Wie es sich in der DDR als Jude lebte

Mühlhausen.  Die 27. Tage der Jüdisch-israelische Kultur machen auch in Mühlhausen Station. Ein Rück- und Ausblick.

Ex-Pankow-Sänger André Herzberg sang und las innerhalb der jüdisch-israelischen Kulturtage in der Mühlhäuser Kilianikirche.  

Ex-Pankow-Sänger André Herzberg sang und las innerhalb der jüdisch-israelischen Kulturtage in der Mühlhäuser Kilianikirche.  

Foto: Claudia Bachmann

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Verleugnen. Verstecken. Ignorieren. So war es, wie die DDR mit in ihrem Land lebenden Juden umging. So war es auch, wie die Juden lebten. Das Thema beleuchtete Montagabend André Herzberg, der Sänger der Band Pankow. Ein Dokumentarfilm über ihn und andere Juden in der DDR, Lesung und kleines Konzert waren innerhalb der Jüdisch-israelischen Kulturtage in der Kilianikirche zu erleben.

Von 180.000 Juden, die in den 1930ern in Berlin lebten, war deren Zahl bis zum Ende der DDR-Zeit auf 400 gesunken, die Teil einer Gemeinde waren. Jüdische Friedhöfe wurden in den 1980ern geschändet, die Neo-Nazi-Szene wuchs. Thema war das in der DDR nicht.

Herzbergs Eltern waren 1947 aus Großbritannien zurück nach Berlin gekommen. Jene Juden, die aus der Emigration in diesen Teil Deutschlands zurückkehrten, kamen, wie seine Eltern, aus politischen und humanistischen Motiven, weil sie in einem antifaschistischen Staat leben wollten.

Dass er Jude ist, das erfuhr Herzberg mit zehn Jahren – fast beiläufig vom Großvater. „Meine Mutter hat unseren Bekanntenkreis genau durchleuchtet“, um einen Hauch Gemeinsamkeit zu finden, erinnert Herzberg.

In der DDR streng religiös-jüdisch zu leben, das sei nicht möglich gewesen. Es habe in der ganzen Republik nur eine koschere Fleischerei gegeben. „Die meisten Juden sind nur 3-Tages-Juden gewesen, gingen nur zu den drei wichtigsten Feiertagen in die Synagoge.“

Dass vor und im Zweiten Weltkrieg mehr als sechs Millionen Juden umkamen, erfuhr man zwar aus den Schulbüchern, vieles anderes aber nicht: „Da hieß es, dass sie umgebracht wurden, weil sie Widerstandskämpfer waren, nicht aber weil sie Juden sind.“

Wie die Auftaktveranstaltung der Kulturtage mit Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und das Pogromgedenken wurde auch diese Veranstaltung von der Polizei bewacht.

Die Kulturtage bieten am Donnerstag, 14. November, eine weitere Veranstaltung: Um 19.30 Uhr geht es im Haus der Kirche in Mühlhausen um das „Naturverständnis im Judentum von biblischen Zeiten bis zum modernen Israel“.

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