Beide Weimarer Kunstrasenplätze brauchen ab 2022 neue Füllstoffe

Weimar  Granulat als Füllstoff auf Kunstrasenplätzen könnte wegen Mikroplastik-Abrieb bald von der EU verboten werden

Der Sportplatz Lindenberg hat einen Kunstrasen. Und der braucht ab 2022 neue Füllstoffe.

Der Sportplatz Lindenberg hat einen Kunstrasen. Und der braucht ab 2022 neue Füllstoffe.

Foto: Frank Steinhorst

Beide Weimarer Kunstrasen-Sportplätze wären vom Verbot von Kunststoff- und Gummigranulaten als Füllstoff betroffen, falls die angekündigte EU-Richtlinie 2022 in Kraft tritt. Damit droht den Kunstrasenplätzen auf dem Sportplatz Lindenberg und auf dem Waldsportplatz Schöndorf zwar kein Verbot. Beide müssten jedoch neue Füllstoffe erhalten. Welche Maßnahmen mit welchem Aufwand dann notwendig sind, sei derzeit seriös nicht zu beantworten, heißt es in einer Auskunft der Verwaltung an den Stadtrat.

Die beiden Weimarer Kunstrasenplätze nutzen Kunstrasensysteme mit Sand- und Gummigranulat-Verfüllung. Bei einer Sanierung müsse definitiv ein anderes Kunstrasensystem gewählt werden. Welches am besten geeignet wäre, steht aber noch in den Sternen. Die Sportämterkonferenzen und der DFB fordern deshalb wissenschaftliche Überprüfungen der Alternativen – Kork, Sand, Hybridrasen (halb Kunst und halb Natur) oder Kunstrasen ohne Verfüllung – auf Bespielbarkeit und Lebensdauer.

Auf dem Lindenberg wurde laut Sportverwaltung von Anfang an darauf geachtet, dass das Granulat nicht massenhaft ins Grundwasser gelangt. Es werde regelmäßig auf dem Platz verteilt. So musste bisher kaum nachgefüllt werden: „In den wenigen Fällen, wo der Platz von Schnee beräumt wurde, ist der Schnee an einer geschützten Stelle gelagert worden, so dass nach dem Abtauen das Granulat von den Platzarbeitern gesiebt und wieder auf den Platz gebracht werden konnte.“ Der Kunstrasen werde zudem jährlich von einer Fachfirma grundgereinigt und repariert.

Alternativen zu Kunstrasen gibt es für Weimar allerdings nicht. Zwar ist für den Lindenberg zunächst ein Rasen-Trainingsplatz als Erweiterung vorgesehen, weil ein Kunstrasen deutlich teurer wäre. Doch die Folgekosten auf Rasen (Schneiden, Düngen, Wässern etc.) seien höher anzusetzen. Das hat bereits eine Kosten-Nutzen-Analyse im Jahr 2018 dargestellt, die im Bildungs- und Sportausschuss erörtert wurde.

Gegen Naturrasenplätze sprechen demnach die vergleichsweise geringe Nutzbarkeit: Es sei kein Schlechtwetter- und kein Winterbetrieb möglich. Pflege- und Unterhaltungsaufwand seien hoch. Und aus der geringeren Nutzungsintensität ergebe sich ein viel größerer Flächenverbrauch, um den in Weimar sehr hohen Bedarf an Sportplätzen zu decken.

Im Wimaria-Stadion orientiert die Stadt von Anfang an auf Sand als Füllmaterial des Kunstrasens, der die jetzigen Hartplätze ersetzen soll. Die eigentlich schon für 2020 geplante Umsetzung musste allerdings verschoben werden, weil die Sanierungen des Asbachs und des Asbachkanals unter dem Stadionvorplatz noch nicht erfolgt sind.

Die Sportverwaltung betont in ihrer Antwort an die Weimarer Bündnis-Grünen: Bei allen weiteren Kunstrasen-Planungen habe das Thema Umweltverträglichkeit Priorität. Allerdings werde auch die EU-Richtlinie die Abwägung zwischen Rasen und Kunstrasen kaum ändern, zumal die Finanz- und Förderpolitik auch in absehbarer Zeit auf Investitionen und nicht auf Werterhalt ausgerichteten sei.

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