Bündnis übergibt Manifest zum Klimaschutz in Weimar

Weimar  OB Peter Kleine schlägt Expertenbeirat mit engagierten Weimarern vor. Unterschriftensammlung geht im Netz weiter

Armin Froitzheim (4. von rechts) vom Klimabündnis hat ein Klima-Manifest sowie die ersten 578 Unterstützer-Unterschriften an Peter Kleine (links) übergeben.

Armin Froitzheim (4. von rechts) vom Klimabündnis hat ein Klima-Manifest sowie die ersten 578 Unterstützer-Unterschriften an Peter Kleine (links) übergeben.

Foto: Susanne Seide

Unter dem Motto „Fünf nach zwölf“ hat das Klimabündnis Weimar am Freitag ein Klima-Manifest an Oberbürgermeister Peter Kleine übergeben. Statt der geplanten kurzen Formalie entwickelte sich vor dem Haus der Stadtverwaltung ein interessantes Gespräch, bei dem Kleine sowie die Bündnis-Sprecher Armin Froitzheim und Ulrike Greim ihre Positionen darstellten – mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

Das überparteiliche Bündnis stellt in seinem „Weimarer Umwelt- & Klima-Manifest“ als oberstes Ziel, dass die Stadt bis 2025 klimaneutral wird. Weitere der zehn Forderungen sind, dass die Stadt vollständig auf Ökostrom umgestellt werde und ihn zunehmend auch selbst erzeugen solle. Auch der Verkehrssektor müsse zunehmend auf klimaneutrale Mobilität setzen sowie lokale und regionale Wirtschaftskreisläufe gefördert werden. Ebenso setzt sich das Bündnis für mehr Umweltbildung ein – auch in öffentlichen Einrichtungen. Die Stadt, so das Bündnis, „soll alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern. Sie solle Vorbild sein und auch thüringen- und bundesweit dafür werben“.

Oberbürgermeister Peter Kleine regte an, einen Expertenbeirat zu bilden, in dem sich engagierte Weimarer und Experten mit Klimafragen in der Stadt beschäftigen. Es gebe auch Bereitschaft aus der Bauhaus-Universität, dabei mitzuarbeiten. „Wir machen schon viel“, so der Oberbürgermeister, der darauf verwies, dass „die Luftqualität so gut wie nie ist“. Für Weimar als grüne Stadt wünsche er sich, dass für jeden Baum, der gefällt werden müsse, zwei neue angepflanzt werden.

Skeptisch ist Kleine bei der Klimaneutralität: Die Bestandswohnungen umzurüsten, sei so teuer, dass sich die Mieten verdreifachen würden. Selbst bei Um- und Neubauten sei es schwierig, die notwendigen Kosten zu tragen. „Wir müssen aber auch die Menschen mitnehmen, die weniger Geld haben“, betonte er. Die Mitstreiter des Klimabündnisses indes verwiesen darauf, dass mit dem einmaligen höheren finanziellen Mehraufwand für die gesamte Zukunft Energiekosten entfallen. Ohne Zweifel mitgehen konnte Peter Kleine mit dem Vorhaben, mehr Solardächer zu schaffen.

Das Bündnis hatte in den vergangenen zwei Wochen 578 Unterschriften für sein Manifest gesammelt und gestern mit an Peter Kleine übergeben. Die Sammlung soll auf der seit Freitag freigeschalteten Internet-Seite weitergehen. Mit der Übergabe gestern wollten die engagierten Weimarer noch vor dem nächsten Stadtrat ein Zeichen setzen, dass das Bündnis sich bei Klimafragen fortan nach allen Möglichkeiten beteiligen wolle.

Dass unter anderem „Fridays for Future“ ausgestiegen ist, zeigt ein Problem des Bündnisses, das gestern für Schärfe im Ton sorgte: Maximalforderungen, die Konfrontation statt Kooperation auslösen.

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