Alltagshelden und Lebenswerk

Blankenhain.  Die Bürgerpreise für Weimar und das Weimarer Land wurden von der Sparkassenstiftung in Blankenhain verliehen

Die Preisträger (von links): Torsten Köppe und Frank Schwuntek, Josephine Wollweber, Petra Seidel, Margarete Schilling und Oswald Malarski.

Die Preisträger (von links): Torsten Köppe und Frank Schwuntek, Josephine Wollweber, Petra Seidel, Margarete Schilling und Oswald Malarski.

Foto: Michael Baar

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Im Schloss von Blankenhain wurde das Geheimnis feierlich gelüftet: Oswald Malarski, Frank Schwuntek und Torsten Köppe, Petra Seidel, Josephine Wollweber und Margarete Schilling sind die Träger des Bürgerpreises 2019. Bereits zum 21. Mal hat die Sparkassenstiftung Weimar – Weimarer Land das freiwillige Engagement von Bürgerinnen und Bürgern mit diesem Preis gewürdigt. Aus 24 Vorschlägen wählte die Jury fünf Preisträger aus, die mit Preisgeldern in Höhe von insgesamt 5000 Euro, einem Glaspokal sowie einer Ehrenurkunde ausgezeichnet wurden.

Sparkassendirektor Michael Haun würdigte vor zahlreichen Gästen, darunter der Bundestagsabgeordnete Johannes Selle und Blankenhains Bürgermeister Jens Kramer, die unermüdlichen ehrenamtlichen Aktivitäten vieler Bürgerinnen und Bürger in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen. Seit 1999 hat die Sparkassenstiftung deshalb 144 Einzelpersonen bzw. Gruppen mit Preisgeldern von über 111.000 Euro geehrt.

Die Arche Malarski

Einen Alltagshelden wie Oswald Malarski gab es allerdings noch nie. 1993 kam er nach Leutenthal im Weimarer Land. Seine Vorlieben lagen schon immer auf dem Beobachten, Fotografieren und Dokumentieren von Insekten und seltenen Pflanzen der Heimat. 1998 konnte er sich seinen Traum erfüllen. Im Scheunenmuseum präsentiert er u.a. mehr als 3000 Käfer- und Schmetterlingspräparate, Fossilien, alte Spielzeuge, Haushaltsgegenstände, technische Raritäten und historische Dokumente.

Im Juni und auf Nachfrage öffnet Oswald Malarski seine Sammlung stets für Interessierte, stellt die Exponate persönlich vor und vermittelt dabei sein unglaubliches Wissen. In der „Arche Malarski“ kann man ganz tief in andere Welten eintauchen. Einmalig ist seine Kür der Falter, Bäume, Vögel oder Käfer des Jahres. Für 2020 ist wieder eine Insektensonderausstellung geplant. So wird es nie langweilig im „Scheunenmuseum Malarski“, sagte Kreisheimatpflegerin Gudrun Braune in ihrer Laudatio.

Die Sammlungen wachsen stetig, so dass auch bei einem nächsten Besuch Neues entdeckt werden kann. Auch in dem opulenten Bauerngarten hinter dem Museum gibt es was zu sehen. Dort grünt und blüht es das ganze Jahr über. Die Namen der Pflanzen kann man auf den gut beschrifteten Schildern lesen. Damit hat Oswald Malarski mit seiner Frau Erika in Leutenthal ein Gesamtkunstwerk geschaffen.

Eine Perle des Klettersports

Frank Schwuntek und Torsten Köppe wurden für ihr Engagement für den Klettersport in Weimar ausgezeichnet. Beide sind seit 1991 Mitglieder des Deutschen Alpenvereins (DAV) Sektion Weimar. Beide sind lizensierte Übungsleiter für die Nachwuchsentwicklung. Der Verein zählt inzwischen etwa 1300 Mitglieder und ist so der zweitgrößte Verein der Stadt Weimar.

Seit 2006 bilden die beiden ein erfolgreiches Duo im Vereinsvorstand. Und so reifte aus einer kühnen Idee die Planung für eine vereinseigene Kletterhalle in Weimar. Während Torsten Köppe als Architekt in unzähligen unbezahlten Stunden das Projekt reifen ließ, kümmerte sich Frank Schwuntek um die Finanzierung, um Netzwerkpartner und eine zukunftsfähige Ausrichtung des Vereins und des entstehenden Kletterzentrums.

Mit dem Neubau, der 2017 in Betrieb ging, konnte der Deutsche Alpenverein Weimar das bisher größte Sportstättenbauprojekt in Regie eines Sportvereins in Thüringen realisieren, so Laudator Rolf Beilschmidt (LSB). Die Trainingsbedingungen für die Vereinsmitglieder erlebten einen Quantensprung, Möglichkeiten des Freizeitkletterns für Weimarer und Gäste wurden auf hohem Niveau neu geschaffen.

Mit Fertigstellung der Außenkletterwände und der Speedwand sind die Voraussetzungen für attraktive Wettkämpfe gegeben. Einen besonderen Stellenwert erhält das Kletterzentrum durch die von Torsten Köppe und Frank Schwuntek initiierte Ausrichtung als Inklusives Kletterzentrum, in dem auch Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen klettern können.

Courage und Ausdauer

Ebenfalls in der Kategorie „Alltagshelden“ wurde Petra Seidel ausgezeichnet. Ihr Laudator: Weimars OB Peter Kleine. Als Trauerbegleiterin habe sie zahllosen Menschen in Ausnahmesituationen beigestanden. Seit ihrem Umzug nach Legefeld 1997 setzt sie sich für die Belange des Ortes und seiner Einwohner ein. 2003 wurde sie zur Ortsteilbürgermeisterin gewählt und 2009 in den Stadtrat. Sie machte sich für das Errichten einer Bushaltestelle, den Bau des Verkehrskreisels, das Errichten eines Feuerwehrgerätehauses und eines Jugendclubs und nicht zuletzt für den Erhalt der Grundschule Legefeld stark. Wenn sie etwas ins Visier genommen hat, dann scheitern weder der Bau eines neuen Ärztehauses, noch die Um- bzw. Neugestaltung des Dorfangers, weder die Beschaffung eines Treppensteiggerätes als Integrationshilfe in der Legefelder Schule, noch der Bau eines Pflegezentrums im Ortsteil oder der Kindergartenneubau.

Mindestens einmal monatlich ruft sie mit anderen zum sogenannten „Legefelder Seniorencafé“, sorgt in der Saison dafür, dass Legefelder zum Seniorenfasching beim HWC rollen. Nach dem Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek organisierte Petra Seidel eine Benefizveranstaltung, bei der über 6000 Euro für den Wiederaufbau zusammenkamen. Petra Seidel arbeitet im Behinderten- und Seniorenbeirat mit, engagiert sich zudem in zahlreichen Vereinen.

Jugendliche Heldin

Josephine Wollweber aus Niederreißen erhielt den Bürgerpreis in der Junioren-Kategorie „U21“. Laudator Hans-Jürgen Häfner, der Vorsitzende des Kreissportbundes, berichtete den Gästen, dass sie sich bereits seit ihrem fünften Lebensjahr der Leichtathletik verschrieben hat. Zunächst in Oßmannstedt, dann beim Apoldaer Leichtathletikverein entdeckte sie ihr Talent für die Sportart. Erfolgreich bei zahlreichen Wettkämpfen, zuverlässig als Trainerin und engagiert als Übungsleiterin der Kindertrainingsgruppe des Apoldaer Leichtathletikvereins ist sie aus der Leichtathletik des Weimarer Landes nicht mehr wegzudenken.

Im Apoldaer Leichtathletikverein hat sie allein 2019 beim Apoldaer Stadtlauf, beim Trainingslager der Talentgruppe, bei der Betreuung verschiedener Athleten zu Meisterschaften sowie bei der Durchführung von Trainingseinheiten im Jugend- und Erwachsenenbereich geholfen. Der im Rahmen ihrer Seminarfacharbeit mit Mitschülern organisierte Spendenlauf war mit einer Spendensumme von 6000 Euro ein voller Erfolg.

Josephine Wollweber unterstützt darüber hinaus den Kreissportbund bei den Sparkassen-Cups in der Leichtathletik, bei alljährlichen Fitnesstests „Bewegte Kinder gleich gesündere Kinder“ und bei „Jugend trainiert für Olympia“. Dieses Jahr möchte Josephine Wollweber außerdem ihren Trainerschein C für Leistungssport beim Thüringer Leichtathletikverband erwerben.

Ein Leben für die Glocken

In der Kategorie Lebenswerk wurde mit Margarete Schilling wieder eine verdiente Persönlichkeit ausgezeichnet, die sich seit vielen Jahrzehnten beständig und in hohem Maße bürgerschaftlich engagiert hat, hob Landrätin Christiane Schmidt-Rose hervor. Margarete Schilling heiratete 1966 den letzten Apoldaer Glockengießermeister Franz Peter Schilling. Sie übernahm damit das Vermächtnis für die weltberühmte Glockengießerfamilie aus Apolda und Heidelberg. Mit ihrem Mann nahm sie Klanganalysen der Glocken vor, entwickelte neue Glocken und Glockenspiele und sorgte für die Ausbildung von Glockenspielern in der DDR.

Im Jahr 1972 wurde der Betrieb enteignet und zum VEB Apoldaer Glockengießerei umgewandelt. Sie wurde technische Leiterin, schied aber 1974 aus dem Betrieb aus und war mit ihrem Ehemann Franz Peter Schilling freiberuflich tätig. Es entstanden in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Betrieben im In- und Ausland viele Glocken und vor allem Glockenspiele.

Margarete Schilling ist bekannt geworden für ihr Engagement rund um das Thema Glocken: als Künstlerin und als Autorin von Büchern, Broschüren, Artikeln in Fachzeitschriften und Katalogen sowie durch die Herausgabe von historischen und künstlerischen Werken. Sie hielt Fachvorträge und Buchlesungen und gestaltete über 50 Ausstellungen, darunter auch Dauerausstellungen in vielen Orten Deutschlands ebenso wie im Ausland. Sie ist Ratgeberin für Glockenmuseen, war in die Vorbereitungen der bisherigen Apoldaer Weltglockengeläute aktiv eingebunden und beantwortet auch heute noch zahlreiche Anfragen aus aller Welt per Post, Telefon und E-Mail zu den Apoldaer Glocken.

„Jetzt weiß ich endlich, was ich alles gemacht habe“, sagte die 87-Jährige nach der Laudatio. augenzwinkernd – Margarete Schilling hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Apolda auch heute noch zu Recht den Titel „Glockenstadt“ trägt.

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