Der "Nurflügler" aus Weimar

Ein Blick ins Fotoalbum: An der Ingenieurschule wurde ein neuartiges Flugzeug entwickelt.

Aus einem Buch zur Praktikantenausbildung stammt dieses Foto des „Nurflüglers“ im Hof der Weimarer Ingenieurschule.

Aus einem Buch zur Praktikantenausbildung stammt dieses Foto des „Nurflüglers“ im Hof der Weimarer Ingenieurschule.

Foto: Kremer

Weimar. Je länger wir uns mit der Geschichte der Ingenieurschule Weimar beschäftigen, desto spannender wird diese. Vom „Segelflughistoriker“ Manfred Krieg bekamen wir wertvolle Hinweise zu einem völlig neuartigen Flugzeug, das an der Schule weiterentwickelt und gebaut wurde.

Dass die Ingenieurschule überhaupt von Altenburg nach Weimar gezogen ist, lag wohl vor allem daran, dass diese privat organisierte und finanzierte Schule in Altenburg zu wenig Unterstützung bekam. In Weimar bekam sie durch die Übernahme einer Bürgschaft sofort erste Hilfe beim Kauf des Schulgebäudes, einer ehemaligen Pianofabrik (zu DDR-Zeiten Uhrenwerk Weimar) hinter dem Bahnhof. Die Stadt sicherte außerdem einen festen Zuschuss für eventuell ausgefallene Schulgelder zu. 1933 waren dies immerhin 50.000 Reichsmark. Die stark rückläufigen Studentenzahlen lagen dabei weniger am Umzug, sondern vor allem an der 1929 einsetzenden Weltwirtschaftskrise.

Zurück zu der neuartigen Flugzeugkonstruktion: Hierbei handelt es sich um ein „Nurflügler“ auch als Stummelflügler oder Deltaflügler bezeichnet. Erste Versuche dafür unternahm unter anderem Alexander Lippich (1894 bis 1976), an denen auch der Ozeanflieger Hermann Köhl (1888 bis 1938) beteiligt war, ebenso wie Günter Grönhoff aus Berlin. Nach Meinungsverschiedenheiten ging Köhl an die Ingenieurschule Weimar, wo er mit dem Dozenten Ernst von Loessl einen hervorragenden Fachmann als Partner fand. 1933/34 konstruierten sie ein Delta-Motorflugzeug mit Druckschraube, das heißt der „Propeller“ war nach hinten ausgerichtet. Gebaut im Flugversuchsbau auf dem Gelände der Ingenieur -Schule Weimar wurden dann erste Rolltest auf dem Flugplatz am Webicht vorgenommen.

Wie seit Jahren eigentlich bekannt, war dieses Gelände bereits vor dem Ersten Weltkrieg als Flugplatz für Motorflugzeuge eigentlich zu klein. Sowohl Länge als auch Breite trugen immer wieder dafür Sorge, dass sich die Wiese als dauerhafter Verkehrsflugplatz als ungeeignet erwies. Einer der Flugplatzpioniere von Weimar, der Rechtsanwalt Georg Mardersteig (1864 bis 1943), brachte verschiedene Um- beziehungsweise Neubauprojekte ins Gespräch, so auch eine heute genutzte Fläche bei Umpferstedt, was aber alles an den Kosten scheiterte. Erst mit dem Bau des Ausbildungsflugplatzes des Nationalsozialistischen Fliegerkorps (NSFK) in Nora, dessen Anlage der Vorbereitung junger Männer aus Weimar und Umgebung für die Luftwaffe diente, wurden bessere Bedingungen für Motorflugzeuge geschaffen.

Der an der Ingenieurschule gebaute „Nurflügler“ hatte einen verkleideten Stahlrohrrumpf, Tragflächen aus Holz die mit Leichtmetall beplankt waren, schrieb uns Manfred Krieg. 1934 fertiggestellt, unternahm Köhl Rollversuche auf dem Flugplatz am Webicht. Danach gab es Flugversuche auf dem Verkehrsflugplatz Erfurt/Nord, die mit einer Bruchlandung endeten. Über das weitere Schicksal des „Nurflüglers“ ist nichts bekannt.