenossen“, meint Andreas Kiel. Er ist der Vater von Paul und dessen acht Jahre alten Bruder Mathis. Gemeinsam zieht Familie Kiel aus Horsmar, zu der auch noch Mutter Jasmin gehört, gerade sieben Küken groß.

Nicht nur in Zeiten, wo Kinder gerade den ganzen Tag zuhause verbringen müssen, ist das eine gelungene Abwechslung, um nicht dem Lagerkoller zu verfallen. Der positive Nebeneffekt: In ein paar Wochen legen die Wachteln selbst Eier.

Der Inkubator habe beim Ausbrüten gute Dienste geleistet, erklärt Andreas Kiel. Schon vor einem Jahr hatte die Familie erfolgreich einen Versuch gewagt und ein paar Wachteleier mit dieser Technik ausbrüten lassen. Temperatur und Luftfeuchtigkeit steuert das Gerät allein, sogar das Drehen der Eier geschieht alle paar Stunden automatisch. Schon am zehnten Tag kann man per Durchleuchten sehen, ob sich im Ei etwas entwickelt. Und 16 oder 17 Tage nachdem der Brutapparat bestückt wurde, platzen die ersten Schalen auf und die jungen Wachteln befreien sich aus dem Ei.

Sieben der elf Wachteleier entwickelten sich prächtig. „Schon einen Tag nach dem Schlüpfen glaubt man gar nicht mehr, dass die überhaupt da rein gepasst haben“, sagt Andreas Kiel und zeigt auf die marmorierten Schalenstücke. Brüten könne man eigentlich das ganze Jahr über, meint Andreas Kiel, der die Eier bei einem speziellen Onlineversandhandel bestellte. Er hat gehört, dass sogar frische Bio-Eier aus dem Supermarkt dafür taugen sollen.

Im April, wenn es etwas wärmer ist, sollen die jungen Wachteln dann ins Freie kommen. Die Voliere mit großem Auslauf im Garten ist schon vorbereitet. Ab der sechsten Lebenswoche kann Familie Kiel dann mit etwa einem Ei pro Tag und Wachtelhenne rechnen.

Oregano und Mohn schmecken den jungen Vögeln

Spezielles Futter, das Legekorn, regt die Produktion an. „Wir hoffen, dass mehr Hennen als Hähne unter den Küken sind“, meint Andreas Kiel. Dann reichen die Eier einer Woche für ein ordentliches Rührei am Wochenende. Etwa sechs Wachteleier entsprechen einem Hühnerei und wegen ihrer vielen Aminosäuren, Mineralstoffe und Vitamine sollen sie das Immunsystem stärken helfen.

Aber noch stehen die kleinen Küken in ihrem Kästchen mit der Wärmeplatte in der Küche der Familie. Währenddessen entwickeln sie ihr Federkleid, um draußen geschützt zu sein. In dieser Zeit bekommen sie zusätzlich zum Kükenfutter auch noch Leckereien, wie Mohn und Oregano. Das baue einen guten Verdauungstrakt auf, hat Andreas Kiel in Erfahrung gebracht.

Für die Kinder sei es ein tolles Hobby geworden, sich regelmäßig erst um die Eier und dann um die Küken zu kümmern. Von Mathis bekommen die Tierchen jetzt schon jeden Morgen vor dem Frühstück eine Streicheleinheit. „Es ist etwas anderes, wenn die Kinder die Tiere selbst groß ziehen, sie bauen eine ganz andere Beziehung auf“, sagt Andreas Kiel, „auch zu Nahrungsmitteln.“

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