Zweite Welle trifft Unstrut-Hainich-Kreis mit voller Wucht

Unstrut-Hainich-Kreis  Wie sich die Corona-Pandemie  im Kreis bisher entwickelt hat. Die Zahl der Toten steigt stark an.

Die zweite Corona-Welle trifft den Unstrut-Hainich-Kreis und seine Krankenhäuser hart.

Die zweite Corona-Welle trifft den Unstrut-Hainich-Kreis und seine Krankenhäuser hart.

Foto: Daniel Volkmann

Vom corona-freien Landkreis zu dem mit fast den höchsten Werten in Thüringen: Der bisherige Verlauf der Pandemie im Unstrut-Hainich-Kreis zeigt, wie wenig berechenbar Corona ist und wie heftig die Krankheit schnell wüten kann. Maßgeblich für die Ausbreitung sind immer noch zuerst private Kontakte und die Missachtung von Regeln. Wie entwickelte sich Corona im Unstrut-Hainich-Kreis? Ein Rückblick. Corona-Blog: Todesfälle seit Dezember vervierfacht – Thüringen nun Bundesland mit höchstem Inzidenzwert

Die erste Infektion im Kreis wurde am 17. März 2020 gemeldet, die erste Aufnahme im Klinikum am 23. März. Die erste Welle wuchs Anfang April. Bis zum 15. April, dem Tag, als der Tod des ersten Menschen im Kreis mit Corona vermeldet wurde, stiegen die Zahlen auf bis zu 44 akut Infizierte. Dann ebbte die Welle ab. Ab Mitte Mai war die Zahl einstellig, und am 20. Juli gab es hier gar keinen Infizierten mehr.

Bis zum Sommer vier Infizierte gestorben

Selbst die Zahl der vorsorglich in Quarantäne Geschickten ging zurück bis in den niedrigen einstelligen Bereich. Vier Menschen waren bis Sommer mit Corona gestorben.

Die Zahl der von Anfang bis dahin insgesamt im Kreis Infizierten lag noch knapp unter 100. Diese Schwelle wurde am 9. September überschritten. Bis Mitte Oktober blieb es im Unstrut-Hainich-Kreis jedoch eher ruhig, blieb die Zahl akuter Fälle einstellig.

Am 16. Oktober änderte sich das Geschehen – die zweite Welle begann. Nach der Kirmes in Höngeda - dem erste lokalen Hotspot - stiegen die Infektionszahlen stark an, dazu kam ein größerer Ausbruch am Gymnasium Großengottern mit Umfeld.

Ab 23. Oktober ist Kreis Risikogebiet

Täglich meldete das Gesundheitsamt nun 70 akute Fälle, die häusliche Quarantäne traf fast 400 Menschen. Am 23. Oktober wuchs die Sieben-Tages-Inzidenz auf über 50 – damit galt der Kreis erstmals als Risikogebiet.

Da schien die Lage, die auf hohem Niveau verharrte, trotzdem noch beherrschbar: Im Krankenhaus mussten bis Anfang November wegen Corona höchstens zwei Menschen gleichzeitig behandelt werden. Bis 8. November waren sechs Menschen mit Corona gestorben.

Mit seiner Task Force hatte der Kreis erfolgreich Ausbrüche in Pflegeheimen und anderen Einrichtungen eindämmen können. Auch die Kontakt-Nachverfolgung funktionierte noch, während sie anderswo schon wegen der vielen Fälle nicht mehr möglich war.

Starker Anstieg ab zweiter Novemberwoche

In der zweiten Novemberwoche stiegen jedoch alle Werte stark an. Bis Anfang Dezember lag die Inzidenz, die die Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohner widerspiegelt, fast durchweg bei deutlich über 150. Nun waren permanent über 200 Menschen gleichzeitig akut infiziert, ab 21. November dann über 300. Mehr als 1000 Leute waren täglich in häuslicher Quarantäne. Die Zahl der Todesfälle betrug nun schon 19. Ende November lagen zudem 28 Menschen wegen Corona im Krankenhaus, wo auch die schweren Verläufe zunahmen.

Noch viel dramatischer stiegen die Zahlen dann im Dezember. Im Kreis erreicht wurden Inzidenzwerte von über 450 (Höchstwert am 22. Dezember: 479,3). Die Zahl der akut Infizierten erreichte nach Weihnachten fast 800. Weit über 2000 Menschen waren täglich in Quarantäne.

53 Tote zählte die Corona-Bilanz zum Jahresende.

Zu Silvester mussten 123 Menschen in Krankenhäusern im Kreis und außerhalb behandelt werden, zwölf mit schwerem Verlauf. Die Lage im Hufeland-Klinikum wurde immer dramatischer. Zwölf Bundeswehrsoldaten rückten ein, um im Krankenhaus zu helfen. Patienten mussten zunehmend in andere Kliniken verlagert werden, auch nach Niedersachsen.

Im Januar hat sich bisher die Lage stabilisiert, aber nun auf extrem hohen Niveau: Die Inzidenz liegt nach wie vor um 400, aktuell bei 414,7. Über 700 Menschen sind zurzeit akut infiziert. Rund 1300 sind in häuslicher Quarantäne. 80 liegen derzeit in Krankenhäusern, zwei mit schwerem Verlauf.

Bei 3228 Menschen im Kreis wurde seit Pandemiebeginn Corona nachgewiesen. 94 von ihnen sind mit dem Virus gestorben.