1500 Bäumchen in Großschwabhausen gegen künftige Kahlschläge

Großschwabhausen.  Auf ehemaligen Fichten-Flächen, vom Borkenkäfer kahlgefressen, wachsen jetzt Traubeneichen und Weißtannen.

Die Großschwabhäuser Gerlind und André Peisker, aus deren Garten 500 Eichen-Setzlinge stammen, packten beim Einpflanzen natürlich auch selbst mit an.

Die Großschwabhäuser Gerlind und André Peisker, aus deren Garten 500 Eichen-Setzlinge stammen, packten beim Einpflanzen natürlich auch selbst mit an.

Foto: Michael Grübner

Rund 1000 Traubeneichen und 500 Weißtannen für den Wald zwischen Großschwabhausen und Münchenroda: Dieses Projekt haben die Gemeinde, die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Vollradisroda und das Forstamt Bad Berka erfolgreich in die Tat umgesetzt. Höhepunkt war am Samstagvormittag ein Arbeitseinsatz, bei dem rund 25 Freiwillige dem Aufruf des Großschwabhäuser Bürgermeisters Florian Guddat folgten.

Wie bei vielen Aufforstungs-Aktionen in diesen Tagen ging es auch hier um Kahlschlag-Flächen: Die beiden letzten trockenen Sommer, mehrere Stürme und Borkenkäfer-Befall hatten die Fichtenbestände absterben lassen. „Bei diesem Arbeitseinsatz ging es vor allem auch darum, die Leute hier zu sensibilisieren für die prekäre Lage im Wald“, sagte der zuständige Revierförster Falko Resch.

Ganz ohne Fichte ist der Forst noch nicht denkbar

Die Idee, den Wald artenreicher zu gestalten, sei zumindest in seinem Revier nicht neu, so Resch: „Im Prinzip arbeiten wir hier schon seit zwanzig Jahren daran, einen natürlicheren Wald anstatt der damals üblichen Fichten-Monokulturen zu gestalten“, versichert er. „Das, was jetzt mit den Fichten passiert, hat damals natürlich noch keiner geahnt.“ Die Laubbäume, die seit 1997 auf ehemalige Wiesen oder in die Fichtenschläge hineingepflanzt wurden, gedeihen jedenfalls gut. „Ganz ohne die Fichte wird es hier nicht gehen“, so der Revierförster. Schnell wachsendes, hochwertiges Holz – damit bleibe diese Art ein Wirtschaftsfaktor. „Wenn sie aber inmitten von Laubbäumen wächst und nicht als Monokultur, entstehen nicht sofort Kahlflächen, wenn der Borkenkäfer kommt.“

Die gemeinsame Aktion von Gemeinde, FBG und Forst ist eine Premiere. Den Hauptteil der Arbeiten erledigte der Landschaftspflege-Fachmann André Backhaus aus Süddeutschland mit seinen Helfern – er ist schon seit Jahren ein fester Partner der FBG und brachte Setzlinge aus einer Baumschule in Bad Ems gleich mit. Beim Samstags-Arbeitseinsatz kamen aber auch 500 Mini-Traubeneichen aus einer Privatspende in die Erde: Der Lackierer André Peisker hat in seinem Garten in Großschwabhausen einen solchen Baum stehen. „Der hatte 2018 ein sogenanntes Mastjahr, in dem besonders viele Eicheln anfallen. Die habe ich auf ein freies Stück Feld gestreut und eingeharkt, und sie sind auch fast alle aufgegangen.“ Als regelmäßiger Brennholz-Kunde des Försters war der Weg zu diesem kurz.

Drahtzaun soll die Rehe von den Setzlingen fernhalten

Gesetzt wurden bei der Aktion auch die letzten von mehreren hundert Metern Schutzzaun. Der grobmaschige Draht, 1,60 Meter hoch, soll vor allem das in diesen Wäldern zahlreiche Rehwild von den Setzlingen fernhalten. „Vor allem die kleinen Weißtannen sind für diese Tiere wie für uns ein Sahnebonbon“, schmunzelt Förster Resch.

Ein Wasserkessel-Anhänger im Wald ist das erste Zeichen für den nächsten Schritt: „Wir wollen die frisch bepflanzten Flächen bewässern“, so Resch. Das passiert in den nächsten Tagen, in schwerer Handarbeit mit einem Schlauchsystem. Partner ist die Erzeugergenossenschaft Kleinschwabhausen: Der Agrarbetrieb holt den Wasser-Hänger ab, wenn er leer ist, und bringt jeweils einen vollen mit. Zwei Durchgänge im Herbst und einer im Frühjahr, wenn die Setzlinge frisch austreiben – so sollen die Bäume den bestmöglichen Start ins Vegetationsjahr bekommen.

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