25. Weimarer Menschenrechtspreis für zwei engagierte Frauen

Weimar.  Ihsan Fagiri (Sudan) und Laila Fakhouri (Westsahara) wurden für ihr außerordentliches und friedliches Engagement in ihren Heimatländern geehrt.

Die Stadt Weimar hat am 10. Dezember, dem internationalen Tag der Menschenrechte, Ihsan Fagiri (links) und Laila Fakhouri mit dem Weimarer Menschenrechtspreis 2019 ausgezeichnet.

Die Stadt Weimar hat am 10. Dezember, dem internationalen Tag der Menschenrechte, Ihsan Fagiri (links) und Laila Fakhouri mit dem Weimarer Menschenrechtspreis 2019 ausgezeichnet.

Foto: Michael Baar

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Zwei engagierte Frauen hat die Stadt Weimar zum 25. Jubiläum mit dem Weimarer Menschenrechtspreis gewürdigt. Ihsan Fagiri (Sudan) und Laila Fakhouri (Westsahara) erhielten ihn am Dienstag, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, für ihr außerordentliches und friedliches Engagement in ihren Heimatländern. Der Weimarer Stadtrat hatte den Ausgezeichneten den Preis am 11. September dieses Jahres zuerkannt. Er folgte damit der Empfehlung des Vergabebeirates des Weimarer Menschenrechtspreises, der sich für die Vorschläge der Gesellschaft für bedrohte Völker (Ihsan Fagiri) und Terre des Hommes (Laila Fakhouri) ausgesprochen hatte.

Weimar stellt sich hinter Menschen, die sich gegen Unterdrückung und Gewalt auflehnen

„Wir freuen uns sehr, die beiden Preisträgerinnen in Weimar zu begrüßen. Unser Menschenrechtspreis soll ein deutliches Zeichen unserer Unterstützung und Verbundenheit mit ihnen sein“, betonte Oberbürgermeister Peter Kleine bei der Übergabe der Preise im Seminargebäude der Weimarhalle. „Menschenrechte sind keine lokale Angelegenheit, sie gelten global. Deshalb ist und bleibt es wichtig, dass die Kulturstadt Weimar an der Seite derjenigen Menschen steht, die sich gegen Unterdrückung, Gewalt und Repressionen auflehnen – egal in welchem Teil der Erde.“ Zuvor hatte es beteuert, den Preis so lange zu verleihen, wie es nötig sei, auf die Unterdrückung von Menschenrechten aufmerksam zu machen.

Gundula Gause ruft zum weiteren beharrlichen Engagement auf

Der Preis sei sehr wichtig in einer Zeit, in der es in Europa Frieden und Wohlstand gebe, weltweit aber Krieg, die Bedrohung indigener Völker oder weitere Menschenrechtsverletzungen, betonte die Schirmherrin Gundula Gause. Die Nachrichten-Moderatorin beim ZDF hob hervor, dass in ihrem Metier zwar die schlechten Nachrichten vorherrschen würden, von der Preisverleihung in Weimar aber gute ausgehen würden: Die stehe für das Engagement der Geehrten und der Stadt gleichermaßen. Gause bestärkte daher alle, „dran zu bleiben“ bei Ihrem Einsatz für die Menschenrechte.

Friedlicher Kampf gegen Marokko in der Westsahara

Laila Fakhouri setzt sich seit ihrer Kindheit in der Westsahara für die Rechte des sahrauischen Volkes ein, das seit 1975 durch die Vorherrschaft Marokkos diskriminiert wird. Sie gehört zu einer jungen Generation Sahrauis, die mit friedlichen und juristischen Mitteln für das Recht ihres Volkes auf Anerkennung kämpfen. Trotz ständiger Drohungen und Repressalien, denen sie und ihre Familie ausgesetzt sind, engagiert sie sich als Prozessbeobachterin, Übersetzerin, Vermittlerin, Aktivistin und Botschafterin für inhaftierte sahrauische Aktivisten der Studentenbewegung. Laila Fakhouri riskiert dabei vielfach ihr Leben. Als einzige weibliche Menschenrechtsaktivistin ist sie stets ein einfaches Ziel der Polizei. So wurde sie bereits verhaftet, war mehrfach Verhören ausgesetzt und muss jederzeit mit weiteren Repressalien rechnen, begründete Terre des Hommes den Vorschlag für die diesjährige Preisverleihung.

Mutige Frauen bringen nach 30 Jahren Diktator im Sudan zu Fall

Ihsan Fagiri setzt sich als Gründerin der Menschenrechtsorganisation „No to Women’s Oppression“ seit langem für Frauenrechte ein und klagt seit Jahren Menschenrechtsverletzungen auf Grund der Scharia oder Völkermord an. Besonders mutig ist ihr Engagement für Frauen, die Opfer von Vergewaltigungen als Kriegswaffe wurden. Sie gilt als eine der zentralen Persönlichkeiten der Zivilgesellschaft im Sudan, die mit friedlichen Protesten im April 2019 den Sturz des seit 30 Jahren amtierenden Diktators Bashir erreicht hat, hob die Gesellschaft für bedrohte Völker in ihrem Vorschlag hervor. Ihsan Fagiri und viele andere Frauen würden trotz willkürlicher Verhaftungen (zuletzt im Januar/ Februar 2019) ihre friedlichen Proteste fortsetzen. „Trotz allem ist sie weiterhin starker Bedrohung ausgesetzt, da ein führender Milizen-Chef des zurzeit regierenden Militärrates einer der gefährlichsten Widersacher für die Menschenrechtlerin ist“, machte die Menschenrechts-Organisation deutlich.

Mit dem Menschenrechtspreis hat die Stadt Weimar die beiden Frauen für ihr selbstloses und unermüdliches Engagement für die Menschen- und Frauenrechte geehrt. Verbunden sei dies auch mit der Hoffnung, die Menschenrechtsverletzungen in der Westsahara sowie im Sudan in den öffentlichen Fokus zu rücken, die Frauen in ihrem Engagement zu stärken und zu unterstützen sowie ihr Leben durch die internationale Aufmerksamkeit zu schützen.

Weimar ehrte bisher 20 Persönlichkeiten mit dem Menschenrechtspreis

Der Menschenrechtspreis der Stadt Weimar wird seit 1995 jährlich an Personen oder Organisationen vergeben, die sich beispielhaft für die Ächtung von Völkermorden, die Abschaffung der Todesstrafe, für die Rechte von Kriegs- und Gewaltopfern oder für die Minimierung von Waffen- und Rüstungsexporten einsetzen. Seither sind 20 Persönlichkeiten mit dem Weimarer Menschenrechtspreis ausgezeichnet worden.

Kleine: Viele Menschenrechtler sind schweren Verfolgungen ausgesetzt

„Wir dürfen nicht vergessen, dass viele Menschenrechtler in ihrem Kampf schweren Verfolgungen ausgesetzt sind. Ich erinnere beispielsweise an die beiden syrischen Erzbischöfe Boulos Yazigi und Mor Gregorius Yohannes Ibrahim, die seit 2013 verschleppt sind und von denen wir kein Lebenszeichen mehr erhalten haben. Ich erinnere auch an den Uiguren Ilham Tohti, der in China nach wie vor in Haft sitzt“, unterstrich Peter Kleine. Zum 25-jährigen Jubiläum des Preises sind neben den diesjährigen Preisträgerinnen auch mehrere ehemalige Preisträger aus aller Welt nach Weimar gereist: Schwester Lorena Jenal (Schweiz/Papua-Neuguinea), Stella Matutina (Philippinen), Biram Dah Abeid (Mauretanien), Pater Shay Cullen (Irland/Philippinen), Heike Kammer (Deutschland) und – als Vertretung – Jourmana Seif (Syrien, für Riad Seif) sowie Bruder Justine Nkunzi (Kongo, für Erzbischof Maroy-Rusengo). Die Preisträger hatten sich am Montag in einer Konferenz zu aktuellen Gefährdungen der Menschenrechte ausgetauscht.

Mehr Informationen: https://terredeshommesschweiz.ch/recht-auf-selbstbestimmung-fuer-junge-sahraui/ und https://www.gfbv.de/de/news/menschenrechtspreis-der-stadt-weimar-9869/

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